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Schöne Musik, Kinderlachen oder Durchsagen am Bahnhof - gehörlosen Menschen bleibt das alles verborgen. Damit sie wieder hören können, gibt es die elektronische Hörprothese. Sie kann die Funktion des ausgefallenen Innenohrs übernehmen.

"Die Versorgung mit einer elektronischen Hörprothese kommt infrage, wenn mit der Hörprothese ein besseres Sprachverständnis als mit Hörgeräten zu erwarten ist", sagt Dr. Klaus Domdey vom TK-Ärztezentrum und ergänzt: "Grundvoraussetzung ist aber, dass der Hörnerv noch gesund ist."

Das Hörimplantat ist ein kleiner Mini-Computer am Ohr, der dort einsetzt, wo die Hörschnecke nicht übersetzen kann oder diese Fähigkeit verloren hat.

Was ist die Hörschnecke?

Weil das Innenohr an die Form eines Schneckenhauses erinnert, trägt es den Namen Hörschnecke. Das Innenohr übersetzt Schallwellen in elektrische Impulse. Nervenenden im Innenohr nehmen diese Impulse auf und leiten sie an das Gehirn weiter. So hören wir die Geräusche und Sprache unserer Umgebung.

So funktioniert das Implantat

Das Implantat wandelt die Töne in elektrische Signale um und stimuliert damit direkt den Hörnerv. So übergeht das technische Wunderwerk das geschädigte Innenohr und macht das Hören wieder möglich.

Die elektronische Hörprothese besteht aus zwei Teilen: Das Implantat mit der Elektrode wird operativ unter Vollnarkose in das Innenohr eingesetzt. Mikrofon, Sendespule und Sprachprozessor tragen Betroffene wie ein Hörgerät am Ohr.

Hören will gelernt sein

Dann beginnt die eigentliche Arbeit: Kinder und Erwachsene, die nie ein Geräusch gehört haben, oder deren Gehirn vergessen hat, was Geräusche bedeuten, müssen das Hören neu erlernen. Das ist wie bei einer Fremdsprache: Sie hören Wörter und Sätze, kennen aber ihre Bedeutung nicht.

Es ist hilfreich, sich mit Erwachsenen und Kindern auszutauschen, die bereits mit einer elektronischen Hörprothese hören.

Ein Audiologe passt nach der Operation den Sprachprozessor an: Das Implantat wird so eingestellt, dass Betroffene einzelne Geräusche gut erkennen und möglichst viele Töne wahrnehmen. Er prüft auch das Implantat regelmäßig und verfeinert die Einstellung.

Eine elektronische Hörprothese erhalten

Entscheidend für den Erfolg der Behandlung sind die Erfahrungen der Chirurgen und die Zusammenarbeit mit geschulten Therapeuten.

"Wichtig ist, dass gehörlos geborene Kinder frühzeitig, am besten vor Vollendung des ersten Lebensjahres, ein Implantat erhalten", sagt Dr. Domdey. "Je früher die Operation vorgenommen wird, desto besser entwickelt sich bei den Kindern Sprache und Sprachverständnis", weiß der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Der Grund: In den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Hör- und Sprachzentrum im Gehirn. Hört ein Kind in dieser Phase, bildet sich das Hör- und Sprachzentrum vollständig aus.

Studien belegen

Eine Studie der John Hopkins Universität in Baltimore, USA, bestätigt dies: Kinder, die vor dem 18. Lebensmonat eine elektronische Hörprothese erhielten, hatten eine gute Sprachentwicklung und ein sehr gutes Sprachverständnis. Dem gegenüber zeigt die Studie, dass eine späte Implantat-Operation die Sprachleistung der Kinder sogar negativ beeinflussen kann.

Unser Versorgungsangebot im Detail

Bundesweit kommen rund eine Million Menschen aufgrund ihrer ausgeprägten Hörminderung für ein CI in Frage. Bei gehörlosen Neugeborenen ist es besonders wichtig, dass die Versorgung in den ersten Lebensmonaten geschieht, damit das kurze Zeitfenster der so genannten Hörbahnreifung genutzt wird. Dann haben diese Kinder die Chance, ganz normal hören und damit auch sprechen zu lernen und in der Folge die Regelschule zu besuchen und zu studieren.

Das CI besteht aus zwei Teilen: Der Elektrode in der Gehörschnecke und dem Sprachprozessor hinter dem Ohr, der über eine magnetisch befestigte Spule die Informationen zum Implantat überträgt. In einer rund zwei- bis dreistündigen Operation setzen die Spezialisten der MHH die Elektrode in die Hörschnecke ein. Anschließend überprüfen sie direkt im OP deren Funktion und Lage in der Cochlea per DVT. An der MHH ist diese Implantation trotz aller Komplexität mittlerweile ein Standardverfahren und wird mit so viel Kenntnis ausgeführt, dass die Strukturen der Hörschnecke geschützt werden - somit bleibt sogar das Restgehör erhalten. „Voraussetzung ist natürlich, dass der HNO-Chirurg große Erfahrung bei der Implantation und ein qualifiziertes Team aus Ingenieuren und Pädagogen um sich aufgebaut hat“, erklärt HNO-Klinikdirektor Prof. Prof. h.c. Dr. Thomas Lenarz.

Etwa fünf Wochen nach der Operation wird der nach der OP bereits direkt angelegte Sprachprozessor eine Woche lang trainiert, und das Hör-Sprachtraining beginnt. Die tägliche Anpassung und das Hörtraining erfolgen im Deutschen HörZentrum Hannover (DHZ) durch einen Ingenieur und Therapeuten. Die Einstellung des Sprachprozessors wird täglich korrigiert für bestmögliches Hör- und Klangbild.

Obwohl die klinische Routine erreicht ist, bleibt es eine Spezialchirurgie. Die-CI Versorgung gelingt für den Patienten daher nur sinnvoll, wenn ein hohes Maß an täglicher Routine sowohl in der Implantation als auch in der technischen Anpassung vorliegt. Die jährlich 500 neuen Patienten an der MHH (von ca. 3000 deutschlandweit) profitieren auch nach der Implantation von der wachsenden Expertise im DHZ.

Angebot in Niedersachsen

Das Deutsche HörZentrum Hannover

Die HNO-Klinik mit dem Deutschen HörZentrum Hannover (DHZ) der MHH ist international bekannt für das weltweit größte Cochlea-Implantat-Programm. In einer Pionierleistung wurde 1984 hier die erste CI-OP durchgeführt. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Hörgeräteversorgung und deren Weiterentwicklung, der Früherfassung kindlicher Schwerhörigkeit, der Diagnostik und Behandlung von Innenohrschwerhörigkeiten einschließlich Tinnitus. Maßgebend ist die eng verzahnte Zusammenarbeit zwischen HNO-Klinik, DHZ, Akustikern, Produktherstellern und Wissenschaftlern bis zur Entwicklung neuer Medizinprodukte.

Link zur Einrichtung

Kontakt

Deutsches HörZentrum Hannover
der HNO-Klinik an der MHH
Karl-Wiechert-Allee 3
30625 Hannover

Tel. 05 11 - 53 26-603
Fax 05 11 - 53 26-833

E-Mail: info@hoerzentrum-hannover.de