TK: Herr Schwenk, bedingt durch die Corona-Krise haben Kinder und Jugendliche aktuell viel Zeit. Sie können ihren Hobbys nur bedingt oder gar nicht nachgehen und sind viel zu Hause. Dadurch verbringen viele mehr Zeit am Computer oder an der Konsole beim Zocken. Was können Sie den Kindern und Eltern raten, damit das nicht ausufert?

Dominik Schwenk: Während dieser außergewöhnlichen Lage fällt es uns allen schwer, eine richtige Tagesstruktur aufrecht zu erhalten und eben nicht aus Langeweile zu essen oder die meiste Zeit vor dem Fernseher und der Konsole zu verbringen. Ich habe "das Glück", weiterhin in meinem Hauptberuf als Industriemechaniker arbeiten zu können und komme täglich vor die Tür. Aber meine jüngeren Geschwister sitzen wegen der Schulschließungen jetzt schon eine Weile zu Hause und können eben nicht mehr zum Fußballtraining gehen. So geht es ja den meisten Kindern und Jugendlichen, die sind dann einfach nicht ausgelastet. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Gemüter zu Hause deshalb ziemlich angespannt sind. Daher könnten strikte Maßnahmen und Zeitbegrenzungen beim Zocken zu viel Ärger und Stress führen.

Man könnte jedoch mit dem Kind gemeinsam einen Kompromiss finden und es in die Tagesplanung miteinbeziehen. Eine Idee ist, Zocken als Art Belohnung für erledigte Schul- oder Hausarbeiten einzusetzen. Und wer einen Garten hat, sollte den bei schönem Wetter natürlich nutzen. Hier sind auch die Kreativität und das Engagement der Eltern gefragt. Nutzen Sie die Ausgangsbeschränkungen als eine Art "Familien Zeit XXL" und lassen Sie sich etwas Schönes mit und für die Kinder einfallen. 

Dominik Schwenk

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Professioneller E-Sportler aus dem Saarland.

TK: Wie wichtig ist an Tagen mit viel Freizeit - grade über einen längeren Zeitraum - ein strukturierter Tagesablauf?

Schwenk: Auch wenn es einem selbst schwerfällt, sollte der geregelte Tagesablauf auch bei längerem Schulausfall oder Ausgangsbeschränkung aufrechterhalten werden. Wer jetzt seinen Biorhythmus durch dauerhaft spätes ins Bett gehen und den Morgen verschlafen, verschobene Mahlzeiten sowie wenig körperliche Aktivität durcheinander bringt, wird Schwierigkeiten haben, den eigenen Rhythmus wiederzufinden, wenn es nach der Corona-Krise zurück zur Normalität geht.

TK: Sie sind professioneller E-Sportler. Warum ist es für Sie, aber auch die Hobby-Gamer so wichtig, regelmäßig und lange Pausen zu machen?

Schwenk: Der Körper signalisiert einem sehr deutlich, wann es Zeit wird, eine Pause einzulegen. Jeder Gamer sollte auf die Signale seines Körpers achten und sie ernstnehmen. Trockene oder tränende Augen, Kopf- und Nackenschmerzen, sowie Langzeitfolgen wie Haltungsschäden durch falsche Sitzpositionen sind dabei nur ein Teil. Wer viel und lange zockt, merkt selbst, dass nach einer gewissen Zeit die Konzentration und Reaktion nachlässt. Das spiegelt sich am Ende auch in den Spielergebnissen wider. Gerade im Profi-Bereich, aber auch sonst, ist es daher immens wichtig, Pausen einzuhalten. 

TK: Wie sehen Pausen bei Ihnen aus? Haben Sie Tipps für Sportübungen?

Schwenk: Ich handhabe es eigentlich so, dass ich eher vor meinem Training oder den Spielen an der Konsole eine Runde Laufen gehe, damit ich mit einem "freien Kopf" an die Sache rangehen kann. Meine Pausen verbringe ich in der Regel mit meiner Frau. Wir essen zusammen, unterhalten uns und gehen gemeinsam spazieren. Zu Zeiten der Ausgangsbeschränkung selbstverständlich mit Maß und Ziel.

TK: Warum ist genügend Bewegung beziehungsweise ein Ausgleich so wichtig? 

Als Profi ist es für mich wichtig, mit einem klaren Kopf an die Sache heranzugehen. Es geht für mich ja tatsächlich um "Etwas". Ich muss stets fokussiert und konzentriert sein und das erreiche ich nur, wenn ich ausgelastet und physisch wie psychisch fit bin.

Gerade Hobbygamer, die keinen Zugzwang haben und aus Spaß spielen, sollten das Zocken als eine Art "Bonusamüsement" sehen und sich nicht nur darauf konzentrieren. Zocken im ungesunden Maße kann auch soziale Isolation, also das vernachlässigen von realen Freunden, Hobbys und echten Zielen im Leben bedeuten. 

Auch ich als Profi spiele nicht ausschließlich und den ganzen Tag. Ich lege sehr viel Wert darauf, viel Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie zu verbringen, Dinge zu unternehmen und die Welt draußen zu genießen. Ich liebe Sport und war in meiner Jugend im realen Fußball aktiv. Leider hat mich mit 18 Jahren auf meinem dortigen Weg eine Verletzung ausgebremst. So fand ich im E-Sport eine Alternative. Trotzdem fehlen mir das reale Fußballspielen und eine richtige Mannschaft enorm. Das reale Leben und die sozialen Kontakte sind eben einfach am wichtigsten. 

TK: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ernährung. Viele Hobby-Gamer futtern Junkfood und trinken Energydrinks. Das ist natürlich nicht gerade gesund. 

Schwenk: Bei uns zu Hause, aber auch in der gesamten E-Sport-Szene, spielt Ernährung eine große Rolle. Wir essen zu Hause tatsächlich vorwiegend selbstgekocht und ausgewogen. Dabei geht es nicht nur um einen gesunden Körper und darum, dass wir uns gesund ernähren wollen. Gesunde Ernährung hat auch Auswirkungen auf das Zocken. Das Gleiche gilt für Energydrinks. Ich persönlich trinke selten bis nie Energiedrinks beim Zocken. Zuckerhaltige Getränke oder Junkfood, sind wenig förderlich für die Kognition. 

Aus Studien weiß man außerdem, dass der "Koffein- und Zucker-Boost" nur eine kurze Zeit anhält und danach die Konzentration komplett abflacht. Dadurch spielt man logischerweise schlecht. Wer unpassend isst, fühlt sich träge, schlapp und kann ebenfalls nicht die volle kognitive Leistung erbringen. Unkonzentriertheit, langsame Reaktionszeiten sowie schlechte Ergebnisse im Spiel können die Folge sein. Ich empfehle daher eine regelmäßige und ausgewogene Ernährung mit viel Wasser. Und das nicht nur, wenn man viel vorm Bildschirm sitzt.