Digitale Medien bieten derzeit die Möglichkeit miteinander in Kontakt zu bleiben. Doch der richtige Umgang mit digitalen Medien will gelernt sein. Deshalb führt SUCHT.HAMBURG seit mehr als zehn Jahren mit Unterstützung der TK in Hamburg das Projekt "Netz mit Web-Fehlern?" durch. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, erläutert, wie sich das gemeinsame Projekt in Hamburg entwickelt hat und warum es gerade in diesen Zeiten besonders wichtig ist. 

TK: Frau Puttfarcken, zur aktuellen Situation - Die SCHULBUS-Studie 2018 zeigt, dass normalerweise Hamburger Jugendliche bis zu fünf Stunden täglich in ihrer Freizeit im Internet oder mit Computerspielen verbringen. Verschärft sich die Problematik gerade?

Maren Puttfarcken: Ich denke, dass wir zwischen dem normalen Alltag und dieser aktuellen Krisensituation unterscheiden müssen. Natürlich machen sich derzeit viele Eltern Sorgen, dass ihre Kinder noch mehr Zeit mit digitalen Medien verbringen. Doch die digitalen Medien bieten auch Chancen: Über sie können Kinder und Jugendliche mit Klassenkameraden, Freunden, Oma und Opa oder den Lehrern in Kontakt bleiben. 

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Gerade jetzt ist es aber sehr wichtig, dass digitale Medien bewusst genutzt werden. Das bedeutet zum Beispiel, regelmäßig Bildschirmpausen einzulegen. Kinder und Jugendliche brauchen in dieser Situation eine tägliche Routine, in die zum Beispiel auch das Lernen für die Schule fällt. Hier müssen Eltern - auch wenn das schwer fällt - besonders aufmerksam sein.

Gerade jetzt ist es wichtig, dass digitale Medien bewusst genutzt werden. Kinder und Jugendliche brauchen in dieser Situation eine tägliche Routine. Maren Puttfarcken

TK: Wie unterstützt die TK in Hamburg Eltern, die sich Sorgen um das Nutzungsverhalten von digitalen Medien ihrer Kinder machen?

Puttfarcken: Das Thema bewegt uns schon lange. Bereits seit mehr als zehn Jahren unterstützen wir als TK-Landesvertretung Hamburg die Arbeit von SUCHT.HAMBURG. Im Projekt "Netz mit Web-Fehlern?" wurden in der Vergangenheit Selbsthilfestrukturen im Arbeitsfeld "internetbezogenen Störungen" aufgebaut. Das Projekt ist in Hamburg fest etabliert und wurde 2018 durch das Beratungsangebot "Time to Balance" ersetzt.

"Time to Balance" ist ein Beratungsangebot und ermittelt mit einem Selbsttest eine erste Einschätzung des Nutzungsverhaltens. Weiterhin können Eltern in einem Chat Fragen stellen, sich austauschen und praktische Tipps für die Medienerziehung bekommen. Obwohl nahezu alle 12- bis 19-Jährigen ein eigenes Smartphone besitzen, setzt nur rund jede dritte Familie Regeln zur Nutzung um. Auch hier berät das Onlineangebot Eltern, welche Regeln sinnvoll und auch durchsetzbar sind.

Erst im März 2020 wurde ein neuer Internetclip zum Thema "Dauerzoff wegen Mediennutzung" für Eltern veröffentlicht. Dieser soll Eltern dazu sensibilisieren, sich frühzeitig Unterstützung zu holen, wenn das Nutzungsverhalten des Kindes aus dem Ruder läuft.

TK: Welche Rolle spielen die Eltern beim Thema Mediennutzung? 

Puttfarcken: Der verantwortungsvolle Umgang mit den Neuen Medien ist mittlerweile eine Schlüsselkompetenz. Eltern müssen sich mit dem Thema beschäftigen. Denn wie bei den meisten Dingen nehmen sie auch bei der Mediennutzung eine Vorbildfunktion ein. Das bedeutet, dass sie vor allem auch ihr eigenes Nutzungsverhalten kritisch hinterfragen müssen. 

Wenn es um die Frage geht, welche Computerspiele gespielt oder welche Sozialen Medien genutzt werden, sollten Eltern je nach Alter des Kindes allein oder zumindest mitentscheiden. Dazu gehört natürlich auch, sich die Spiele oder Plattformen selbst anzuschauen. Wenn Kinder und Jugendliche von Beginn an einen verantwortungsvollen Umgang mit PC, Konsole und Smartphone lernen, werden sie wahrscheinlich künftig weniger Probleme mit internetbezogenen Störungen haben.

Hintergrund

Die TK-Landesvertretung Hamburg unterstützt SUCHT.HAMBURG bereits seit dem Jahr 2010 bei der Vermittlung von Medienkompetenz an Kindern und ihre Eltern - gemeinsam mit Fachpersonal und in der Selbsthilfe.

Alle Informationen zur SCHULBUS-Studie gibt es online. Die Online-Plattform Time-to-Balance betreibt SUCHT.HAMBURG gemeinsam mit der TK-Landesvertretung Hamburg.