Mainz, 10. September 2018. Viele Menschen in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland sind grundsätzlich bereit, ihre nahen Angehörigen zu pflegen. Neun von zehn Befragten in den drei Bundesländern gaben dies bei der repräsentativen Umfrage "Meinungspuls Pflege" der Techniker Krankenkasse (TK) an. Von den Umfrageteilnehmern, für die eine Pflege nicht vorstellbar ist, meinte über die Hälfte, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Jeder Vierte nannte als Grund die berufliche Situation und 13 Prozent die eigene Gesundheit. Etwa zwei Drittel der Menschen, für die Pflege trotz Job vorstellbar ist, würden ihre Arbeitszeit reduzieren, etwa jeder Siebte zieht eine längere berufliche Auszeit in Erwägung.

Wenn es um das Thema Demenz geht, nimmt die Bereitschaft, die Pflege für Angehörige zu übernehmen, leicht ab. Aber immerhin noch drei von vier Befragten könnten sich vorstellen, demenzkranke Familienmitglieder zu versorgen. "Hier scheint es eine Unsicherheit bezüglich der Erkrankung und ihren Symptomen zu geben. Es ist deshalb notwendig, dass pflegende Angehörige Unterstützung und Informationen an die Hand bekommen", erklärt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung in Rheinland-Pfalz.

Die meisten wollen zu Hause gepflegt werden

In den vergangenen fünf Jahren haben 16 Prozent aller Befragten an Rhein, Main und Saar Pflegebedürftige versorgt, die im gleichen Haushalt wohnen. Jeder Vierte hat sich regelmäßig um nahestehende Menschen gekümmert, die woanders gepflegt wurden. Umgekehrt wünscht sich die große Mehrheit in den drei Bundesländern, im Pflegefall in der eigenen Wohnung versorgt zu werden (80 Prozent). Alternativ dazu gibt es auch eine große Akzeptanz für Senioren-WGs oder die Pflege bei Angehörigen. Immerhin knapp ein Drittel würde in ein Pflegeheim gehen.

"Pflege ist eine Herausforderung für den Einzelnen und die Gesellschaft. Wir müssen sie deshalb auf breite Schultern stellen", sagt TK-Landeschef Simon. "Neben Schulungen für pflegende Angehörige, Entlastungen durch Verhinderungspflege und Unterstützung durch professionelle Pflegekräfte kann auch die Digitalisierung dazu beitragen, Pflegebedürftige besser zu versorgen. Denken wir etwa an Smart-Home-Lösungen wie Sturzsensoren oder altersgerechte Assistenzsysteme - sogenanntes Ambient Assisted Living - durch die Pflegebedürftige länger in den eigenen vier Wänden wohnen können", führt Simon an. Die TK setze sich dafür ein, dass solche digitalen Lösungen auch durch die Pflegeversicherung berücksichtigt werden können. Hier sei die Politik gefragt, damit digitale Helfer in der Pflege häufiger zum Einsatz kämen.

Eigene Pflege ist für jeden Zweiten ein Tabu-Thema

Es sei auf jeden Fall anzuraten, sich frühzeitig mit der eigenen Situation auseinanderzusetzen, rät Simon. Laut TK-Meinungspuls hat sich nur jeder Zweite in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland mit dem Thema Pflegeversicherung befasst oder mit Angehörigen oder engen Freunden über die eigenen Wünsche und Befürchtungen gesprochen.
Die TK unterstützt pflegende Angehörige mit verschiedenen digitalen und analogen Angeboten. Dazu gehören Pflegekurse zu Hause oder der kostenlose digitale TK-Pflege-Coach. Auch das Angebot des Portals "pflegen-und-leben.de" können TK-Versicherte kostenlos und anonym nutzen. Dort bieten speziell ausgebildete Psychologen online eine individuelle psychologische Begleitung für Pflegende an.

Hintergrund

Im Auftrag der TK befragte Forsa im April 2018 für den TK-Meinungspuls Pflege bevölkerungsrepräsentativ 1.007 Menschen in Deutschland zum Thema Pflege. In computergestützten Telefoninterviews wurden in Privathaushalten lebende Personen ab 18 Jahren befragt. Die Stichprobe ist nach Region, Geschlecht, Alter und Bildung gewichtet. Unter www.tk.de stehen weitere Ergebnisse (Webcode 987704) und Presseinfografiken (Webcode 988210) zur Verfügung.