Politiker, Gesundheitsexperten und Sportfunktionäre diskutieren, ob E-Sport als Sport anerkannt werden soll und welche gesundheitlichen Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Ende Oktober trifft sich die E-Sport-Szene bei der ESL One in Hamburg. Wie die TK zu E-Sport steht, sich engagiert und wie ein gesundes "Zocken" möglich sein kann, erläutert Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, im Interview. 

Frau Puttfarcken, E-Sport wird kontrovers diskutiert. Wie steht die TK zu diesem Thema?

Puttfarcken: Als Krankenkasse stehen wir einem Thema wie E-Sport natürlich erst mal vorsichtig gegenüber. Doch das Bild in der Gesellschaft wandelt sich: E-Sport ist längst in der Gesellschaft angekommen. Insbesondere im professionellen Bereich hat E-Sport nichts mehr mit der klassischen Vorstellung des übergewichtigen Gamers "im Keller" zu tun. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und in ihrem Koalitionsvertrag erklärt, professionelles Gaming als offizielle Sportart anzuerkennen. Im August hat dagegen der Deutsche Olympische Sportbund entschieden, E-Sport nicht als Sportart anzuerkennen. Diese Entscheidung halten wir für falsch: Körperliche Anforderungen wie Koordination und Reaktion sind im E-Sport genauso Voraussetzung wie zum Beispiel bei Darts oder Schießen.

Unsere Aufgabe sehen wir darin, die gesundheitlichen Aspekte in die Diskussion einzubringen. Wir möchten E-Sport-Aktive, aber auch Familien mit Kindern und Jugendlichen, die E-Sport Anhänger sind, darin unterstützen, die digitale Balance zu halten. Das Schlüsselwort lautet hier Medienkompetenz. Motivierte E-Sportler müssen einen verantwortungsvollen Umgang mit PC, Konsole und Smartphone lernen, damit sie später nicht mit Übergewicht oder Internetsucht zu kämpfen haben.

Unsere Aufgabe sehen wir darin, die gesundheitlichen Aspekte in die Diskussion einzubringen. 
Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Maren Puttfarcken

Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Was genau bedeutet Medienkompetenz in diesem Zusammenhang?

Puttfarcken: Entscheidend ist doch, dass wir bewusst mit Konsole, PC und Smartphone umgehen. Das bedeutet zum Beispiel, regelmäßige Pausen einzulegen. Um gesund zu bleiben, ist es enorm wichtig, dass E-Sportler ihr Training mit physischer Aktivität ergänzen - wie professionelle E-Sportler auch. Und natürlich sollte man darauf achten, dass das soziale oder berufliche Leben nicht unter dem digitalen Zeitvertreib leidet.

Bei Kindern und Jugendlichen sind aber auch die Eltern gefragt. Sie sollten als gute Vorbilder vorangehen. Und Eltern müssen mitentscheiden, welche Spiele "ins Haus kommen" und wie oft gespielt wird.

Was können sich Freizeit-Gamer von den Profis abgucken?

Puttfarcken: Sportliche Werte wie Fair Play, Respekt und Teamfähigkeit gelten genauso beim E-Sport wie auch in den klassischen Sportarten. Der E-Sport-Bund Deutschland hat sich bereits auf erste Grundwerte verständigt. Darüber hinaus zeigen Studien, dass körperliche Fitness und eine ausgewogene Ernährung die Leistungen im E-Sport positiv beeinflussen. 

Gute E-Sportler trainieren genauso viel offline wie online. Das heißt ganz platt: Sie treiben körperlichen Sport. Sie gestatten damit ihrem Gehirn Ruhepausen und absolvieren ein Ausgleichtraining, um etwa Konzentrationsschwächen oder Rückenbeschwerden vorzubeugen. Wir denken, dass der Spitzensport - also professionelle E-Sportler - auch immer eine Signalwirkung für den Breitensport hat. Deshalb sollten wir spielbegeisterten Menschen vermitteln, dass ein körperlicher Ausgleich zum Spielen am PC wichtig ist. Das möchten wir als Gesundheitspartner des E-Sports vermitteln. 

Wie wird sich die TK in diesem Bereich engagieren?

Puttfarcken: Wir haben nun erste Kooperationen im E-Sport-Bereich geschlossen und möchten in den nächsten Jahren auch auf Computerspiele-Messen oder E-Sport-Wettkämpfen präsent sein. Seit Juni dieses Jahres sind wir Gesundheitspartner der größten E-Sport-Liga in Deutschland, der Electronic Sports League (ESL). Im Oktober sind wir erstmals auf der ESL One in Hamburg dabei. 

Wir sehen diese Events als guten Anknüpfungspunkt für gesundheitliche Aufklärung und unsere Präventionsangebote. Also zum Beispiel Fitness- und Reaktionstests, Ballspiele in den Pausen oder Stände mit gesunder Nervennahrung. Darüber hinaus haben wir angefangen, auch in unseren eigenen Medien über E-Sport aufzuklären, und geben zum Beispiel Trainingstipps für E-Sportler.

Als E-Sport bezeichnet man laut E-Sport-Bund Deutschland e.V. "das sportwettkampfmäßige Spielen von Video- beziehungsweise Computerspielen". Dabei handelt es sich meistens um Strategiespiele (zum Beispiel "Dota 2"), Ego-Shooter (zum Beispiel "Counter Strike") oder Sportsimulationen (zum Beispiel "FIFA 2018").