Statistisch gesehen schaut jeder pro Tag rund 90 Mal auf sein Handydisplay. Hier unterscheiden sich Erwachsene nicht von Kindern und Jugendlichen. Smartphones, Tablets und Laptops sind aus unserem Leben heute nicht mehr wegzudenken. Viele Erledigungen des Alltags wie Einkaufen, Zeitung lesen oder Behördengänge laufen mittlerweile selbstverständlich online.

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Christian Bredl

Diese starke Verlagerung ins Digitale ist dem Wunsch geschuldet, immer effizienter zu werden, schneller und flexibler zu sein - sowohl im Beruf, als auch privat. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit vom Smartphone.

Smartphones bestimmen den Alltag

Doch die starke Durchdringung des Alltags mit digitalen Medien birgt nicht nur Vorteile: Ablenkung, ständige Erreichbarkeit, der Druck möglichst sofort zu antworten.

In einer zunehmend digitalen Welt ist es wichtig, dass Kinder frühzeitig darauf vorbereitet werden, wie sie sich sicher und eigenverantwortlich im Netz bewegen. Medienkompetenz wird oft verwechselt mit dem Bedienen von Smartphones und Computern. Echte Medienkompetenz geht jedoch weit über das Wissen um das richtige Wischen und Klicken hinaus.

Es ist realitätsfremd, Kinder möglichst lange vom Internet fernzuhalten. 
Christian Bredl

Deshalb haben wir in Bayern das Projekt Netzgänger 3.0 ins Leben gerufen. Ziel ist es, dass Kinder selbstständig und verantwortungsbewusst mit den neuen Medien umgehen. Dass sie ein Gespür für das eigene Nutzungsverhalten entwickeln und sich kritisch hinterfragen: Wie viel Zeit verbringe ich online? Tut mir das gut? Halte ich es auch ohne das Smartphone aus?

Netzgänger 3.0 steht für eine selbstständige und verantwortungsbewusste Mediennutzung

Denn es ist sinnvoller, Kinder frühzeitig an Strategien und Maßnahmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones und dem Internet heranzuführen als Verbote auszusprechen. Es ist realitätsfremd, Kinder möglichst lange vom Internet fernzuhalten. Kinder bewegen sich bereits jetzt autark in der digitalen Welt.

Zum Projekt Netzgänger 3.0

Fast jedes Kind hat mittlerweile ein Smartphone

92 Prozent der 12-bis 13-Jährigen besaßen 2017 ein Smartphone, bei den älteren Jugendlichen sind es fast hundert Prozent. Im Vergleich zu 2011 ist diese Zahl rapide gestiegen, so die jüngste deutschlandweite Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest. Jeder dritte 12- bis 13-Jährige besitzt bereits ein eigenes Laptop oder Tablet. Fast vier Stunden sind Jugendliche im Schnitt täglich online. Diese Zahlen verdeutlichen, wie präsent neue Medien im Alltag der Kinder sind.

Psychischer Druck nimmt zu

Das hat auch Schattenseiten: Noch relativ junge Phänomene wie Cybermobbing oder die pathologische Nutzung des Internets und der sozialen Medien belasten immer mehr die Psyche von Kindern und Jugendlichen. Insgesamt hat ein Viertel der Kinder in Bayern psychische Probleme oder Entwicklungsstörungen. Die Häufigkeit der seelischen Krankheiten bei jungen Menschen ist besorgniserregend.

Rüstzeug für eine digitalisierte  Welt

Eine Ursache für die starke Zunahme der psychischen Erkrankungen bei Kindern ist, dass sie heute unter größerem psychischen Druck stehen als früher. Hier spielt die zunehmende Digitalisierung als ein Faktor unter vielen eine Rolle. Wir müssen Kindern daher bereits früh das Rüstzeug mitgeben, sich in einer digitalisierten Welt zurechtzufinden.

Das Konzept: Schüler schulen Schüler

Medienkompetente Kinder brauchen aber auch medienkompetente Eltern. Es ist wichtig, dass die Eltern sich dafür interessieren, was ihre Kinder im Netz tun. Nur so kann ein sicheres Surfen durch die digitale Welt gelingen. Außerdem findet der Großteil der Mediennutzung in der Freizeit statt.

Wenn Erwachsene auf die Gefahren des Internets hinweisen, wirkt das oft belehrend und mit erhobenem Zeigefinger. Deshalb übernehmen bei Netzgänger 3.0 Schüler aus den neunten und zehnten Klassen die Lehrerrolle. Netzgänger 3.0 ist damit ein sogenanntes Peer-to-Peer-Projekt. Das hat den Vorteil, dass die Jugendlichen auf Augenhöhe kommunizieren und die Inhalte von Vorbildern übermittelt werden.