Erfurt, 8. März 2019. 5.138 Pflegebedürftige lebten Ende 2017 im Kyffhäuserkreis, das entspricht 6,8 Prozent der dortigen Bevölkerung - der höchste Wert in Thüringen. 2015 waren es noch 4.440 Menschen (5,8 Prozent). Auch in den benachbarten Kreisen ist die Pflegebedürftigkeit überdurchschnittlich hoch: Im Unstrut-Hainich-Kreis sind es 6.793 Personen (6,6 Prozent) und in Nordhausen 5.432 Personen (6,4 Prozent). 

Thüringenweit am wenigsten Pflegebedarf gibt es in der Stadt Jena: Hier sind nur 4.159 Personen pflegebedürftig (3,7 Prozent). Das berichtet die Techniker Krankenkasse (TK) und beruft sich auf Zahlen des Statistischen Landes- und Bundesamtes.

Die steigende Anzahl pflegebedürftiger Menschen lässt den demografischen Wandel aktuell sichtbar werden, in Thüringen ist die Region rund um den Kyffhäuserkreis besonders stark betroffen. "Zukünftig wird das Thema noch stärker an Bedeutung gewinnen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Attraktivität des Pflegeberufs zu stärken und so mehr Personal zu gewinnen", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

Im Freistaat erhielten zuletzt 115.620 Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Das bedeutet einen Anteil von 5,4 Prozent der Thüringer Gesamtbevölkerung. Deutschlandweit ist dies der zweithöchste Wert nach Mecklenburg-Vorpommern (5,7 Prozent) und vor Brandenburg (5,3 Prozent). Am niedrigsten ist der Anteil der Pflegebedürftigen in Bayern (3,1 Prozent). Im Bundesschnitt liegt die Quote bei 4,1 Prozent der Bevölkerung.

Häusliche Pflege dominiert

Statistisch ist der durchschnittliche Pflegebedürftige in Thüringen mit Pflegegrad 2 eingestuft und lebt zu Hause. Mit 53 Prozent wird mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen im Freistaat zu Hause, meist durch Angehörige, versorgt. 25 Prozent der zu Hause lebenden Pflegebedürftigen erhalten zusätzlich Hilfe durch ambulante Pflegedienste. Rund 22 Prozent sind in vollstationären Pflegeeinrichtungen untergebracht.

Bei der ausschließlich stationären Pflege gibt es regional große Unterschiede. Während Jena (28,3 Prozent) oder Nordhausen (26,7 Prozent) vergleichsweise viele Pflegeheimbewohner verzeichnen, sind es in den Landkreisen Sömmerda (15,3 Prozent) und Eichsfeld (17,6 Prozent) eher wenige. 

Die höchsten Anteile von Pflegebedürftigen, die ausschließlich zu Hause und ohne regelmäßige professionelle Unterstützung betreut werden, gibt es im Wartburgkreis (63,9 Prozent), gefolgt vom Weimarer Land (61,9 Prozent) und dem Eichsfeld (61,7 Prozent). 

Gerade dort spielt die Digitalisierung eine bedeutsame Rolle, denn sie hat das Potenzial, die Autonomie im eignen Heim zu unterstützen. "Smart-Home-Lösungen wie Notfallsysteme und Sensoren können zur Entlastung beitragen, bislang werden sie allerdings nicht im Leistungskatalog der Pflegeversicherung berücksichtigt - hier besteht Handlungsbedarf", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. Speziell für pflegende Angehörige bietet die TK mit dem TK-Pflegecoach ein interaktives Portal, auf dem sie Pflege-, aber auch Entspannungstechniken erlernen können.