Vielen Ärzten fällt es schwer, einzuschätzen, ob ein Mensch dauerhaft unter chronischem Asthma leidet oder ob die Krankheit in den nächsten Jahren abklingen wird. Die Beschwerden sind vielfältig und werden meist vom Hausarzt beurteilt. Dem fehlt es allerdings oftmals an der nötigen Spezial-Ausrüstung, zum Beispiel für Allergietests oder genaue Untersuchungen der Lunge. Ein möglicher Anhaltspunkt, ob das Asthma nach wie vor besteht, könnte die Frequenz und Regelmäßigkeit sein, mit der Asthma-Patienten ihre Medikamente benötigen, sprich wie oft ein neues Rezept angefordert wird.

Studienergebnis: Jeder Dritte nach fünf Jahren asthmafrei

Eine im US-amerikanischen Fachmagazin "Journal of the American Medical Association" veröffentlichte Studie hat nun festgestellt, dass jeder dritte Teilnehmer fünf Jahre nach Diagnose keine Beschwerden mehr hatte und auch keine Medikamente mehr brauchte. Die Forscher um Shawn Aaron vom Forschungsinstitut der Universitätsklinik in Ottawa fordern aufgrund ihrer Ergebnisse dazu auf, die Diagnose "chronisch" immer wieder kritisch zu hinterfragen - das gelte für Ärzte und Patienten.

Menschen mit Asthma wenden meist dauerhaft Medikamente zur Inhalation mit Kortison und bronchienerweiternden Wirkstoffen an. Zwar empfehlen die Vorgaben zur Behandlung, die sogenannten Leitlinien, dass die Dosis der Medikamente unter ärztlicher Aufsicht langsam und Stück für Stück abgesenkt werden kann, wenn es Menschen mit Asthma besser geht. Diese Empfehlung wird jedoch nicht immer eingehalten.

Viele Fehldiagnosen

Für die Studie wählte das Forscher-Team 701 Erwachsene aus, bei denen der Hausarzt in den letzten fünf Jahren die Diagnose Asthma gestellt hatte. Die Teilnehmer wurden zu einer eingehenden Untersuchung mit ausführlichen Gesprächen und umfassenden Lungenfunktionstests eingeladen. Begleitend dazu reduzierten die Patienten über zwei bis drei Wochen die Dosis ihrer Medikamente, aber nur wenn die Testergebnisse andeuteten, dass das möglich war.

Andere Erkrankungen selten der Grund

Bei 203 von 613 Studienteilnehmern stellte sich heraus, dass sie kein Asthma (mehr) hatten. Bei zwei Prozent der Teilnehmer wurden andere schwere Krankheiten als Grund für die Atembeschwerden gefunden, zum Beispiel Herzkrankheiten oder Lungenhochdruck. 

Auch bei einer Folgeuntersuchung nach einem Jahr war ein Drittel der Studienteilnehmer weiterhin asthmafrei. Möglicherweise habe sich die Krankheit dieser Patienten spontan verbessert oder sie hatten gar kein Asthma, mutmaßen die Forscher. Daher gehen sie von einer großen Zahl an Fehldiagnosen aus.