Schwimmen zählt in allen Altersgruppen zu den beliebtesten Sportarten: Es macht Spaß, entlastet die Gelenke und ermöglicht dadurch ein schmerzfreies Ausdauertraining für Herz und Lunge. Von einem Besuch im Schwimmbad profitieren deshalb der gesamte Organismus und - wie immer bei Sport - auch die Psyche. Allerdings sind viele Patienten mit Asthma verunsichert, ob diese Vorteile auch für sie zutreffen.  

Lesen Sie genau: Bei Chlor entscheidet die Dosierung

Gerade mit Asthma ist das Schwimmen in warmem Wasser und pollenfreier Umgebung eines Hallenbades für die Bronchien entspannend. Durch den Wasserdruck auf Ihren Brustkorb trainiert das Einatmen die Atemmuskulatur und zugleich wird das bei Asthma problematische Ausatmen erleichtert. Aber das zur Desinfektion von Hallen- und Freibädern zugesetzte Chlor stellt diesen positiven Nutzen in Frage. Laut Medienberichten zeigen Studien, dass die Entwicklung allergischer Erkrankungen durch Chlor gefördert wird, da es das schützende Epithelgewebe in den Atemwegen angreifen kann. Diese Berichte sind verunsichernd, aber bei genauem Hinsehen ist die Sorge nicht berechtigt. Denn ob Chlor gefährlich oder sogar schützend ist, hängt von folgenden Faktoren ab: 

Im Schwimmbad schützt Chlor vor Krankheitserregern, zugleich entstehen in einer chemischen Reaktion aber auch unerwünschte Nebenprodukte wie Trichloramin, die Sie im Schwimmbad als typischen Chlorgeruch wahrnehmen. Die höchste Konzentration dieser Substanzen befindet sich knapp über der Wasseroberfläche und kann zu Reizungen der Haut, der Augen und der Schleimhäute in den Atemwegen führen. Entscheidend dabei ist aber, in welcher Dosierung das Wasser chloriert wurde und wie oft und wie lange man sich im Schwimmbad aufhält. Bisherige Studien beziehen sich nämlich vor allem auf Leistungsschwimmer und Angestellte von Hallenbädern, die diesen Substanzen in der Luft sehr lange ausgesetzt sind, oder auf sehr kleine Kinder beim Babyschwimmen. 

Entwarnung für Kinder mit Asthma 

Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben acht aussagekräftige Studien analysiert, die 5 bis 18 jährige Kinder mit gut kontrolliertem Asthma untersucht hatten. Die Teilnehmer gingen sechs und zwölf Wochen lang mehrmals in der Woche Schwimmen, was keinerlei negative Auswirkungen auf das Asthma hatte. Dagegen zeigte sich aber in allen Studien ein positiver Effekt: Die Kinder waren insgesamt fitter und die Lungenfunktion hatte sich deutlich verbessert. Gut und sicher Schwimmen zu können ist außerdem laut Kinderärzten für alle Kinder ein wichtiger Schutz vor Ertrinken. 

Infos & Tipps zu Ihrer Sicherheit

Ein gewisses Maß an Chlor ist für Sie nicht gefährlich, sondern ein optimaler Schutz vor Krankheitserregern, die ohne Chlor auch die Lunge angreifen könnten. Zu viel Chlor führt aber zu gesundheitlichen Problemen, deshalb sind in Deutschland die erlaubten Konzentrationen klar geregelt und das gibt Ihnen als Asthmapatienten die Sicherheit, dass Schwimmen gesund ist. Dreimal täglich müssen öffentliche Bäder die Konzentration von freiem und gebundenem Chlor messen und in ein Betriebsbuch eintragen. Neun von zehn geprüften Schwimmbädern halten sich übrigens an die von der WHO empfohlenen Grenzwerte. Die gemessene Konzentration von Trichloramin liegt also bei den meisten öffentlichen Schwimmbädern unterhalb des Grenzwertes von 0,5 Milligramm pro Kubikmeter Luft. 

Wenn aber ein Schwimmbad - oder auch nur der Kinderpool - trotzdem stark "nach Schwimmbad" riecht, ist Vorsicht geboten. Der Grund dafür kann eine schlechte Wasserqualität sein oder, dass die Schwimmhalle schlecht belüftet ist. In diesem Fall sollten Sie sich ein anderes Schwimmbad aussuchen oder im Sommer bevorzugt ins Freibad gehen. Hier ist die Konzentration von Trichloramin in der Luft natürlich sehr viel geringer als im Hallenbad.  

Wichtig zu wissen: Wenn Sie in Sorge sind, sollten Sie Ihren Lungenfacharzt um grünes Licht für den Besuch im Schwimmbad bitten. Meist spricht nur etwas dagegen, wenn Ihr Asthma gerade nicht optimal kontrolliert ist, und dann ist ein Termin beim Arzt ohnehin sinnvoll.