Mainz, 22. Februar 2019. Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi RSA) muss reformiert werden. Darüber herrscht Einigkeit. Intensiv diskutiert wird derzeit, wie die bevorstehende Reform gestaltet sein muss, damit das Kernstück der deutschen Krankenversicherung tatsächlich das bewirkt, was es ursprünglich bewirken sollte - einen fairen Wettbewerb unter den Kassen sicherzustellen. Ein wissenschaftliches Gutachten zum Finanzausgleich im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt deutlich, dass ein so genanntes Vollmodell die bekannten Probleme nicht lösen wird.  Die Analyse von Professor med. Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen der Technischen Universität Berlin, macht zudem deutlich, dass die Krankheitsauswahl über den Erfolg der Reform entscheidet.

"Diese Erkenntnis ist umso beunruhigender bedenkt man, dass der Wissenschaftliche Beitrat zur Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs des Bundesversicherungsamtes (BVA) 2017 empfahl, das Vollmodell einzuführen. Diese Empfehlung mutet nicht nur angesichts des aktuellen Gutachtens widersinnig an, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass der RSA reformiert werden sollte, um Manipulationsanreize für Kassen einzudämmen", betont Jörn Simon, Leiter der rheinland-pfälzischen TK-Landesvertretung. Diese Einflussnahme hat der Gesetzgeber zwar bereits mit Erlass des Gesetzes zur Heilmittel- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) eindämmen wollen. Allerdings lässt der Erfolg dieser gesetzlichen Maßnahmen auf sich warten lässt. Vielmehr steigt die dokumentierte Fallzahl von kostengünstigen, häufigen Erkrankungen weiter an. "Das sind genau jene Diagnosen, die der Risikostrukturausgleich zu stark gewichtet und was infolgedessen zur Wettbewerbsverzerrung unter den Kassen geführt hat", erläutert Simon. Hauptziel der Reform muss nach wie vor sein, den Finanzausgleich  manipulationsresistent zu gestalten. Dies würde eher durch die Berücksichtigung schwerer kostenintensiver Erkrankungen erzielt, so zeigt das Gutachten.

"Mit der Einführung eines Vollmodells, das alle Krankheiten berücksichtigt, wird genau das Gegenteil erreicht. Denn die Zahl der zuweisungsrelevanten Erkrankungen wäre von 80 auf 360 Krankheiten ausgedehnt. Die Folge: Das Manipulationspotential wäre nicht eingedämmt, sondern erheblich gesteigert", so Simon. Sollte das Vollmodell dennoch das Instrument der Wahl werden, hält der TK-Landeschef die Einführung einer wirksamen Manipulationsbremse für unerlässlich: "Diagnosen, die einen gewissen Interpretationsspielraum bieten, dürfen beim Finanzausgleich keinen Platz mehr finden, will man Wettbewerbsverzerrungen wirklich verhindern", appelliert Simon.

Mit der Einführung eines Regionalfaktors könnten Unterschiede hinsichtlich vorhandener Versorgungsstrukturen ausgeglichen werden. Auch dies hatte der Wissenschaftliche Beirat in einem weiteren Gutachten 2018 festgestellt. Eine Reform muss diesen wissenschaftlich dokumentierten regionalen Differenzen künftig Rechnung tragen. 

Hinweis an die Redaktionen

Weitere Informationen zur Problematik rund um den Morbi-RSA sowie die Kernaussagen des Gutachtens finden Sie auf www.tk.de/MorbiRSA . Dort finden Sie auch Presseinfografiken und -bilder zum Thema.