Frankfurt am Main, 27. August 2021. Während im Jahr 2020 der Krankenstand in Hessen ungeachtet der Corona-Pandemie bei allen Erwerbspersonen gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent gesunken ist, stieg er im gleichen Zeitraum bei den Pflegekräften um knapp drei Prozent an. Pflegekräfte in Hessen fehlten im vergangenen Jahr durchschnittlich 22,2 Tage am Arbeitsplatz, einen halben Tag länger als 2019 (21,6 Tage). Demgegenüber lag der Krankenstand bei allen Beschäftigten in Hessen im vergangenen Jahr lediglich bei 14,7 Fehltagen pro Kopf. Das zeigt eine Sonderauswertung im Rahmen des Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen.

Pflegekräfte am Limit

Mehr als 310.600 Menschen in Hessen erhalten nach Angaben des Statistischen Landesamts Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung; davon nehmen etwa Neun von Zehn Leistungen von ambulanten Pflegediensten in Anspruch oder sie werden in einem Pflegeheim versorgt. Während immer mehr pflegebedürftige Menschen immer komplexere und individuellere Unterstützung benötigen, sind auch die Aufgaben und Erwartungen an die Arbeit der Pflegekräfte gestiegen. Seit dem vergangenen Jahr kommt zu den körperlichen Belastungen, Schichtdiensten und der Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren, die Last der Pandemie hinzu, die mehr Pflegekräfte an ihr Limit gebracht hat.

Digitale Techniken

Neben der weiterhin wichtigen Aufgabe, den Pflegeberuf noch attraktiver zu machen, damit er auch in Zukunft motivierte junge Menschen anzieht, die sich für diesen Beruf begeistern, müssen aus Sicht der TK auch digitale Techniken in der Pflege konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Sie können dazu beitragen, die Pflegekräfte zu entlasten und die Versorgungsqualität für die Pflegebedürftigen zu verbessern. Die TK in Hessen begrüßt, dass zum Jahresbeginn 2022 digitale Pflegeanwendungen ein fester Bestandteil der Pflegeversicherung werden. Pflegebedürftige können diese Anwendungen nutzen, um den eigenen Gesundheitszustand zu stabilisieren oder zu verbessern. Mit Unterstützung der digitalen Helfer können sie beispielsweise spezielle Übungen und Trainings absolvieren, die das Sturzrisiko minimieren oder das Gedächtnis trainieren. Die TK spricht sich zudem für ein flächendeckendes digitales Informationsportal aus, das tagesaktuell einen Überblick über Angebot, Qualität und Vielfalt von freien Pflegeplätzen gibt.

Hinweis für die Redaktion

Für die Sonderauswertung aus ihrem Gesundheitsreport hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ihrer 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet, darunter 494.000 Versicherte aus Hessen. Dazu zählen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Der vollständigen Länderreport und weitere Materialien bieten weitere Auswertungen. Die Statistik des Hessischen Statistischen Landesamts zur Zahl der Pflegebedürftigen in Hessen bezieht sich auf Daten des Jahres 2019.