München, 12. März 2019. Wie steht es um die Medien- und Digitalkompetenz bei der Generation Smartphone? Über ihre Erfahrungen berichteten fünf speziell auf Netzgänger 3.0 geschulte Peers der neunten Klassen.

Das gemeinsame Präventionsprojekt von Condrobs e. V. und Techniker Krankenkasse (TK) ist als Peer-to-Peer-Projekt konzipiert - also Schüler und Schülerinnen vermitteln das Wissen an jüngere Schüler. Dabei werden auch Eltern informiert und Lehrkräfte stehen bei Bedarf begleitend zur Verfügung. Als neues Informationstool gibt es ab sofort die App "Netzgänger 3.0" (kostenlos zur Installation (iOS und Android).

Hardware alleine schafft noch keine Medienkompetenz 

Über 90 Prozent der zwölf- bis 19-Jährigen sind täglich im Internet unterwegs. Fast alle Jugendlichen (97 Prozent) haben ein Smartphone. Als wichtigsten Kommunikationskanal benennen 95 Prozent der Jugendlichen den Messenger-Dienst WhatsApp.

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Bild v. links n. rechts: Noah, Christian Bredl (TK), Thalia, Isabella K., Djamilatou, Isabella I, Patrick Hey (Condrobs) und Judith Hausmann (TK)

Während für Schülerinnen und Schüler die digitale Welt längst Alltag ist, wird politisch noch um Details des Digitalpakts gerungen. "Tablets und Computer den Schulen zur Verfügung zu stellen, bedeutet jedoch nicht digital- und medienkompetent zu sein", sagte Christian Bredl, Chef der TK in Bayern. "Diese Kompetenz muss Basiswissen werden, denn die jungen Menschen sind mittlerweile jeden Tag online unterwegs." 

Risiken im Netz - in jeder Klasse Betroffene 

Djamilatou, Isabella K., Isabella I., Thalia und Noah ließen sich 2019 zu Peers ausbilden. Seitdem geben sie ihr Wissen in den vier Themenbereichen Cybermobbing, Smart im Netz, Virtuelle Spielewelten und Soziale Netzwerke an die jüngeren Schüler weiter. Sie hielten bereits rund 15 Tutorien in drei 5. Klassen. Außerdem gestalteten sie an ihren Schulen den Netzgänger-Elternabend.

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Die neue App von Netzgänger 3.0

"Beleidigungen, Hetze bis hin zum Cybermobbing, auf unseriösen Seiten in die Falle tappen, Missachten von Persönlichkeitsrechten, exzessives virtuelles Spielverhalten - das kam fast in jeder Klasse vor", sagte Isabella. "Da wir nur rund vier Jahre älter sind als die Betroffenen, konnten wir offen und auf Augenhöhe über die Probleme in den Tutorien sprechen."

Statement Christian Bredl Netzgänger 3.0

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Die Peers gaben Tipps beispielsweise, wie man sich bei Cybermobbing verhält, wie man smart und sicher im Netz unterwegs ist oder welche persönlichen Informationen man besser nicht digital preisgibt. Außerdem halfen sie den jüngeren Mitschülern zu erkennen, ab wann der Gebrauch von Laptop, Internet, Smartphone und Konsole zum gesundheitlichen Risiko wird. 

"Durch das Peer-Konzept kommen die Lerninhalte besser und nachhaltiger bei den Schülern an", sagte Patrick Hey, Abteilungsleitung Prävention und ambulante Angebote bei Condrobs. "Zusätzlich haben wir eine zweitägige Lehrer-Fortbildung, damit die Peers später auch von den Lehrern ausgebildet werden können. Die Lehrerschaft wird so sensibilisiert und das Wissen auf Dauer in der Schule verankert." 

Wie durch Cybermobbing geschädigte Kinder leiden

Wie wichtig Medienkompetenz für die Gesundheit der Kinder ist, zeigen reale Beispiele in dem Buch "Bullying" der beiden Münchner Fachärzte für Psychiatrie bzw. für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Peter Teuschel und Klaus Werner Heuschen. Wird die Spirale von Cybermobbing nicht durchbrochen, kann das weitreichende gesundheitlichen Folgen haben, bis hin zum Suizid. 

Bereits über 5.000 Schülerinnen und Schüler nahmen an Workshops seit 2016 teil

"Um diese Schicksale zu vermeiden führen wir in Zusammenarbeit mit Condrobs Netzgänger 3.0 an derzeit 28 südbayerischen Schulen durch", so Bredl. Das Präventionsprojekt startete 2016. Insgesamt wurden bisher rund 420 Peers ausgebildet, knapp 200 davon alleine im vergangenen Jahr.

Präsentation PK Netzgänger 3.0

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Die Peers führten wiederum seit Projektbeginn Workshops mit über 5.000 Schülern der Klassen fünf und sechs durch. Das Ursprungskonzept wurde 2009 an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg entwickelt und an Schulen im Bamberger Raum durchgeführt.

2015 hat die TK das Projekt neu aufgelegt und gemeinsam mit Condrobs zu " Netzgänger 3.0 " weiterentwickelt. Die Inhalte werden ständig aktualisiert und an die Neuerungen in den Digitalen Medien angepasst. 

Aktuelles  Interview mit Patrick Hey  zur Zwischenbilanz von Netzgänger 3.0.

Hinweis für die Redaktionen

Die Homepage des Projekts erreichen Sie unter www.netzgaenger.org.

In dem 30-minütigen Film " Jugend 3.0 " zeigt die TK, wie Familien den Alltag mit Computer und Smartphone meistern. 

Die Daten zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen stammen von der Jim Studie 2018.