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Was vor einigen Jahren noch für staunende Blicke sorgte, ist inzwischen ein gängiger Körperschmuck: gedehnte oder gepunchte Ohrlöcher. Bei dieser Form der Bodymodification werden die durchstochenen Ohrläppchen durch Dehnstäbe oder Plugs soweit gedehnt, bis sie durch den eigentlichen Ohrschmuck, sogenannte Tunnel, ersetzt werden können, die eine Öffnung freilassen. 

Woher kommt dieser Trend?

Wie die meisten Körperschmucktrends haben auch gedehnte Ohrlöcher eine weitreichende Tradition. Wenn auch nicht in unserer westlichen Kultur, so ist diese Form des Körperschmucks bei einigen afrikanischen, südamerikanischen und asiatischen Volksstämmen tief verwurzelt. Körpermodifikationen wie geweitete Ohrläppchen, geweitete Nasenflügel oder Unterlippen, sogenannte "Tellerlippen", sind in diesen Kulturen nicht nur Statussymbole, sondern oft auch Teil von stammeseigenen Initiationsriten.

Hierzulande werden Flesh Tunnel meist im Ohrläppchen getragen, da dieses relativ einfach gedehnt werden kann. Generell ist der Einsatz aber auch an anderen Körperstellen möglich, die vorwiegend aus Haut, Fett und Bindegewebe bestehen – wie beispielsweise im Intimbereich.

Wie entsteht ein Flesh Tunnel?

Bevor das Ohrläppchen gedehnt werden kann, braucht es zunächst einmal ein Ohrloch. Wir empfehlen, dies nicht beim Juwelier schießen zu lassen, sondern dafür in ein professionelles Piercingstudio zu gehen, in dem höchster Wert auf Hygiene gelegt wird. Außerdem wird nicht nur der Stichkanal behutsamer gestochen, sondern auch der mehrere Wochen dauernde Dehnprozess begleitet.

Wenn der Stichkanal komplett ausgeheilt ist, kann das Ohrloch mithilfe eines Dehnungsstabes oder einer "Dehnungsschnecke" schrittweise gepuncht werden. Das geht an dieser Stelle relativ gut, dennoch braucht es für einen Tunnel ein bisschen Geduld: In der Regel wird der Dehnstab, der sogenannte "Plug", alle vier Wochen durch einen ein Millimeter dickeren Plug ersetzt. Wenn langsam und schrittweise geweitet wird, lassen sich nicht nur Schmerzen und Verletzungen, sondern auch vernarbtes Gewebe vermeiden.

Welcher Schmuck eignet sich für den Anfang?

Nach einigen Millimetern der Dehnung kann der Plug durch ein Eyelet oder einen Tunnel ersetzt werden. Der Unterschied zwischen den Accessoires ist, dass Plugs in der Mitte nicht hohl sind. Eyelets und Tunnel bilden in der Mitte einen offenen Kanal und sind dadurch leichter und schonender für das gedehnte Ohrläppchen. Eyelets und Tunnel haben einen mal dünneren, mal dickeren Rand, was den Vorteil hat, dass sie fest im Ohrloch fixiert sind, und die Haut mehr Ruhe zum Heilen hat.

Was das Material betrifft, gibt es die Accessoires beispielsweise aus Horn, Holz, Silikon, Titan oder Edelstahl. Für was man sich entscheidet, ist einerseits Geschmackssache, andererseits eine Frage des Gewichts und der Hygiene. Materialien mit glatter Oberfläche, wie Stahl oder Titan, eignen sich aus hygienischen Gründen am besten für den Anfang, weil Keime da nicht so leichtes Spiel haben. Acryl, Holz oder Horn sind rauer und deshalb anfälliger für Ablagerungen.

Wie pflegt man ein gedehntes Ohrloch am besten?

Vor allem während der Dehnungsphase, wenn die Haut durch die Spannung gereizt ist, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Die Haut rund um den Dehnstab sollte etwa zweimal täglich mit einem mit Wasser befeuchteten Wattestäbchen sauber getupft werden – solange, bis getrocknete Sekrete und Talkablagerungen aufgeweicht sind und sich leicht entfernen lassen. Danach empfiehlt es sich, mit einem antibakteriellen Spray und durch vorsichtiges Bewegen des Plugs den Wundkanal und den Schmuck zu desinfizieren.

Wenn das Ohrläppchen geheilt ist, muss es weiterhin geschmeidig gehalten werden, denn trockene, gespannte Haut neigt zu kleinen Rissen und ist darum anfälliger für Keime und Vernarbung. Dazu eignet sich am besten eine leicht antibakterielle Wundsalbe.

Auch der Ohrschmuck an sich muss nach dem Abheilen regelmäßig gereinigt werden, um kein Keimfänger zu sein. Das geht am besten unter lauwarmem Wasser oder, wenn es das Material erlaubt, mit einer antibakteriellen Lösung. Am besten lässt man sich beim Kauf des Ohrschmucks beraten, welche Pflege das bevorzugte Material erfordert.

Zu welchen Komplikationen kann es beim Punchen kommen?

Besonders während der Dehnungsphase ist die Haut anfällig für Infektionen. Darum ist es in dieser Zeit besonders wichtig, auf die richtige Pflege und Hygiene zu achten und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen, wenn eine Entzündung länger anhält oder sich verschlechtert.

Ist der Dehnungsprozess fortgeschritten, kann es an den Außenrändern, wo die Haut sehr dünn wird, zu lokalen Durchblutungsstörungen kommen. Auch kann das Ohrläppchen beim Dehnen reißen. Das Risiko besteht vor allem dann, wenn der Stichkanal nicht mittig gesetzt wurde und die Haut dadurch an einer Stelle überlastet wird. Wenn es zu Komplikationen kommt, sollte man umgehend zum Arzt gehen.

Wächst ein Flesh Tunnel wieder zu?

Nur gedehnte Ohrlöcher bis zu einer Größe von etwa einem Zentimeter können sich wieder zusammenziehen. Am schonendsten geht das, wenn das geweitete Ohrläppchen wieder schrittweise, mit immer kleiner werdenden Plugs, zurückgebildet wird. Im Idealfall wird das Loch so wieder ganz klein - bleiben wird es jedoch immer.

Wenn sich während des Dehnungsprozesses oder durch Entzündungen Narben oder Verhärtungen gebildet haben, kann es sein, dass sich die gedehnte Öffnung nicht mehr gleichmäßig zusammenzieht. Ein solches vernarbtes oder ein größeres Ohrloch kann nur durch einen chirurgischen Eingriff wieder geschlossen werden.