Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, schlüsselt die Ergebnisse des aktuellen TK-Gesundheitsreport 2021 auf, belegt die emotionale Belastung mit Fakten, für die es bisher nur ein Gefühl gab und macht deutlich, dass es jetzt - mehr denn je - wichtig ist, dass Unternehmen eine gesunde Führung etablieren, um Mitarbeitende/Beschäftigte motiviert und gesund arbeiten können.

TK: Wie geht’s den Beschäftigten im Norden im ersten Coronajahr?

Maren Puttfarcken: Zum Zeitpunkt unserer Befragung, die vom unabhängigen Meinungsforschungsinstitut Forsa im März 2021, also dem Höhepunkt des zweiten Lockdowns, durchgeführt wurde, ging es den Norddeutschen nicht gut. 46 Prozent der Befragten fühlten sich sehr stark von der Coronasituation belastet. Damit liegen sie über dem bundesweiten Schnitt. Hier gaben 42 Prozent an emotional belastet zu sein. Wir haben die Norddeutschen gefragt, dazu gehören die Beschäftigten in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen. Da möchte ich anmerken, dass die nördlichen Bundesländer sehr heterogen sind und sich zum Beispiel bezogen auf Wohnsituation oder Arbeitswege unterscheiden. In einer kleinen Stadtwohnung in einer Metropole wie Hamburg haben die Menschen den Lockdown sicherlich anders verbracht, als beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern mit Häuschen, Garten und viel mehr Fläche. Auch haben sich die Maßnahmen, um die Pandemie einzudämmen, sehr unterschieden. Die Stadt Hamburg ist einen strengeren Kurs gefahren.

Allerdings lassen die Ergebnisse keinen Grund zur Annahme, dass sich der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert hat. In Hamburg unterschreitet der Krankenstand mit 4,06 Prozent im Jahr 2020 den der Vorjahre um 0,13 Prozentpunkte. Er liegt ebenfalls unter dem bundesweiten Krankenstand von 4,14 Prozent. Wir haben die AHA-Regeln eingehalten, es wurde gelüftet - die Krankschreibungen aufgrund von Erkältungen und anderen Infektionskrankheiten sind zurückgegangen. Viele Beschäftigte waren ebenfalls im Homeoffice. Sie werden kleinere Erkältungen zu Hause ohne ein Attest vom Arzt auskuriert haben.

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Ganz klar war im Lockdown ein hoher Belastungsfaktor die Kinderbetreuung plus Homeoffice unter einen Hut zu bekommen, weil die Kita oder die Schule geschlossen hatte. Diese Doppelbelastung hat besonders an den Nerven gezerrt. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Was hat den Menschen besonders zugesetzt?

Puttfarcken: Über 90 Prozent der norddeutschen Beschäftigten vermissten persönliche Treffen mit Verwandten und Freunden. 63 Prozent befürchteten, dass ihre Angehörigen oder Freunde an Corona erkranken. Dabei war die Angst davor größer als selbst an Corona zu erkranken. Ganz klar war im Lockdown ein hoher Belastungsfaktor die Kinderbetreuung plus Homeoffice unter einen Hut zu bekommen, weil die Kita oder die Schule geschlossen hatte. Diese Doppelbelastung hat besonders an den Nerven gezerrt. Interessant war auch, dass 56 Prozent der Beschäftigten zu dieser Zeit Stress im Job hatten. 

Die Ergebnisse einer Langzeitstudie der Technischen Universität (TU) Chemnitz in Kooperation mit der TK unterstützt die These, dass die Belastung im Verlauf der Coronapandemie zugenommen hat. Der Stress der Menschen war in den vergangenen Monaten durch die beruflichen und sozialen Herausforderungen groß. Dazu kommt, dass der Akku nicht aufgeladen werden konnte. Sport, Kultur oder Reisen war nicht vollumfänglich möglich, wobei solche Aktivitäten unter normalen Umständen helfen den Stress auszugleichen. 

TK: Was können wir aus den Erfahrungen lernen? Was sollten wir anpacken?

Puttfarcken: Es ist darüber nachzudenken, ob zum Beispiel das Tragen einer Maske im ÖPNV zu Zeiten der Grippe in den Herbst- und Wintermonaten beibehalten werden sollte. Aber eher müssen sich Unternehmen jetzt damit beschäftigen, wie sie die Herausforderung "Homeoffice" angehen. Die Arbeitsform hat sich in den vergangenen Monaten stark etabliert und damit verbunden sind die Kolleginnen und Kollegen weniger häufig für einen Austausch zusammen. Wie lässt sich also das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken? Wie ist eine vertrauensvolle, transparente und wertschätzende Zusammenarbeit aufzubauen? Denn zu einer gesunden Führung gehört mehr, als nur ein höhenverstellbarer Schreibtisch oder die technische Ausrüstung für das Homeoffice zur Verfügung zu stellen. Bei dieser Umstellung kann die TK Unternehmen unterstützen. Die Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) sind vielfältig und zielen auf die Faktoren für zufriedene, gesunde und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein.

Hintergrund

Den Länderreport Hamburg 2021 (PDF, 2,7 MB)  gibt es zum Download auf tk.de. 

Besonders in Zeiten von Corona ist es wichtig, auf seine Gesundheit zu achten. Der TK-GesundheitsCoach unterstützt die Versicherten mit einem interaktiven Online-Training dabei, ihre Ziele zu erreichen.

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