In Vorträgen und Workshops informierten sie sich darüber, wie Grund- und weiterführende Schulen naturwissenschaftliche Fächer durch digitale Methoden interessant und abwechslungsreich gestalten können. Um negativen Aspekten ausgedehnter Mediennutzung vorzubeugen, wurden verschiedene Präventionsprojekte zur Verbesserung der Medienkompetenz  und zur Vorbeugung von Cybermobbing vorgestellt.

Zur Gestaltung der Tagung arbeitete die TK mit drei Kooperationspartnern zusammen: Die Universität Bamberg, Lehrstuhl für Pathopsychologie, die informationstechnischen Berater für Ober- und Unterfranken und Condrobs e. V., der Partner zur pädagogischen Umsetzung des TK-Netzgänger-Projektes in Südbayern.

Medienkompetenz vermitteln

Prof. Dr. Dr. Godehard Ruppert, Präsident der Universität Bamberg, referierte in seinem Grußwort über die Informatik-Fakultät an der Universität Bamberg. Diese forscht insbesondere zu angewandter Informatik, die zum Beispiel in Form von Geo-Informatik oder als digitale Denkmalarchäologie den anderen Fachbereichen zugutekommt. 

Christian Bredl, Leiter der TK Landesvertretung Bayern, stellte in seinem Grußwort die beiden TK-Präventionsprojekte "Netzgänger " und "Gemeinsam Klasse sein - ein Mobbingpräventionsprojekt" vor. Die TK hat den Anspruch, Krankenkasse im digitalen Zeitalter zu definieren. Aber wie jede neue Methode muss auch der sichere Umgang mit digitaler Technik erlernt werden. "Hier setzen wir als Techniker Krankenkasse mit unseren Präventionsprojekten an, um Schülern bereits früh die Medienkompetenz zu vermitteln, damit sie sich in einer digitalisierten Welt zurecht zu finden", sagte er.

Birgit Treml, Leiterin des Bereichs Schule bei Condrobs e. V., bestätigte die Einstellung der TK. Sie sprach davon, dass Kinder und Jugendliche, die sich im Internet und online in sozialen Netzwerken bewegen, präventiv möglichst frühzeitig an einen risikoarmen Gebrauch von Internet und Co. herangeführt werden müssten. Nicht die Inhalte und möglichen Gefahren der digitalen Welt sollen über die jungen Nutzern bestimmen. Sie sollen vielmehr eigene Kompetenzen erwerben, um sich digital sicher zu bewegen, Risiken aus dem Weg zu gehen und digitale Inhalte und Möglichkeiten zu ihrem Wohl zu nutzen. Mit dem Peer-Ansatz von Netzgänger 3.0 werden Kinder und Jugendliche an Schulen hierzu umfassend und zielgerichtet erreicht.

Bayerische Digitalisierungsoffensive 

Diese Spannweite deckten die Vorträge von Simon Leicht vom Bayerischen Kultusministerium, der über die Bedeutung und Ausstattung der bayerischen Digitalisierungsoffensive sprach, von Jorge Groß, Professor für Didaktik der Naturwissenschaften und von Jörg Wolstein, Professor für Pathopsychologie, beide von der Universität Bamberg ab. 

Simon Leicht vom Referat Digitale Bildung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus definiert die Vermittlung von digitaler Kompetenz als Querschnittsaufgabe über alle Fächer. In der Schule werde mit und über digitale Medien gelehrt. Sein Haus stelle über den Bayerischen Digitalpakt den Schulen über 700 Millionen Euro zur Einrichtung von zum Beispiel digitalen Klassenzimmern und integrierten Fachräumen zur Verfügung, Wichtiger als die Hardware-Ausstattung sei aber die pädagogische Kompetenz der Lehrkräfte. 

Professor Jorge Groß, Fachgruppenleiter der Didaktik in der Biologie, sah die Ausstattung der Schulen nicht ganz so optimistisch wie Herr Leicht. In vielen Schulen gäbe es White Boards ohne Software dazu, sie würden nur als Tafelersatz genutzt. Damit Lehrkräfte neue Medien gerne in ihren Unterricht integrieren, benötige die Schule ausreichend technische Betreuung mit einem entsprechenden Stundenkontingent dazu. Zwei Stunden in der Woche seien dafür zu wenig. Konkrete Beispiele für den Einsatz digitaler Technik in naturwissenschaftlichen Fächern stellte er am Nachmittag im Workshop vor. 

Den dysfunktionalen Gebrauch von Medien verhindern

Der dysfunktionale Gebrauch von Medien im Alltag kann zu gesundheitlichen Problemen bis hin zu einer massiven psychologischen Störung führen. Inwieweit dazu auch digitale Lehr- und Lerntechniken beitragen, ist ungeklärt. Ausgehend von diesen Thesen beschrieb Prof. Jörg Wolstein von der Universität Bamberg, dass es eminent wichtig sei, Präventionsprogramme zur Verhinderung des dysfunktionalen Gebrauchs in der Schule anzubieten.

