Frau hängt in den Ringen
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Tracken, messen, analysieren: Fitness-Apps versprechen maximale Trainingserfolge. Doch nicht die Technik formt den Körper, sondern Schweiß, Muskelkraft und Wille. Höchste Zeit, Smartphone & Co. auch mal auszuschalten, um zu sehen, wie sich der Körper einschaltet.

Maximale Leistung für maximalen Trainingserfolg - nach diesem Motto wird der eigene Körper gepusht und geformt. Immer härter, immer häufiger. Fitness-Apps sind dabei zum scheinbar unverzichtbaren Helfer geworden: Sie tracken Puls und Nierenwerte, messen die Herzfrequenz, analysieren Fett, Muskeln und Gewicht. Smart programmierte Algorithmen zeigen, wie der Körper weiter optimiert werden kann. Für mehr Kraft, Kondition und Koordination. Die Technik weiß, was der Körper kann und braucht - und wann es zu viel wird.

Doch ist das wirklich so? Kein Computer kennt den eigenen Körper so gut, wie der eigene Körper. Denn der Körper weiß am besten, wann es ihm zu viel ist und sendet eindeutige Signale. Hier eine kleine Zeichenkunde:

Wenn es krampfig wird

600 bis 650 Muskeln sorgen im Körper für Höchstleistungen - perfekt aufeinander abgestimmt. Wenn einer aus der Reihe tanzt und schmerzhaft krampft, ist das ein eindeutiges Alarmsignal. Wahrscheinlich fehlen dem Körper jetzt Elektrolyte - und damit Minerale wie Natrium, Calcium und Magnesium.

Wer beim Sport schwitzt, verliert Salz. Wer dabei zu wenig trinkt, bekommt die Rechnung mit dem Muskelkrampf. Der Körper braucht nun viel Flüssigkeit. Am besten Fitness-Drinks, Apfelschorle oder Mineralwasser, die den Elektrolyte-Haushalt wieder auffüllen. Gefahr erkannt, Magnesium-Mangel gebannt – ganz ohne Fitness-App.

Fünf Tipps für mehr Achtsamkeit

Auf Körpersignale achten und zwischen Alltag und Training immer mal wieder innehalten. So geht`s:

  1. Bewusst essen: Eine Mahlzeit am Tag gezielt genießen - riechen, schmecken und langsam kauen.
  2. Bewusst gehen: Tempo rausnehmen. Jeden Schritt abrollen und die Erde unter den Füßen spüren.
  3. Bewusst liegen: Körper auf den Boden legen und fühlen, wie das eigene Gewicht auf den Boden drückt.
  4. Bewusst atmen: Ruhig sitzen oder liegen – und den Atem beobachten. Bis er ruhig und gleichmäßig ist.
  5. Bewusst sehen: Innehalten, die Umgebung auf sich wirken lassen und neue, schöne Details entdecken.

Wenn jeder Muskel schmerzt

Training bis an die Leistungsgrenze - da ist Muskelkater quasi vorprogrammiert. Kleine Risse im Gewebe sorgen dafür, dass man sein Workout zwölf bis 48 Stunden später regelrecht in jeder Faser spürt. Der Muskel schmerzt und brennt - ein Zeichen dafür, dass er überlastet wurde.

Die gute Nachricht: Dieser Schmerz legt sich nach einem bis drei Tagen wieder. Vorausgesetzt, der Körper hat die Chance zu regenerieren. Wärme und spezielle Salben helfen ihm dabei. Dabei gilt: Die betroffenen Muskelpartien so lange nicht trainieren, bis man sie wieder schmerzfrei bewegen kann.

Übung: Selftracking ohne Technik

Den eigenen Körper kennenzulernen, ist gar nicht schwer - einfach mal ausprobieren. Zum Beispiel beim Laufen: Statt ständig auf die Pulsuhr zu schauen, auf den eigenen Atem achten. Wird der zu schnell, Tempo runterfahren. Und schon ist der Puls wieder im grünen Bereich - ganz ohne digitale Überwachung.

Wenn die Laune sinkt

Fitness-Apps sind wahre Profis, wenn es um Krafttraining in hochintensiven Intervallen geht – Pläne zu Wiederholungen, Schwierigkeitsgrad und Dauer inklusive. Was die Technik allerdings nicht erkennt: Die Symptome, wann es dem Körper zu viel wird.

Die Folgen bekommt die Umwelt zu spüren: Wer beim Kraftsport sein sympathisches Nervensystem überfordert, reagiert nervös, reizbar und rastlos. Konzentration: Fehlanzeige. Dafür sorgt der Sympathikus. Er ist für Muskulatur, Blutkreislauf sowie Stoffwechsel zuständig - und tritt bei Überbelastung in den Streik. Die Lösung: Pausieren. Durchatmen. Und behutsam mit sich selbst umgehen. Dann steigt auch die gute Laune wieder.

Wenn der innere Schweinehund jault

Die App denkt sich: "Oh, mein Besitzer hat schon seit fünf Tagen kein Workout mehr gemacht, da freut er sich jetzt bestimmt über eine Push-Erinnerung." Der Körper denkt: "Ich habe einen 10 Stunden Tag in den Beinen - nerv mich nicht."  Fitness-Apps mutieren immer mehr zu wahren Drill-Sergeants  im Kampf gegen den inneren Schweinehund. Doch keine Lust zu haben, kann mehr als nur ein Motivationstief sein.

Wenn der Körper sich verweigert, signalisiert er damit auch: Es ist zu viel. Ein Hilferuf nach Ruhe und Entspannung. Auf dieses Zeichen sollte man unbedingt hören. Wer dem Körper jetzt eine Pause gönnt, verhindert Überlastung.

Wenn die Hormone verrückt spielen

Fitness-Apps als Fettkiller: Mit gezielten Ausdauerübungen rücken sie gemütlichen Pölsterchen auf die Pelle. Solange der Körper mitspielt. Zuviel Training kann jedoch seinen Hormonhaushalt durcheinander bringen: Er produziert zu wenig Testosteron (das für starke Muskeln und Knochen sorgt) und zu viel Cortisol - besser bekannt als Stresshormon. Die Folge: Kalorien landen nicht in den Muskeln, sondern in den Fettdepots.

Dazu kommt eine unendliche Müdigkeit. Wer sich schlapp und kaputt fühlt wie bei einer Erkältung - ohne dass die Nase läuft - sollte schleunigst Trainingsumfang oder -intensität reduzieren.

Fazit: Viel hilft viel  - das gilt weder beim Workout noch bei der Fitness-App. Am Ende entscheidet der eigene Körper, was er leisten kann und will. Wer noch schöner, stärker, schneller, fitter und gesünder werden möchte, sollte ihm gut zuhören – auch mal ohne Smartphone, Fitness-Tracker und Algorithmen.