Zum Auftreten von Asthmaerkrankungen gibt es neue Forschungsergebnisse: Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) führte eine bundesweit angelegte Studie durch. Dabei wurden die Abrechnungsdaten aller gesetzlich Krankenversicherten berücksichtigt, die in den Jahren 2009 bis 2016 mindestens einmal eine vertragsärztliche Leistung in Anspruch genommen haben. Pro Jahr wurden rund 70 Millionen Versicherte berücksichtigt, etwa 4 Millionen (etwa sechs Prozent) von ihnen waren von Asthma betroffen.

Deutliche Zunahme bei Erwachsenen

In dem achtjährigen Untersuchungszeitraum blieb die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen Asthma versorgt wurden, weitgehend konstant. Bei den Erwachsenen hingegen stieg der Anteil von Betroffenen mit Asthma um 35 Prozent sehr deutlich an. Ein Grund für dieses überraschende Ergebnis liegt möglicherweise im Anstieg der Lebenserwartung von Personen mit Asthma.

Neuerkrankungsrate: Bei Kindern und Jugendlichen höher

Insgesamt sind deutlich mehr Erwachsene als Kinder und Jugendliche von Asthma betroffen. Allerdings sieht das bei den Neuerkrankungen anders aus: Über alle Altersgruppen hinweg wird geschätzt, dass in Deutschland pro Jahr ungefähr sechs von 1000 Personen neu an Asthma erkranken. Diese sogenannte Neuerkrankungsrate (auch Inzidenz genannt) ist - prozentual gesehen - bei Kindern und Jugendlichen höher als bei Erwachsenen.

Starke regionale Schwankungen

Die Studie zeigte große Unterschiede in der regionalen Verteilung der Asthma-Häufigkeit innerhalb Deutschlands: Im Nordwesten und Westen Deutschlands wurde die Diagnose rund 16 Prozent häufiger gestellt als im Osten und Süden. Besonders oft waren Menschen mit Asthma unter anderem in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen vertreten. Deutlich seltener wurde Asthma in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern behandelt. Im Gegensatz zu früheren Studien konnte kein prinzipieller Unterschied in der Asthma-Häufigkeit zwischen Stadt und Land beobachtet werden. Nur in den kreisfreien Großstädten wie Hamburg oder Berlin lag der Anteil der gesetzlich Versicherten, die wegen Asthma behandelt wurden, rund 25 Prozent höher als in dünn besiedelten ländlichen Gebieten.

Wo liegen die Ursachen?

Die regionalen Unterschiede bei der beobachteten Asthma-Häufigkeit in Deutschland lassen sich nicht pauschal nach dem altbekannten Muster erklären, dass in Städten aufgrund schlechterer Luft ein erhöhtes Asthma-Risiko besteht. Die genauen Ursachen für die ungleichmäßige Verteilung können aus den vorliegenden Daten nicht herausgelesen werden. Hinzu kommt, dass die auslösenden Faktoren für das Auftreten von Asthma vielschichtig und noch nicht abschließend geklärt sind. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen.