Drei Viertel der Erwachsenen in Norddeutschland sind privat fast immer online. Mit der Corona-Pandemie sind "Vikos" und "Telkos" für viele Teil der neuen beruflichen Normalität geworden. Doch wie sieht das Digitalverhalten der Norddeutschen aus? Was macht "always on" mit unserer Gesundheit? Und wie können Strategien aussehen, um Problemen zu begegnen? Diese Fragen beantwortet Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, im Interview. 

TK: Frau Puttfarcken, wie steht es um das Digitalverhalten in Norddeutschland? Gibt es Unterschiede in der privaten und beruflichen Nutzung?

Maren Puttfarcken: Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass drei Viertel (77 Prozent) der Norddeutschen privat immer oder mehrmals täglich online sind. Für berufliche Zwecke sind mehr als die Hälfte der Norddeutschen (56 Prozent) immer oder mehrmals täglich online. Jeder Fünfte im Norden (21 Prozent) gibt an, für berufliche Zwecke nie online zu sein. Großstädter:innen sind sowohl privat als auch im Beruf häufiger online. Und je größer die Stadt, desto mehr Viel-Nutzer:innen gibt es. 

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen im Norden (fast 60 Prozent) sind privat täglich zwischen einer und fünf Stunden online. Nur elf Prozent kommen unter 30 Minuten täglich. Jeder Fünfte (20 Prozent) ist im Schnitt zwischen 30 Minuten und einer Stunde online. Und neun Prozent der Befragten kommt sogar auf fünf Stunden oder länger. 

Im Beruf ist ein Drittel der Norddeutschen zwischen einer und fünf Stunden online, 23 Prozent kommen unter 30 Minuten täglich. Zwischen 30 Minuten und einer Stunde sind sechs Prozent online. Auf fünf Stunden oder länger kommen hier 20 Prozent der Befragten. Und wie gesagt, jeder Fünfte nutzt das Internet für berufliche Zwecke gar nicht. Hier gibt es also eine deutlich größere Spannweite. 

Maren Puttfarcken

Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

TK: Mit der Corona-Pandemie wurden "Telkos" und "Vikos" zur neuen Normalität im beruflichen Kontext. Welche Auswirkungen hat die aktuelle Corona-Pandemie auf das Nutzungsverhalten?

Puttfarcken: Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten Erwerbstätigen in Norddeutschland geben an, dass sie häufiger digitale Kommunikationsmöglichkeiten wie Telefonkonferenzen, Videokonferenzen oder E-Mails nutzen. Bei 43 Prozent hat sich hingegen keine Veränderung zu der Zeit vor der Corona-Pandemie ergeben.

Für die meisten Berufstätigen im Norden (71 Prozent) kann die digitale Kommunikation persönliche Gespräche mit Kolleg:innen und Gesprächspartner:innen nicht ersetzen. Doch ebenso viele gaben an, dass die digitalen Möglichkeiten die Kommunikation insgesamt entlasten. Für die Hälfte der Erwerbspersonen im Norden erleichtern die digitalen Hilfen, die Arbeit flexibel zu gestalten.

TK: Was macht ein hohes Nutzungsverhalten mit unserer Gesundheit?

Puttfarcken: Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diejenigen, die häufig und lange online sind, wesentlich höher gesundheitlich belastet sind als diejenigen, die weniger digital unterwegs sind. Sie leiden häufiger unter Nervosität beziehungsweise Gereiztheit und sogar deutlich mehr an Depressionen. Muskelverspannungen, die Rücken und Nackenschmerzen auslösen können, sind mit 62 Prozent bei einem Großteil aller Befragten ein Problem. Die Nutzer von Onlineangeboten, die in der Regel viel Zeit in Anspruch nehmen, sind auffällig häufiger betroffen. 

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diejenigen, die häufig und lange online sind, wesentlich höher gesundheitlich belastet sind als diejenigen, die weniger digital unterwegs sind. Maren Puttfarcken

Erstaunlich ist, dass die Studie keine Unterschiede zeigt zwischen denjenigen, die im Job viel online sind, oder jenen, die im beruflichen Kontakt fast gar nicht online sind. Das könnte bedeuten, dass Viel-Nutzer:innen im beruflichen Kontext bereits gute Strategien gefunden haben, damit umzugehen.

TK: Welche Strategien gibt es, um diese Probleme zu umgehen? 

Puttfarcken: Klar ist: Zu viel "digital" kann krank machen. Der erste Schritt ist sicherlich, sich dieses Problem bewusst zu machen und für sich selbst immer mal wieder zu reflektieren: Wo stehe ich mit meiner individuellen Online-Zeit. Und belastet mich das? Es geht also um einen reflektieren Umgang mit den digitalen Medien. Gerade in der Corona-Pandemie sehen wir ja auch, welche Vorteile sie bieten.

Im Alltag können bewusste Offline-Zeiten, zum Beispiel beim Abendessen oder sportlichen Aktivitäten, gute Rituale schaffen. Da können auch klassische Krankenkassen-Angebote wie ein Gesundheitskurs gute Möglichkeiten bieten. Wir müssen für einen analogen Ausgleich sorgen, auch damit das Gehirn von den vielen schnellen Eindrücken aus der digitalen Welt entlastet wird. 

Hintergrund

Für die Studie " Schalt mal ab, Deutschland !" wurden im Oktober 2020 bevölkerungsrepräsentativ bundesweit insgesamt 1.000 Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren vom Meinungsforschungsinstitut Forsa telefonisch zu ihrem Umgang mit digitalen Medien befragt. Die komplette Studie und Grafiken zu den Ergebnissen sind im Presseportal der TK zu finden. 

Unter dem Begriff Norddeutschland sind die Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern zusammengefasst.