Hannover, 18. Juli 2019. Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkassen (TK) für Niedersachsen zeigt, dass Pflege deutlich stärker als andere Berufe auf die Gesundheit geht. "Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind Menschen in Pflegeberufen überdurchschnittlich oft und auch länger krankgeschrieben", so Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen. Im Land fallen Kranken- und Altenpflegekräfte im Schnitt jährlich für 24,2 Tage krankheitsbedingt aus. Das sind 8,5 Tage (54 Prozent) mehr, als in der Vergleichsgruppe aller Beschäftigten (15,7 Tage). Der Vergleich innerhalb der Berufsgruppe der Pflegenden in Niedersachsen hat ergeben, dass Frauen mit 25,7 AU-Tagen im Jahr häufiger krank sind als Männer (22,9 AU-Tage). 

Pflege geht auf die Psyche und das Kreuz

Besonders viele Fehltage in den Pflegeberufen gehen in Niedersachsen auf das Konto von psychischen Störungen und Krankheiten des Bewegungsapparats. Während berufsübergreifend jeder Beschäftigte durchschnittlich 2,52 Tage letztes Jahr aufgrund einer psychischen Diagnose krankgeschrieben war, beliefen sich die Fehltage in den Pflegeberufen auf durchschnittlich 4,87 Tage. Das sind rund 93 Prozent mehr. Aufgrund von Muskelskeletterkrankungen fehlte jeder Beschäftigte letztes Jahr 2,93 Tage - bei den Menschen in Pflegeberufen waren es mit 5,60 Tagen 91 Prozent mehr. 

Prävention in der Pflege

"Damit der Pflegeberuf ausgeübt werden kann, ist eine stabile Gesundheit von großer Bedeutung. Angesichts der demografischen Entwicklung und damit einhergehenden Bedarf an Pflegepersonal ist es höchste Zeit, in noch stärkerem Umfang als bisher Maßnahmen zur Gesunderhaltung von Pflegekräften zu ergreifen. Wir müssen daran arbeiten die Rahmenbedingungen in diesem Berufsfeld so zu verändern, dass auch die Gesundheit der Pflegekräfte gefördert wird", fordert Inken Holldorf. Die Kasse unterstützt zum Beispiel Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser dabei, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Strukturen im Betrieb zu schaffen - für Mitarbeiter, für Patienten und für Pflegebedürftige. Mit dem Förderantrag "Starke Pflege" der TK können Projekte zum Gesundheitsmanagement initiiert und langfristig aufgebaut werden. Die TK unterstützt die Einrichtungen dabei, gesundheitsfördernde und -erhaltene Potenziale des Betriebs zu mobilisieren, auf der Verhältnis- und Verhaltensebene nachhaltig gesundheitsfördernde Strukturen einzuführen, die Gesundheit der Arbeitskraft speziell der älteren Beschäftigten zu erhalten und die Lebensqualität der Bewohner und Patienten zu verbessern.

Für Menschen mit psychischen Problemen bietet die TK eine zusammen mit der Freien Universität (FU) Berlin entwickelte Online-Beratung zur Behandlung von Depressionen an: "Der TK-DepressionsCoach verbindet die klassische Psychotherapie mit den Vorteilen neuer Medien und wurde für Erwachsene mit leichten bis mittelschweren Depressionen entwickelt. Es ermöglicht den Teilnehmern jederzeit und von zuhause aus etwas für ihre Gesundheit zu tun", erklärt Holldorf. "Für digitale Programme spricht, dass sie leicht zugänglich und zeit- sowie ortsunabhängig sind. Die Online-Therapie ist eine Alternative zu klassischen Therapieformen, insbesondere für Menschen, die eine herkömmliche Therapie nicht nutzen möchten oder können."

Informationen für die Presse

Für den Gesundheitsreport 2019 "Pflegefall Pflegebranche" wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 455.000 bei der TK in Niedersachsen versicherten Erwerbspersonen aus. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Der aktuelle Gesundheitsreport 2019 für Niedersachsen steht online unter tk.de (Suchnummer: 2033770). Die digitale Pressemappe mit dem bundesweiten Gesundheitsreport und Infografiken gibt es auf tk.de/presse. Im TK-Fehlzeiten-Tool lassen sich die Reportdaten beliebig nach Branchen, Bundesländern und Tätigkeiten filtern.