Hannover,  14. Januar 2020. Mehr als jedes vierte Kind (30,9 Prozent) kommt in Niedersachsen als Kaiserschnitt (Sectio) auf die Welt und hat - so der Kindergesundheitsreport 2019 der Techniker Krankenkasse (TK) - im Laufe seines Heranwachsens mehr gesundheitliche Probleme als Babys, die vaginal, also auf natürlichem Wege geboren werden. Dafür wurden die Abrechnungsdaten von rund 38.000 TK-versicherten Kindern - die 2008 geboren wurden - im Zeitraum von ihrer Geburt bis zum Alter von acht Jahren ausgewertet. In der Analyse wird deutlich, dass bei den Kaiserschnitt-Kindern das Risiko für eine chronische Bronchitis um fast zehn Prozent erhöht ist. Leichte und mittlere Entwicklungsstörungen zeigen eine um neun Prozent höhere Auffälligkeit. Der Report zeigt auch, dass mehr als jedes dritte Kind (36 Prozent) mit Übergewicht zu kämpfen hat. Insgesamt zeigt sich bei 19 Krankheitsgruppen ein höheres Erkrankungsrisiko nach Sectio-Geburten.

Koßmann: "Verstärkt Wege zur natürlichen Geburt aufzeigen"

"Kaiserschnitte sind hilfreich für Mutter und Kind und können Leben retten, wenn sie in medizinisch notwendigen Situationen eingesetzt werden", erklärt Raphael Koßmann, Leiter Regionales Vertragswesen der TK in Niedersachsen. "Heißt aber auch, dass medizinisch nicht notwendige Kaiserschnitte im Interesse der Kinder vermieden werden sollten, denn der operative Eingriff hat für die Gesundheit der Kinder weitreichendere Folgen, als bisher angenommen wurde".

Über Bundesdurchschnitt: Kaiserschnittquote in Niedersachsen bei 30,9 Prozent 

Regional unterscheidet sich die Kaiserschnittrate in Deutschland stark: Von 24 Prozent in Sachsen bis 37.2 Prozent im Saarland, was bundesweit dem höchsten Wert entspricht. In Niedersachsen liegt die Sectio-Quote bei 30,9 Prozent und somit leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 30,4 Prozent. Im westlichen Niedersachsen weisen die Kaiserschnittgeburten  mit 35,2 Prozent (Stadt und Landkreis Oldenburg) und 34,6 Prozent (Stadt und Landkreis Osnabrück) den höchsten Wert aus, gefolgt von Braunschweig mit 34,4, Prozent. Göttingen (28,7 Prozent) und Hannover (24,8 Prozent) haben die niedrigste Sectio-Quote im Land.

Kindergesundheitsreport: Grundlage für digitale passgenaue Versorgungsangebote

"Der Kindergesundheitsreport ist die erste Langzeitstudie mit deutschen Routinedaten, die den Zusammenhang zwischen Sectio und Kindergesundheit differenziert analysiert. Er liefert wichtige Erkenntnisse für uns als Krankenversicherer sowie für Kinderärzte und Eltern. Die Ergebnisse des Reports wollen wir nutzen, um passgenaue Versorgungsangebote für betroffene Kinder zu entwickeln. Ein positives Beispiel dafür ist die App Neolino für drei bis siebenjährige Kinder mit Artikulationsstörungen. Spielerisch und individuell hilft sie beim Training ihrer Sprachentwicklung", so Koßmann.

Virtuelle Unterstützung: Apps Neolino und Husteblume - Online-Plattform Luftikus

Da nach einer Entbindung per Kaiserschnitt das Risiko für Kinder an einer chronischen Bronchitis zu erkranken hoch ist, bietet die TK insbesondere für diese Erkrankung digitale Unterstützungsangebote. Zum Beispiel Erstattungen für die Inanspruchnahme der virtuellen Plattform 'Luftikus', bei der betroffene Kinder spielerisch die Inhalte ihrer Asthma- Basisschulung auffrischen können. Für junge Allergiker wiederum ist die App 'Husteblume' geeignet, die mit nützlichen Informationen hilft, dass Kinder die Pollenflugsaison gut überstehen.

Hinweis für die Redaktion

Für den TK-Kindergesundheitsreport hat die TK die Abrechnungsdaten von 38.853 TK-Versicherten Kindern, die im Jahr 2008 geboren wurden, ausgewertet. Dazu zählten 3.630 Kinder mit Niedersachsen als Wohn-Bundesland.

Die Analyse umfasste die ersten acht Lebensjahre der Kinder, also den Zeitraum von 2008 bis 2016. Untersucht wurden 461 Krankheitsgruppen mit insgesamt 16.200 Diagnosen. Bei 19 Krankheitsgruppen zeigte sich ein höheres Krankheitsrisiko nach Kaiserschnittgeburt. 

Die TK-Studie: Kindergesundheitsreport 2019 (PDF, 2,0 MB) steht zum Download unter www.tk.de, Suchnummer 2061920, bereit.