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"Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren", heißt es und über 80 Studien belegten jahrelang scheinbar: Moderater Alkoholkonsum sei sogar gesund. Kanadische Forscher haben sich die Studien noch mal genauer angeschaut und stellten fest: Stimmt nicht, die Studien sind fehlerhaft!

Nachdem Zweifelsfälle aus der Gruppe der Abstinenzler herausgerechnet wurden, fanden Tim Stockwell und seine Kollegen von der University of Victoria in British Columbia heraus: Die Aussage, mäßiger Alkoholkonsum sei gesundheitsförderlich, hält der Überprüfung nicht stand! Wer regelmäßig ein bisschen Alkohol trinkt, lebt zwar nicht kürzer als Nichttrinker - aber auch nicht länger!

Das behaupteten die Studien

Erst 2014 schloss eine europäische Langzeitstudie vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung mit mehr als 380.000 Teilnehmern mit folgendem Ergebnis:

Ein vermindertes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, haben

  • Frauen, die nicht mehr als ein Glas am Tag trinken,
  • Männer, die nicht mehr als zwei Gläser Alkohol am Tag trinken.

Dies sollte nicht nur gegenüber Viel-, sondern auch gegenüber Wenig- beziehungsweise Nichttrinkern gelten. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch die über 80 Studien, die sich Tim Stockwell und seine Kollegen noch mal vorknüpften.

Kranke Menschen in der Vergleichsgruppe

Laut der Ergebnisse von Tim Stockwell und Kollegen, die im Fachblatt "Journal of Studies on Alcohol and Drugs" jetzt veröffentlicht wurden, sind die Studien wissenschaftlich nicht haltbar. Der Hauptfehler, der den kanadischen Forschern neben anderen Ungereimtheiten auffiel: Die Gruppe der moderaten Trinker wurde mit einer Gruppe von Nichttrinkern verglichen, wobei häufig nicht hinterfragt wurde, warum die Abstinenzler keinen Alkohol während des Studienzeitraums getrunken hatten.

Dadurch gelangten viele kranke Menschen in die Vergleichsgruppe - solche, die Medikamente einnahmen, oder gar Alkohol-Abhängige. Dass diese Gruppe dann im Schnitt gesundheitlich nicht besser abschnitt als die der moderaten Trinker, sei nicht verwunderlich, fanden Tim Stockwell und sein Team heraus.

Alkoholsorten wurden nicht unterschieden

Allerdings unterschieden die untersuchten Studien nicht, welcher Alkohol konsumiert wurde. Wer gerne ein Glas Rotwein zum Essen genießt, der kann womöglich an seiner Begründung für das gemütliche Gläschen festhalten. So zählen die im Rotwein verstärkt vorhandenen Polyphenole zu den zellschützenden Antioxidantien. Diese können freie Radikale unschädlich machen, die die Körperzellen schädigen.

Anti-Aging-Substanz nicht nur in Rotwein

"Das heißt aber nicht, dass die Polyphenole im Rotwein das Gläschen Rotwein am Tag rechtfertigen, da der Übergang zur Sucht fließend ist", sagt TK-Ernährungsexpertin Sabine Wagner-Rauh. Sie verweist auf andere Quellen der wertvollen Sekundärpflanzenstoffe: "So enthalten viele rote Obst- und Gemüsesorten ebenfalls Polyphenole, deren Wirkung von entzündungshemmend bis krebsvorbeugend reichen - ohne dass Alkohol mit im Spiel ist."

Über 70 Pflanzenarten enthalten zum Beispiel das als Anti-Aging-Substanz viel gelobte Resveratrol. Daher empfiehlt TK-Ernährungsexpertin Wagner-Rauh: "Auch wenn hauptsächlich in Rotwein Resveratrol in größeren Mengen vorkommt, sind auch roter Traubensaft und verschiedene andere pflanzliche Lebensmittel wie Himbeeren oder Pflaumen gute Resveratrol-Quellen."