Hamburg, 29. Juni 2020. Nach dem höchsten Krankenstand seit 20 Jahren in der Corona-Hochzeit im März 2020 mit 6,88 Prozent beobachtet die Techniker Krankenkasse (TK) einen deutlichen Rückgang der Krankmeldungen für die Monate April und Mai 2020. Laut einer aktuellen Auswertung der Krankschreibungen, der bei der TK-versicherten Erwerbspersonen, ist der Krankenstand im April 2020 stark gesunken und pendelte sich auf ein vergleichsweise niedriges Niveau ein (3,99 Prozent). Der Rückgang setzte sich im Mai fort, hier betrug der Krankenstand sogar nur noch 3,35 Prozent. Das ist der niedrigste Krankenstand für den Monat Mai seit zehn Jahren. 2010 lag der Krankenstand mit 3,39 Prozent auf einem ähnlichen Niveau. Der niedrigste Mai-Krankenstand im Rahmen der TK-Auswertungen zu den Fehlzeiten wurde im Jahr der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland mit 2,92 Prozent gemessen.

Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln wirken

"Aufgrund der beginnenden Corona-Pandemie haben sich die Menschen im Monat März vermutlich vermehrt bei einfachen Erkältungskrankheiten krankschreiben lassen, um sich und andere nicht zu gefährden. Das war gut und wichtig", erklärt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. "Der jetzt auffällige starke Rückgang hat vermutlich mehrere Gründe: Zum einen ist die Erkältungssaison vorbei, die jedes Jahr im Frühjahr für hohe Fehlzeiten verantwortlich ist", so Baas. "Zum anderen kommen da aber sicher auch eine Reihe von Faktoren hinzu: allgemein verbesserte Hygienemaßnahmen, mehr Homeoffice, weniger Sport-, Schul- und Wegeunfälle,  aber auch Faktoren wie eine unsicherere Arbeitsmarktsituation.“

Vergleichsweise wenig Covid-19 Diagnosen im ambulanten Bereich

Die neue Diagnose Covid-19 spielt bei den Krankschreibungen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. So war die Diagnose Covid-19 im März nur für 0,27 Prozent des gesamten Krankenstands verantwortlich. Im April erhöhte sich der Wert auf 0,64 Prozent, um dann im Mai wieder merklich abzuflachen auf 0,35 Prozent.

Verantwortungsvoller Umgang mit telefonischer Krankschreibung

Karen Walkenhorst, Vorstandsmitglied der TK und verantwortlich für den Bereich Personal: "Die Zahlen zeigen auch, dass die Menschen sehr verantwortungsvoll mit der telefonischen Krankschreibung umgegangen sind. Ein dauernder Anstieg von Arbeitsunfähigkeiten, wie von einigen Arbeitgebern befürchtet, hat sich nicht bestätigt." 

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde im März die Möglichkeit geschaffen, sich bei leichten Atemwegserkrankungen bis zu 14 Tage telefonisch krankschreiben zu lassen. Diese Regelung galt bis zum 31. Mai 2020. Walkenhorst betont aber auch: "Bei auffälligen oder langanhaltenden Gesundheitsbeschwerden sollte jeder zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. Die Angst vor einer möglichen Ansteckung darf niemanden daran hindern sich professionelle Hilfe zu holen."  

Hinweis für die Redaktion

Für die aktuelle Auswertung hat die TK die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ihrer rund 5,3 Millionen versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Die ermittelten Werte entsprechen dem Stand vom Juni 2020. Krankenstand: Der auf Basis von Kassendaten berechnete Krankenstand entspricht dem prozentualen Anteil der arbeitsunfähigkeitsbedingten Fehlzeiten aufgrund von Krankmeldungen.