Pünktlich zum zehnten Geburtstag will die Politik den komplexen Verteilmechanismus zwischen den gesetzlichen Krankenkassen überarbeiten.

Herr Vogt, wie bewerten Sie die RSA-Eckpunkte aus dem Bundesgesundheitsministerium?

Andreas Vogt

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Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Keine Frage, hier handelt es sich um ein gut durchdachtes und stimmiges Gesamtpaket. Der Gesundheitsminister greift die wesentlichen Probleme des Morbi-RSA auf und ist gewillt, für Fairness im Wettbewerb der Kassen zu sorgen.

Wichtig ist nun, dass die im Eckpunktepapier formulierten Schwerpunkte im Ganzen umgesetzt werden. Wenn nur Teile daraus realisiert werden, könnte sich der positive Effekt leicht ins Gegenteil verkehren.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Der Entwurf sieht vor, über ein Vollmodell künftig alle Krankheiten im Morbi-RSA zu berücksichtigen. Ein aktuelles Expertengutachten zeigt aber, dass ein ungebremstes Vollmodell immense Auswirkungen auf die dokumentierte Krankheitslast in Deutschland haben kann. Das Problem: Dadurch werden alle Krankheiten im Morbi-RSA ausgleichsfähig. Das weitet den sogenannten Kodieranreiz grundsätzlich deutlich aus.

Damit nun aus dem RSA-Vollmodell nicht das „volle Manipulations-Modell“ wird, braucht ein reformierter RSA mit Vollmodell also eine wirksame Manipulationsbremse, wie sie Gesundheitsminister Spahn nun auch klar auf die Agenda gesetzt hat.

Es wäre deshalb fatal, wenn am Ende anstelle des Gesamtpakets lediglich ein Vollmodell übrig bleiben würde.

Der Morbi-RSA ist ja eher ein bundesweites Thema - bieten sich auch aus Sicht der Bundesländer interessante Perspektiven?

Absolut. Ich möchte an den Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung erinnern: "Der Morbi-RSA soll als optimaler Verteilungsschlüssel die Gelder dorthin fließen lassen, wo sie vonnöten sind", heißt es dort wörtlich. Die nun vorgelegten Eckpunkte sind ein großer Schritt in diese Richtung.

Dazu trägt nicht zuletzt die geplante Einführung einer Regionalkomponente bei. Bislang wurden regionale Unterschiede im Finanzausgleich nicht berücksichtigt – im Gegensatz zu anderen demografischen Merkmalen. Dass es regionale Kostenunterschiede gibt, hat der Wissenschaftliche Beirat in seinem zweiten Gutachten zweifelsfrei festgestellt.