München, 16. Juli 2019. Bayerns Pflegekräfte sind gesundheitlich stark belastet. So fielen die Altenpflegekräfte im vergangenen Jahr im Schnitt 25 Tage wegen Krankheit aus, die Krankenpflegekräfte 19 Tage. Damit fehlten sie zwölf beziehungsweise sechs Tage länger am Arbeitsplatz als die Gruppe der übrigen Beschäftigten.

Hohe Fehlzeiten verursachten Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems wie Rückenschmerzen mit 4,7 Fehltagen und psychisch bedingte Krankheitsbefunde wie Depressionen mit 4,1 Tagen. Diese beiden Diagnosegruppen lösten bei den bayerischen Pflegeberufen rund doppelt so viele Fehlzeiten aus wie bei den anderen Beschäftigten. Das zeigt die Bayernausgabe des Gesundheitsreports 2019 "Pflegefall Pflegebranche? So geht’s Deutschlands Pflegekräften" der TK. 

Hoher Arzneimittelbedarf bei den männlichen Pflegekräften 

Neben den hohen Fehlzeiten ist auch der Medikamentenverbrauch enorm. Die Ärzte verschrieben im Schnitt jeder bayerischen erwerbstätigen Person in einem Altenpflegeberuf 299 Tagesdosen und im Krankenpflegeberuf 257. Gegenüber dem Durchschnitt aller Berufstätigen sind das bei den Altenpflegekräften rund ein Drittel (78 Tagesdosen) und bei den Krankenpflegekräften ein Sechstel (46 Tagesdosen) mehr. Knapp neun Prozent der bayerischen Pflegekräfte erhielten ein Rezept für Antidepressiva. Bei den übrigen Beschäftigten waren es rund sechs Prozent.

Interessant sind auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während der Pfleger knapp drei Tage weniger krankgeschrieben war als die Pflegerin im Freistaat, benötigte er mit 286 Tagesdosen rund 40 Einheiten mehr als seine Kollegin.

Pflegerinnen und Pfleger mit vereinten Kräfte vor gesundheitlichen Ruin bewahren

Auch wenn die krankheitsbedingten Fehlzeiten und die Medikamentenverschreibungen bei den bayerischen Pflegekräften rund zehn beziehungsweise acht Prozent unter dem Bundesschnitt liegen, sind die Zahlen im Freistaat besorgniserregend", so Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern. "Wer andere Menschen versorgt und damit einen großen Beitrag für Menschlichkeit in diesem Land leistet, darf nicht gesundheitlich ruiniert werden." Hier sind alle - Arbeitgeber, Politik, Krankenkassen und die Pflegekräfte gefordert, die Umstände zu verbessern.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann ein hilfreiches Instrument sein, um für diese Branche einen gesunden Berufsalltag zu schaffen. Bredl: "Damit steigern wir auch die Attraktivität des Berufs und erhöhen die Chancen, dem Pflegekräftemangel zu reduzieren." 

CaRe source - BGM-Projekt mit der TU München für Pflegekräfte und Demenzerkrankte

Ein Beispiel ist CaRe source. Die Technische Universität (TU) München leitet das von der TK unterstützte Modellprojekt mit dem Focus auf Menschen mit Demenz. Es wird an sechs Einrichtungen im Raum München umgesetzt und richtet sich an Pflegekräfte sowie an die Bewohnerinnen und Bewohner.

Um Maßnahmen für die Pflegekräfte zu entwickeln, werden deren Belastungen und Ressourcen analysiert. Daneben gibt es ein evaluiertes Bewegungskonzept für demenziell Erkrankte und psychosoziale Interventionen. Ziel ist, bestehende körperliche, psychische und soziale Belastungen der Pflegekräfte zu reduzieren, Gesundheitsressourcen zu stärken und die Lebensqualität der Menschen mit Demenz nachhaltig zu verbessern. 

Digitale Hilfen einsetzen und den beruflichen Kulturwandel begleiten

Die pflegerische Versorgung wird zukünftig digitaler werden. Ein Beispiel sind erste elektronische Pflegeheimakten, die den Pflegenden erleichtern, aktuelle Informationen zu einzelnen Bewohnern zu erhalten oder sich ohne großen zeitlichen Aufwand mit Ärztinnen und Ärzten auszutauschen. 

Hier sind auch die Führungskräfte gefordert, den Kulturwandel zu einer digitaleren und gesünderen Arbeitswelt in der Pflege positiv zu begleiten, etwa indem sie Freiräume für Schulungsangebote ermöglichen. Gelingt dies beispielsweise mithilfe von BGM-Projekten, kann das die Pflegekräfte entlasten, deren Gesundheit stärken und den Pflegeberuf attraktiver werden lassen. Kommen dann noch eine höhere Vergütung, mehr Wertschätzung sowie neue Familien-, Teilzeit- und Arbeitszeitmodelle für die Beschäftigten hinzu, könnten mehr Pflegekräfte länger in ihrem Beruf tätig bleiben und neue Kräfte gewonnen werden.
 

Hinweis an die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2019 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund fünf Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus, darunter über 700.000 aus Bayern. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. In Bayern arbeiteten 2018 knapp 21.000 Pflegekräfte, die bei der TK versichert sind. 

Im Firmenkundenportal stehen sowohl der bundesweite TK-Gesundheitsreport als auch die Länderreporte. 

Weitere Infos zu den Präventionsprojekten in der stationären Pflege