Hamburg, 26. Juni 2020. Wer als Zeitarbeiter in Hamburg tätig ist, hat deutlich mehr gesundheitliche Probleme als Nicht-Zeitarbeitnehmer. So waren Zeitarbeitnehmer in der Hansestadt 2019 im Schnitt 19,7 Tage krankgeschrieben - fast fünf Tage (rund 34 Prozent) mehr als in der Vergleichsgruppe der Nichtzeitarbeitnehmer (14,5 Tage). Das zeigt die Sonderauswertung des Gesundheitsreports 2020 für Hamburg der Techniker Krankenkasse (TK) "Zeitarbeit: Chance oder Risiko? Arbeitssituation und Gesundheit von Zeitarbeitern".

"Hauptgrund für die hohe Anzahl von Fehltagen sind die körperlich belastenden Jobs in Lager, Logistik und Transport, in denen Zeitarbeiter überdurchschnittlich häufig beschäftigt sind", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. Bei den bundesweiten Auswertungen wurden Fehlzeiten von Zeitarbeitnehmern denen von anderweitig Beschäftigten gegenübergestellt und dabei immer gleichaltrige Beschäftigte mit übereinstimmender Tätigkeit verglichen. "Und selbst dann sehen wir, dass Zeitarbeiter immer noch rund 16 Prozent höhere Fehlzeiten haben als Nichtzeitarbeitnehmer", so Puttfarcken. 

Hohe körperliche Belastung, aber auch die Psyche leidet

Die hohe körperliche Belastung zeigt sich in der hohen Zahl von Fehltagen aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen. Wegen Rückenschmerzen & Co. fehlten Zeitarbeiter im vergangenen Jahr durchschnittlich 3,94 Tage - anderweitig Beschäftigte nur 2,22 Tage. In Hamburg gibt es traditionell eine hohe Zahl von Fehltagen aufgrund der psychischen Belastung. Auch hier liegen die Zahlen der Zeitarbeiter mit 3,79 Tagen über denen der anderweitig Beschäftigten (3,06 Tage). 

Puttfarcken: "Mit der Corona-Pandemie hat sich die Arbeitsmarktsituation insbesondere für Zeitarbeiter verschärft. Alle Beteiligten sind gefragt, gemeinsame Lösungsstrategien zu entwickeln, um die Arbeitskraft und Gesundheit von Zeitarbeitern langfristig zu stärken." Speziell zur Vermeidung von Haltungsschäden und Arbeitsunfällen empfiehlt sich beispielsweise die sogenannte aufsuchende betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Dabei werden Mitarbeiter gezielt an ihrem Arbeitsplatz in rückenschonenden Hebe- und Tragetechniken geschult. Nachholbedarf bestehe häufig noch im Bereich der gezielten Entwicklungs- und Weiterbildungsangebote. "Hier könnten Verleihbetriebe zum Beispiel in fachspezifische Weiterbildungen wie IT-Schulungen, Sprachkurse oder Projektmanagement investieren. Das fördert nicht nur die Zufriedenheit der Mitarbeiter, sondern ist auch eine sinnvolle Investition in die Zukunft", sagt die Landeschefin.

Länderreport Hamburg 2020

PDF, 768 kB Downloadzeit: eine Sekunde

Hinweis an die Redaktion

Die Zahlen stammen aus dem TK-Gesundheitsreport 2020. Dafür wertet die TK Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen des vergangenen Jahres der rund 5,3 Millionen bei der TK versicherten Erwerbstätigen (Berufstätige und ALG 1-Empfänger) aus - davon rund 245.000 aus Hamburg. 

Von allen bei der TK versicherten Beschäftigten in Hamburg arbeiteten im Jahr 2019 nach den vorliegenden Daten jahresdurchschnittlich 4.648 Personen in Zeitarbeitsverhältnissen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gab es im Juni 2019 in Hamburg 29.512 Zeitarbeitnehmer (einschließlich geringfügig Beschäftigter, die in den betrachteten TK-Daten nicht enthalten sind).