Der Morbi-RSA steht kurz vor einer Reform. Sie haben ein Gutachten zur aktuellen Gestaltung erstellt. Was war das zentrale Ergebnis?

Der zentrale Knackpunkt ist die Krankheitsauswahl, bei der derzeit neben den spezifischen Mehrkosten auch die Häufigkeit der betroffenen Versicherten und die durch Begleiterkrankungen verursachten Kosten eine wichtige Rolle spielen. Das sorgt zum einen dafür, dass dokumentierte Morbidität und die tatsächliche Krankheitslast immer weiter auseinanderdriften, aber auch, dass relevante teure Erkrankungen nicht berücksichtigt werden. Deshalb kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass im Morbi-RSA gesetzliche Vorgaben aus der RSA-Verordnung (RSAV) derzeit nicht erfüllt werden. 

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Die  Anzahl der dokumentierten Diagnosen steigt kontinuierlich. Dabei fällt auf: Es werden deutlich mehr Diagnosen vermerkt als es, verglichen mit internationalen Vergleichsdaten, geben dürfte.

In einem Vollmodell bestünde für alle Diagnosen ein Kodieranreiz. Viel sinnvoller wäre es, den zentralen Knackpunkt zu lösen - und endlich die Verzerrung zugunsten leichter, häufiger und oft ambulant gestellter Diagnosen zu beenden.
Prof. Dr. med. Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen


Laut dokumentierten Daten wird Deutschland immer kränker: Spiegelt das die Realität wider?

Aus den BVA-Daten ergeben sich die "validierten Diagnosen", also die dokumentierte Krankheitslast der gesetzlich Versicherten. Diese Kurve habe ich mit internationalen Daten zur Krankheitslast der Bevölkerung in Deutschland verglichen. Dabei zeigt sich, dass die GKV-Versicherten - zumindest auf dem Papier - immer mehr Krankheiten haben. Zudem fällt dieser Anstieg deutlich stärker aus als in anderen Quellen und betrifft überwiegend „leichte“ Erkrankungen, also jene, die für den Morbi-RSA nur wegen ihrer Häufigkeit, also durch Anwendung der Quadratwurzel, ausgewählt werden. Dafür sind zwei Erklärungen möglich: Entweder steigt die Anzahl der leichten, aber häufigen Krankheiten tatsächlich überproportional an - oder aber diese RSA-relevanten Erkrankungen werden nur häufiger kodiert.

Volker Möws Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Prof. Dr. Volker Möws


Wo das Problem des Morbi-RSA liegt und warum der Kodieranreiz weg muss, erklärt TK-Politikchef Prof. Dr. Volker Möws auf dem Blog Wir Techniker


Pressemitteilung: RSA-Reform: Der Knackpunkt ist die Krankheitsauswahl

Interview mit Professor Dr. Reinhard Busse (PDF, 361 kB)

Gutachten Prof. Busse zum Morbi-RSA (PDF, 1,2 MB)

Kernaussagen des Morbi-Gutachtens Professor. Dr. Reinhard Busse (PDF, 288 kB)

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Mehr zum Morbi-RSA

Wo exakt die Probleme im Morbi-RSA liegen und welche Vorschläge die TK hat, diese zu beheben erläutern die TK-Themenseiten zur  RSA-Reform .