Saarbrücken, 26. Juni 2019. Pflege geht auf die Gesundheit. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind Menschen in Pflegeberufen überdurchschnittlich oft und auch länger krankgeschrieben. Kranken- und Altenpflegekräfte fallen im Schnitt jährlich für rund 23 Tage krankheitsbedingt aus. Das sind acht Tage - und über 50 Prozent - mehr als in der Vergleichsgruppe aller Beschäftigten (15 Tage). Im Saarland werden diese Werte sogar noch übertroffen. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor, der an diesem Mittwoch vorgestellt wurde.

Pflegende fehlen durchschnittlich mehr als 24 Tage im Jahr

Während im Jahr 2018 alle Berufstätige im kleinen Bundesland an der französischen Grenze durchschnittlich 17 Tage fehlten, waren es bei Pflegekräften etwas mehr als 24 Fehltage. Diese alarmierenden Zahlen ziehen sich durch alle untersuchten Kategorien - im Bund wie im Saarland. So sind beispielsweise auch die Verordnungszahlen von Medikamenten in der Pflegebranche höher als in der Vergleichsgruppe. Saarländische Pflegende erhielten im vergangenen Jahr demnach durchschnittlich 296 Tagesdosen (288 im Bundesschnitt), alle Beschäftigten dagegen nur 273 (244).

Hohe Belastung auf Körper und Psyche

Besonders auffällig: Menschen in Pflegeberufen fehlen häufig wegen Erkrankungen des Bewegungsapparats - meist Rückenschmerzen - und psychischen Störungen. Im Saarland fällt der Unterschied dabei zwar nicht so gravierend aus wie im Rest Deutschlands, trotzdem ist eine Tendenz klar zu erkennen. Pflegende an der Saar fehlten 3,8 Tage (4,6 im Bundesdurchschnitt) wegen psychischer Störungen, der durchschnittliche Berufstätige 3,2 Tage (2,5). Muskelskeletterkrankungen führten in der Alten- und Krankenpflege hier im Durchschnitt zu 4 Fehltagen (4,8), in allen Berufen nur zu 2,8 (2,6).

Höchster Anteil an Antidepressiva-Verordnungen

Dass die psychische Belastung in der Branche enorm ist, zeigen die Verordnungszahlen von Antidepressiva. Gerade im Saarland ist der Anteil der Pflegekräfte, die diese Medikamente erhalten haben, extrem hoch. Fast jedem Zehnten wurden Antidepressiva verschrieben, das ist bundesweit der Höchstwert und liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 8,3 Prozent. Zwar ist auch der Anteil der gesamten saarländischen Berufstätigen im Bundesvergleich ganz vorne, ist aber mit 6,5 Prozent (5,7) deutlich geringer.

Besserung durch mehr Personal und gutes BGM möglich

"Diese Zahlen sind besorgniserregend! Das sind weder für die Arbeitgeber noch für die Pflegekräfte akzeptable Umstände. Letztere müssen unbedingt entlastet werden. Ein gesunder Berufsalltag steht dabei an zentraler Stelle. Betriebliches Gesundheitsmanagement kann dabei ein hilfreiches Instrument sein", erklärt Daniel Konrad, Pressereferent der TK-Landesvertretung Saarland. "Deshalb fördert die TK bundesweit solche Projekte."

Hinweis für die Redaktionen

Für den Gesundheitsreport 2019 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus, darunter knapp 45.000 aus dem Saarland. Dazu zählen sozial-versicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I.