Hannover, 23. Juli 2020. Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt, dass Zeitarbeiter deutlich stärker unter ihren Arbeitsbedingungen leiden als andere Beschäftigte. So waren Erwerbstätige in Zeitarbeit 2019 in Niedersachsen im Schnitt 20,8 Tage krankgeschrieben. Bei den regulären Beschäftigten waren es 15,4 Tage - eine Differenz von mehr als fünf Tagen, teilte die TK heute in Hannover mit. 

Hohe physische Belastung

"Ein Grund für die hohe Anzahl von Fehltagen sind vor allem die körperlich belastenden Jobs in Lager, Logistik und Transport in denen Zeitarbeiter mit rund 40 Prozent überdurchschnittlich häufig beschäftigt sind", erklärt Raphael Koßmann, Leiter Regionales Vertragswesen der TK in Niedersachsen. Die Auswirkungen der Arbeitsbedingungen zeigen sich deshalb besonders deutlich bei Muskel-Skelett-Erkrankungen und Verletzungen. Wegen Rückenschmerzen & Co. fehlten niedersächsische Zeitarbeiter 2019 insgesamt durchschnittlich 4,61 Tage - und somit rund 59 Prozent mehr als anderweitig Beschäftigte (2,90 Tage). Bei Verletzungen liegen die Krankheitstage der Zeitarbeiter um fast 51 Prozent über den Daten bei anderweitig Beschäftigten - 2,43 Tage zu 1,61 Tagen. 

Die Psyche leidet ebenfalls

Neben den körperlichen Beschwerden sind Zeitarbeiter auch psychisch überdurchschnittlich belastet. Laut Report waren Zeitarbeitnehmer in Niedersachsen aufgrund psychischer Diagnosen mit 3,32 Fehltagen rund 0,71 Tage (27 Prozent) mehr krankgeschrieben als der Durchschnitt der übrigen Beschäftigten (2,61).

Schulungen am Arbeitsplatz

"Durch die Corona-Pandemie hat sich die Arbeitsmarktsituation insbesondere für Zeitarbeiter verschärft. Alle Beteiligten sind gefragt, gemeinsame Lösungsstrategien zu entwickeln, um die Gesundheit von Zeitarbeitern langfristig zu stärken", so Koßmann. "Speziell zur Vermeidung von Haltungsschäden und Arbeitsunfällen empfiehlt sich beispielsweise die sogenannte aufsuchende betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)." Dabei werden Mitarbeiter gezielt an ihrem Arbeitsplatz in rückenschonenden Hebe- und Tragetechniken geschult. Nachholbedarf bestehe häufig noch im Bereich der gezielten Entwicklungs- und Weiterbildungsangebote. 

Fehltage in Niedersachsen

Erwerbspersonen in Niedersachsen waren im vergangenen Jahr durchschnittlich 16,2 Tage krankgeschrieben - der Krankenstand liegt damit klar über dem Bundesdurchschnitt (15,4 Tage). Am häufigsten litten die Niedersachsen unter Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (3,06 Tage), gefolgt von psychischen Störungen und Verhaltensstörungen (2,93 Tage) sowie Erkrankungen des Atmungssystems (2,28 Tage).

Hintergrund für die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2020 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 5,3 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus. Für Niedersachsen wurden die Daten von rund 457.000 Erwerbstätigen bei der TK analysiert. Damit war jeder siebte (14,9 Prozent) abhängig Beschäftige in Niedersachsen bei der TK versichert.