Rostock, 6. Mai 2022. Kinder wachsen heute mit einem vielfältigen Angebot an digitalen Medien auf und nutzen diese selbstverständlich - sei es zur Unterhaltung, zur Kommunikation oder wie in den vergangenen zwei Jahren vermehrt zum Lernen. Laut der Techniker Krankenkasse (TK) ist Medienkompetenz unverzichtbar, um sich verantwortungsvoll im digitalen Raum zu bewegen.

Die bundesweit tätigen Medienscouts vermitteln an den Schulen Medienkompetenz auf Augenhöhe. Als speziell ausgebildete Jugendliche sind sie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für eine sichere und verantwortungsvolle Mediennutzung. Heute treffen sich mehr als 200 von ihnen bei der fünften Bundesjugendkonferenz Medien in Rostock.

Probleme in sozialen Netzwerken und immer mehr Cybermobbing

Eine Tweedback-Umfrage unter den Medienscouts, die der Verein Prävention 2.0 e. V. und die TK im Vorfeld durchgeführt haben, verdeutlicht den Handlungsbedarf: Demnach wurden 86 Prozent der Medienscouts von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern mit Social-Media-Problemen konfrontiert (2019: 83 Prozent). Die Anfragen aufgrund von Cybermobbing-Vorfällen haben im Vergleich zur Befragung im Jahr 2019 um rund 15 Prozentpunkte zugenommen. Von den befragten Medienscouts unterstützen ebenfalls 86 Prozent ihre Mitschülerinnen und Mitschüler bei diesem Thema.

Weiterhin beraten die Scouts schwerpunktmäßig zu den Themen Datenschutz (2022: 61 Prozent; 2019: 68 Prozent), Hate Speech (2022: 50 Prozent; 2019: 44 Prozent) und Urheberrecht (2022: 42 Prozent; 2019: 54 Prozent).

"Die Zunahme im Bereich Cybermobbing verwundert mich nicht, zumal während der Coronapandemie viel mehr Schüler in den sozialen Netzwerken oder in Games aktiv waren und der persönliche Austausch fehlte. Dazu erleichtern die Anonymität und die nicht sichtbare Reaktionen Betroffener das Vorgehen der Täterinnen und Tätern. Ich habe in Corona-Zeiten und aber auch jetzt danach einen erheblichen Anstieg der bundesweiten Nachfrage nach meinen Live-Webinaren, gerade zu diesen Themen erlebt. Umso wichtiger ist die Arbeit der Medienscouts an den Schulen", betont Gesa Stückmann, Rechtsanwältin und Initiatorin der BJKM.

Auch Eltern sind in der Verantwortung

Für die Medienscouts steht eines fest: Auch Eltern brauchen weiterhin mehr Medienkompetenz. Bei der Befragung sagten dies 83 Prozent (2019: 82 Prozent). Darüber hinaus stehen aus Sicht der Medienscouts Eltern noch mehr in der Verantwortung, gesunden Medienkonsum zu vermitteln. Acht von zehn Medienscouts gaben dies bei der aktuellen Befragung an. Bei der letzten BJKM waren es noch sieben von zehn. Des Weiteren sehen 55 Prozent die Verantwortung bei den Lehrerinnen und Lehrern, 2019 waren es 61 Prozent.

Allerdings verstehen sich die Scouts selbst auch als maßgebliche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für mehr Medienkompetenz. 77 Prozent fühlen sich für die Vermittlung entsprechender Inhalte verantwortlich. "Vor dem Hintergrund dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe sind Medienscouts Bindeglied zwischen Eltern, Lehrerschaft, Schülerinnen und Schülern. Digitale Gesundheitskompetenz sollte zukünftig ein fester Bestandteil der Präventionsarbeit in allen Lebensbereichen sein", betont Manon Austenat-Wied, Leiterin der TK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern.

Mediennutzung nimmt weiter zu

Im Vergleich zur Befragung bei der BJKM 2019 hat die Mediennutzung weiter zugenommen: 36 Prozent der Jugendlichen waren drei bis fünf Stunden täglich online (plus drei Prozentpunkte zu 2019); 25,9 Prozent waren mehr als fünf Stunden täglich online, dies entspricht einem Anstieg von 10,4 Prozentpunkten zum Jahr 2019.

Dabei sind Chatten bzw. die Nutzung von Messenger-Diensten (92,2 Prozent), Musik hören (81,9 Prozent), soziale Netzwerke (77,1 Prozent) und die Recherche für Hausaufgaben (75,3 Prozent) die Hauptaktivitäten. Rund 88 Prozent der Medienscouts hatten mit 12 Jahren bereits ein eigenes Handy.

Ungesunder Medienkonsum

Knapp acht von zehn der befragten Jugendlichen haben bereits Erfahrungen mit ungesundem Medienkonsum gemacht. Von ihnen haben es 46 Prozent (2019: 35 Prozent) selbst schon gelegentlich übertrieben und 33 Prozent (2019: 39,6 Prozent) haben dies im Freundeskreis beobachtet. Die häufigsten Auswirkungen des ungesunden Medienkonsums waren Kopfschmerzen (70 Prozent), Schlafprobleme (56 Prozent) und Schmerzen im Rücken-, Schulter- oder Nackenbereich (43 Prozent).

Aus Sicht der jugendlichen Medienprofis sollten Krankenkassen Informationsangebote zum gesunden Medienkonsum online zur Verfügung stellen. Dies gaben 47 Prozent der Befragten an. Für Kinder und Jugendliche wünschen sich die Scouts Online-Schulungsangebote (46,5 Prozent) und Präventionskurse (47,8 Prozent). Für Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen empfehlen sie Informationsveranstaltungen (44,7 Prozent) und Schulungsangebote (40,2 Prozent). Konkretes Unterrichtsmaterial für Lehrerinnen und Lehrer zur Medienkompetenz fordern 57,9 Prozent.

"Fundierte Medienkompetenz wappnet die Heranwachsenden für die Herausforderungen einer zunehmend mediatisierten Gesellschaft. Wir stellen allen an der Vermittlung von Medienkompetenz Beteiligten umfassende Medienkompetenz-Tools zur Verfügung: vom ‚Medien-Universum‘ für Grundschüler, über das ganzheitliche Mobbing-Präventions-Projekt ‚Gemeinsam Klasse sein‘, den ‚Law4School‘-Seminaren von Frau Stückmann und seit kurzem dem digitalen ‚Krisenchat‘", so Manon Austenat-Wied.

Vorträge und Workshops für mehr Medienkompetenz

Bei der BJKM werden neben Projekten des Vereins Prävention 2.0 e. V. und Präventionsprogrammen der TK zahlreiche weitere praktische Anwendungen und Inhalte vermittelt. So gibt es beispielsweise Workshops zur Resilienz, Selbstwahrnehmung, Körpersprache und Digital Wellbeing.

Neben dem Vortrag von Julia von Weiler vom Verein "Innocence in Danger" erwartet die Medienscouts ein Überraschungsvortrag am zweiten Konferenztag. Parallel zu den Workshops der Scouts erhalten die mitgereisten Betreuerinnen und Betreuer exklusive Einblicke zur aktuellen Entwicklung der "Law4School-Plattform", der "Juuuport-Ausbildung" und der Weiterentwicklung des Präventionsprogramms "Gemeinsam Klasse sein".

"Endlich können wir die 5. Bundesjugendkonferenz Medien in Präsenz gemeinsam mit der TK durchführen - ich freue mich auf ein tolles Programm, aber vor allem auf die Jugendlichen aus ganz Deutschland, deren ehrenamtliches Engagement mit dieser Konferenz auch gewürdigt wird", so Stückmann.

Hinweis für die Redaktion

An der Umfrage, welche im Vorfeld der Bundesjugendkonferenz Medien unter den Medienscouts durchgeführt wurde, nahmen 166 Scouts teil. Bei der Umfrage zur BJKM 2019 waren es 251 jugendliche Medienprofis.

Tweedback ist digitales Interaktionstool, welches echtes Feedback ermöglicht. Das Rostocker Start-up und ehemalige Forschungsprojekt der Universität Rostock hat die Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Verein Prävention 2.0 e. V. und der TK durchgeführt und unterstützt die Konferenz mit Live-Umfragen.

In diesem Jahr nehmen 213 Scouts, 46 Betreuerinnen und Betreuer aus elf Bundesländern an der BJKM im Radisson Blu Rostock teil.