Seit Einführung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) erhielten 82 Prozent der Praxis-Ärzte Hinweise von Kassen, wie sie Patienten "kodieren" sollen. Das ist das Ergebnis des Forschungsprojekts "Kodierwettbewerb" des WIG2 (Wissenschaftliches Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung), das im Oktober 2017 veröffentlicht wurde.

Der Gesetzgeber hat auf die Manipulationsvorwürfe zum morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich reagiert und die Beeinflussung von Diagnosedaten seitens der Krankenkassen im April 2017 ausdrücklich verboten. Sie läuft aber weiter, wie die Umfrage zeigt. Allein 18,2 Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass Kassen sie nach Inkrafttreten des Gesetzes beeinflusst hätten. Hochgerechnet entspricht das einer Zahl von 11.000 niedergelassenen Ärzten. Die häufigste Einflussnahme der Krankenkassen auf Ärzte erfolgte zudem bei jenen Krankheiten, die Beeinflussungsmöglichkeiten durch Interpretationsspielräume bei der Diagnosedokumentation bieten und Zuweisungen für die Krankenkassen auslösen.

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Prof. Dr. Volker Möws


Wo das Problem des Morbi-RSA liegt und warum der Kodieranreiz weg muss, erklärt TK-Politikchef Prof. Dr. Volker Möws auf dem Blog Wir Techniker

Vollmodell nur mit Manipulationsbremsen

Nun sieht der Referentenentwurf für eine RSA-Reform ein Vollmodell vor - künftig sollen statt 80 alle Krankheiten RSA relevant werden. Die Anzahl  potenzieller Diagnosen auf die Kodierbeeinflussung einwirkt, steigt also. Umso wichtiger, dass  auch die im Referentenentwurf vorgesehenen Manipulationsbremsen umgesetzt werden, damit nun aus dem Vollmodell nicht das "volle Manipulations-Modell" wird.


Zu den sinnvollen Gegenmaßnahmen in dem Referentenentwurf zählen unter anderem der Ausschluss hierarchisierter Morbiditätsgruppen (HMGs), die GKV-weit eine bestimmte Steigerungsrate überschreiten. Auch das Verbot der Wirtschaftlichkeitsberatung von Vertragsärzten durch Krankenkassen, Klagerechte der Kassen untereinander, die vollständige Entkopplung der Vergütung für Selektivverträge von Diagnosen und die Zertifizierung der Praxisverwaltungssoftware gehören zu den schnell wirksamen Maßnahmen, die die TK ausdrücklich begrüßt.

Hinzu kommt die geplante Prüfung einer Hausarzt-HMG , einer Neubewertung bestimmter Diagnosen: In Zukunft soll also auch genauer hingeschaut werden, wo Diagnosen entstehen und ob sie Behandlungskosten verursachen oder nicht. Damit diese Manipulationsbremsen funktionieren, muss auch der Faktor "Aufsicht" stimmen: Mit der Einführung der neuen Regeln muss auch eine einheitliche Kontrolle über eine einheitliche Aufsicht sichergestellt werden. 


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Eine RSA-Reform sollte Ursachen bekämpfen statt nur Symptome lindern. Dass einzelne Verbote das Problem nicht lösen, zeigte eine Untersuchung des WIG 2 Instituts: Auch nach einer gesetzlichen Klarstellung vermeldete knapp  jede fünfte Praxis Einflussnahme auf Diagnosen.

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Mehr zum Morbi-RSA

Wo exakt die Probleme im Morbi-RSA liegen und welche Vorschläge die TK hat, diese zu beheben erläutern die TK-Themenseiten zur  RSA-Reform .