Sein Lehrstuhl hat dazu das Medienkompetenzprogramm "Netzgänger" entwickelt, welches später von der TK zusammen mit Condrobs e. V. von einem Forschungsprojekt in das Schulpräventionsprogramm Netzgänger 3.0 weiterentwickelt wurde. "Nicht das Internet erzeugt das Problem, sondern die falsche Nutzung", sagte er.

Workshops für Medienkompetenz, Mobbing-Prävention sowie digitalen Unterricht

In der Workshop-Runde am Nachmittag konnten die Teilnehmer das Medienkompetenzprojekt "Netzgänger" in zwei Varianten für Nord- und Südbayern kennen lernen sowie das Mobbing-Präventionsprojekt "Gemeinsam Klasse sein" der TK. Jorge Groß präsentierte in seinem praxisorientierten Workshop Einsatzmöglichkeiten für digitale Technik im naturwissenschaftlichen Unterricht.

Prof. Ute Schmidt und ihr Team der Forschungsgruppe Elementarinformatik (FELI) zeigte an verschiedenen Stationen Möglichkeiten für die Hinführung von Grundschülern an digitale Medien auf.

Das Team von Condrobs e. V., darunter Michael Leibfried, Schulsozialarbeiter, und Florian Hoffmann, Präventionsfachkraft, informierte zusammen mit der TK-Beraterin Lebenswelten, Claudia Credet, über Organisation und Inhalte des Medienkompetenz-Projekts "Netzgänger 3.0". Gymnasien oder Realschulen mit Sitz in Oberbayern, Schwaben und in Teilen Niederbayerns können sich für die Teilnahme unter www.netzgaenger.org bewerben.

Gemeinsam Klasse sein

Dr. Roland Baumann, informationstechnischer Berater Digitale Bildung Oberfranken, führte im Workshop von Netzgänger Nord zusammen mit Peers, das sind ältere Schüler, einige Übungen mit den Lehrern durch, die normalerweise jüngere Schüler absolvieren. Zum Beispiel sollten die Teilnehmer Aussagen zu Mobbing auf einer Wäscheleine der Intensität nach ordnen. Die Variante Netzgänger Nord wird in den fränkischen Regierungsbezirken sowie in der Oberpfalz und in Teilen von Niederbayern angeboten.

"Gemeinsam Klasse sein" - so heißt das neue Mobbing-Präventionsprojekt der TK. Vera Ünsal, die das Projekt bei der TK mitentwickelt hat, stellte dies in einem Workshop kompetent und detailreich vor. Die TK hat ihren bekannten "Mobbing-Präventions-Koffer" zeitgemäß umgewandelt in eine Online-Plattform und die Inhalte auf Cybermobbing fokussiert.

Die Forschungsgruppe Elementarinformatik (FELI) der Universität Bamberg unter der Leitung von Professor Dr. Ute Schmid entwirft Konzepte und Materialien für einen kindgerechten Informatikunterricht in der Grundschule. Die Kinder sollen aus dem Alltag abgeholt werden und mit Experimentiermaterialien durch Austesten eigener Ideen digitale Konzepte begreifen und entdecken.

Experimentierkiste Informatik

Darüber hinaus wird auf die Integration von Grundschullehrkräften in die Welt der Informatik geachtet, aufbauend auf deren persönlichen Standpunkt. Im Workshop konnten die Teilnehmer den Einsatz der "Experimentierkiste Informatik" mit vielen Beispielen aus der Umwelt heutiger Grundschulkinder kennen lernen. "Unser Anliegen ist es, Konzepte zur Vermittlung von grundlegenden Themen der Informatik mit kindgerechten, an die Prinzipien von M. Montessori angelehnten Materialien zu entwickeln und empirisch zu evaluieren", so Prof. Dr. Schmid.

Im Workshop mit dem Titel "Hilfestellung zur Erarbeitung eines Digitalprojekts im naturwissenschaftlichen Unterricht (MINT-Fächer)" erläuterte Prof. Dr. Jorge Groß unter anderem die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Erklärvideos. In der passiven Variante schauen sich die Schüler diese nur an. Wenn sie aber ein Erklärvideo, z. B. über einen physikalischen Versuch, selbst erstellen sollen, so müssen sie sich mit dem Thema, einer geeigneten Technik, guter Kameraführung und dem Erklärtext aktiv auseinandersetzen. 

Rückmeldungen der Teilnehmer

Alle Teilnehmer der Tagung erhielten einen Feedback-Bogen, auf dem sie neben Angaben zur Organisation der Tagung auch Auskunft geben konnten über die Häufigkeit des Einsatzes moderner Medien im Unterricht. So antworteten 62 Prozent der 61 Befragten, dass sie nach dem Besuch dieser Fachtagung häufiger als bisher digitale Methoden in ihrem Unterricht anwenden würden. Immerhin 57 Prozent der Rückmelder setzen schon mehrmals in der Woche neue Medien oder Methoden ein.