Ein wissenschaftliches Gutachten zum Finanzausgleich der Krankenkassen im Auftrag der TK kommt zu dem Ergebnis, dass die dokumentierte Morbidität und die tatsächliche Krankheitslast immer weiter auseinander driften.

Herr Vogt, was sind die zentralen Ergebnisse der Studie?

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Andreas Vogt, Leiter TK-Landesvertretung Baden-Württemberg

Der derzeitige Finanzausgleich gewichtet kostengünstige aber häufige Diagnosen zu stark. Gleichzeitig sind die dokumentierten Fallzahlen dieser Erkrankungen in den vergangenen Jahren auffällig angestiegen sind. 

Die Studie von Professor Dr. Reinhard Busse aus Berlin zeigt: Die tatsächliche Krankheitslast und das, was als Morbidität dokumentiert wird, driften immer weiter auseinander. Relevante teure Erkrankungen werden dagegen zu wenig berücksichtigt.

Es gibt den Vorschlag, beim Finanzausgleich der Krankenkassen ein "Vollmodell" einzuführen, also alle von Ärzten dokumentierten Diagnosen zu berücksichtigen statt wie bisher maximal 80. Damit wären doch alle Diskussionen über die Art der Auswahl beseitigt. 

Das könnte man meinen, aber das Gegenteil ist richtig. Wenn wir ohne flankierende Maßnahmen alle Krankheiten einbeziehen, werden wir nur noch mehr dokumentierte Morbidität erhalten. Der falsche Anreiz vergrößert sich also. 

Wir brauchen deshalb eine Reform, die das leistet, was der Morbi-RSA leisten soll: einen Ausgleich für Versicherte mit teuren Erkrankungen. Darin muss eine wirksame Manipulationsbremse enthalten sein. Diagnosen, die Kodierspielräume enthalten, sollten für den Finanzausgleich keine Rolle spielen.

In der Diskussion um die Neugestaltung des RSA wird immer wieder auch über die Einführung eines "Regionalfaktors" gesprochen, um regionale Kostenunterschiede auszugleichen. Wäre ein solches Modell gut für Baden-Württemberg? 

In der Tat hat der Wissenschaftliche Beirat in einem Gutachten solche regionalen Kostenunterschiede festgestellt. Dies führt dazu, dass in einigen Regionen die Zuweisungen stark über den tatsächlichen Leistungsausgaben liegen - und zwar in einem Ausmaß, das allein durch effizientes Kassenhandeln nicht erklärbar ist. In anderen Regionen können dagegen die realen Leistungsausgaben mit den Zuweisungen bei weitem nicht gedeckt werden.

Die Frage, ob einzelne Länder davon profitieren oder nicht, darf dabei keine Rolle spielen.