Der Morbi-RSA bestimmt die Finanzströme zwischen dem Gesundheitsfonds und den Krankenkassen maßgeblich, entsprechend ist seine Ausgestaltung entscheidend für den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Seine derzeitige Beschaffenheit führt jedoch - anstatt eine faire Grundlage dafür zu bieten - zu starken Wettbewerbsverzerrungen.

Diese Schieflage wird Jahr für Jahr extremer, die Unwucht im Wettbewerb zwischen den Kassen wächst. Aktuell beläuft sich die Diskrepanz zwischen AOKen und Ersatzkassen auf über 2,2 Milliarden Euro. Während die AOKen deutlich mehr Geld erhalten, als für die Versorgung ihrer Versicherten notwendig ist, mussten bundesweit geöffnete Kassenarten erneut Unterdeckungen hinnehmen. Ohne eine Änderung der Ausgleichssystematik wird sich die finanzielle Handlungsfähigkeit der Krankenkassen weiter auseinander entwickeln.

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Der Vergleich der Kassenarten zeigt: Die Deckungsunterschiede zwischen den Kassenarten haben sich stark auseinanderentwickelt – zugunsten des AOK-Systems, das nach wie vor deutlich mehr erhält als es zur Versorgung seiner Versicherten ausgibt.

Einheitliche Aufsicht ist entscheidend

Der Referentenentwurf macht einen großen Schritt hin zu fairen Wettbewerbsbedingungen. Allerdings nur, wenn er als Gesamtkonzept umgesetzt wird - mit den darin vorgesehenen Manipulationsbremsen. Ein ungebremstes Vollmodell dagegen löst die bisherigen Probleme nicht - im Gegenteil. Wenn alle Krankheiten im Morbi-RSA berücksichtigt werden, statt wie bisher nur eine Auswahl, würde das den Kodieranreiz noch einmal deutlich ausweiten. Unbedingt nötig ist daher der Ausschluss hierarchisierter Morbiditätsgruppen (HMGs), die GKV-weit eine bestimmte Steigerungsrate überschreiten. Zudem soll geprüft werden, inwiefern in einem künftigen RSA berücksichtigt wird, wo ambulante Diagnosen gestellt wurden und mit welcher Therapie sie einhergehen. Der Schlüssel zum Erfolg dieser Manipulationsbremsen ist aber eine einheitliche Aufsicht: Nur wenn für alle Kassen die gleichen Spielregeln gelten und deren Einhaltung auch einheitlich kontrolliert wird, wird die Reform des Morbi-RSA gelingen.

Regionalkomponente für mehr Fairness

Eine weiterer Schritt in Richtung Fairness ist zudem ist die Einführung einer Regionalkomponente, damit die regional unterschiedlichen Kosten im Morbi-RSA berücksichtigt werden. Endlich abgeschafft werden muss zudem das Merkmal "Erwerbsminderungsrentner" (EMR) im Morbi-RSA. Es ist ein Relikt des alten Morbi-RSA vor 2009 und löst im derzeitigen Ausgleichsmechanismus Zuschläge zusätzlich zu bestehenden Erkrankungen aus - unabhängig davon, ob den Kassen dadurch Kosten entstehen. Der wissenschaftliche Beirat hat bereits 2017 empfohlen, das EMR-Kriterium zu streichen.

Dr. Jens Baas

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Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse




TK-Vorstand Dr. Jens Baas zum Kabinettsentwurf zum Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz auf dem Blog Wir Techniker .

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Mehr zum Morbi-RSA

Wo exakt die Probleme im Morbi-RSA liegen und welche Vorschläge die TK hat diese zu beheben, erläutern die TK-Themenseiten zur  RSA-Reform .