Kiel, 1. Dezember 2021. Hohe Ansprüche, etliche Termine und Verpflichtungen, ständig erreichbar: Die Menschen im Norden setzen sich immer mehr unter Druck - und das führt zu Stress. Die heute vorgestellte Studie der Techniker Krankenkasse (TK) "Entspann dich, Deutschland!" zeigt, dass das Stresslevel im Norden steigt. Während die Menschen hierzulande noch vor fünf Jahren im bundesweiten Vergleich den niedrigsten Stresslevel aufwiesen, ist das heute anders. 65 Prozent der Befragten gaben an, sich häufig oder manchmal gestresst zu fühlen. 2016 waren es "nur" 54 Prozent. "Unsere aktuelle Studie zeigt eine deutliche Zunahme des Stresslevels im Norden. Innerhalb von fünf Jahren ist er um 20 Prozent angestiegen", sagt Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Damit liegt der Norden nun im Bundesdurchschnitt. 

Das sind die Stressfaktoren

Stressfaktor Nummer eins ist für die Nordlichter weiterhin die Arbeit, die Schule oder das Studium. 55 Prozent gaben an, dass bei ihnen dieser Bereich hauptsächlich zu Stress führe, gefolgt von den hohen Ansprüchen an sich selbst (46 Prozent), die schwere Erkrankung einer nahestehenden Person (27 Prozent), Konflikte mit nahestehenden Menschen (25 Prozent), viele Termine und Verpflichtungen in der Freizeit (24 Prozent) sowie die ständige Erreichbarkeit durch Smartphone, Social Media und Co. (22 Prozent). Auf Rang 7 der Stressfaktoren landet die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr (21 Prozent).

Corona-Effekte zeigen sich im Stresslevel

"Natürlich hat auch die Coronapandemie einen großen Einfluss auf unseren Stresslevel. Homeschooling, Kurzarbeit, die Sorge vor einer Infektion und die Erkrankung von Angehörigen: All das hinterlässt deutliche Spuren", betont Schmidt-Bodenstein. Die Studie belegt diese Entwicklung. Auf die Frage, ob ihr Leben seit Beginn der Pandemie stressiger geworden ist, antwortet fast die Hälfte der befragten Menschen im Norden mit "Ja" (43 Prozent). Auch die Tatsache, dass die Erkrankung einer nahestehenden Person auf Rang 3 der Stressfaktoren landet, lässt sich auf die Pandemie zurückführen. Denn: Vor fünf Jahren waren es 20 Prozent weniger Menschen, die sich aus diesem Grund belastet fühlten. 

So schaltet der Norden ab

Um dem Stress etwas entgegenzusetzen, haben die Nordlichter verschiedene Strategien. Die meisten von ihnen setzen auf ihr Hobby, um abzuschalten (87 Prozent). Für Ausgleich sorgen außerdem gemütlich faulenzen (78 Prozent), Spazieren gehen und Gartenarbeit (76 Prozent), sich mit Freunden oder Familie treffen (72 Prozent), Musizieren oder Musik hören (66 Prozent) sowie lesen (64 Prozent). Sport treiben landet mit 58 Prozent erst auf Platz 7, Fernsehen mit 56 Prozent auf Platz 8.


Um sowohl im Beruflichen als auch im Privaten besser mit Stress umzugehen, gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Zum einen ist es an den Arbeitgebern, Bedingungen am Arbeitsplatz zu schaffen, die zu weniger Stress führen. Das reicht von einer gelebten Pausenkultur über Ruheräume bis hin zu Angeboten des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Aber auch im privaten Umfeld sollte jeder für sich hinterfragen: Welche Faktoren lösen bei mir Stress aus? "Fast jede Zweite und jeder Zweite sagen, dass sie sich wegen der hohen Ansprüche an sich selbst gestresst fühlt. Hier müssen wir viel achtsamer mit uns selbst umgehen. Unsere Angebote zur Stressbewältigung  können dabei unterstützen", so Schmidt-Bodenstein. Über den Stress-Navigator können TK-Versicherte außerdem das passende Angebot für sich finden. Darüber hinaus hilft der interaktive TK-Gesundheitscoach dabei, ein individuelles Programm für eine gesunde, nachhaltige Lebensführung zusammenstellen. 

Hinweis für die Redaktion

Unter den Begriffen "Norden"/"Norddeutschland" werden die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen zusammengefasst.

Für die Stressstudie wurden in den Jahren 2013, 2016 und zuletzt im März 2021 bundesweit jeweils 1.000 Menschen bevölkerungsrepräsentativ vom Meinungsforschungsinstitut Forsa telefonisch zum Thema Stress befragt.