München, 12. Juli 2020. Die Corona-Ausbrüche in einigen Betrieben der fleischverarbeitenden Industrie rückten auch in Bayern Zeitarbeitsverhältnisse in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt ebenfalls, dass im Freistaat die Zeitarbeit auf die Knochen der Beschäftigten geht. So war rechnerisch jeder Zeitarbeitnehmer 2019 in Bayern 19,1 Tage krankgeschrieben, jeder anderweitig Erwerbstätige dagegen nur 12,7 Tage. Damit hatten die Zeitarbeitnehmer fast sechseinhalb Tage und somit rund 50 Prozent mehr krankheitsbedingte Fehltage als andere Erwerbstätige.

Hohe körperliche Belastung für den Bewegungsapparat

"Vor allem Fehlzeiten wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen tragen zu dem höheren Krankenstand bei", sagt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern. Wegen Rücken-, Muskel- und Gelenksbeschwerden fehlte jeder Beschäftigte in Zeitarbeit durchschnittlich 3,7 Tage bei der Arbeit, während der Durchschnitt bei den anderen Erwerbstätigen bei 2,2 Tagen lag. Das ist eine Differenz von rund 70 Prozent. Hauptursache ist die hohe körperliche Belastung im Beruf. Vier von zehn Zeitarbeitnehmern bundesweit sind laut Bundesagentur für Arbeit in Produktionsberufen oder ähnlichen Bereichen tätig. Bei den TK-Versicherten sind die meisten Zeitarbeitnehmer beispielsweise als Lager- und Transportarbeiter tätig.

Auch die Psyche leidet

Trotz einiger gesetzlicher Änderungen in den vergangenen Jahren, die Gleichstellung mit regulär Beschäftigten zu fördern, bleibt die mentale Belastung bei Zeitarbeitsverhältnissen hoch. So waren die bayerischen Zeitarbeitnehmer aufgrund psychischer Diagnosen mit 3,5 Fehltagen 1,4 Tage mehr krankgeschrieben als der Durchschnitt der übrigen Beschäftigten (2,1). Bredl vermutet, dass in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten die psychischen Belastungen zunehmen werden. "Bei Rezessionen in der Vergangenheit betraf der Personalabbau in Unternehmen meistens Zeitarbeitnehmer zuerst", so der bayerische TK-Chef. 

Laut Bredl sei es jetzt besonders wichtig, die Gesundheit von Zeitarbeitnehmern langfristig zu stärken. Über die Möglichkeiten der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) für die Firmen der Zeitarbeitsbranche informiert beispielsweise die BGF-Koordinierungsstelle in Bayern. Die gemeinsame Initiative der gesetzlichen Krankenkassen im Freistaat unterstützt individuell Betriebe auf dem Weg zum gesunden Unternehmen.

Hinweis für die Redaktion

Für den Gesundheitsreport 2020 wertete die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 5,3 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen aus. Aus Bayern wurden die Daten von rund 736.000 Erwerbstätigen bei der TK analysiert. Damit ist etwa jeder achte (12,8 Prozent) sozialversicherungspflichtig Beschäftige im Freistaat bei der TK versichert.

Länderreport Bayern 2020

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