Ob durch Homeoffice, Homeschooling oder Quarantäne - die Belastungen der Corona-Pandemie verursachen bei den meisten Menschen psychischen Stress, der das Immunsystem schwächen und sich bei chronischen Erkrankungen negativ auf den Verlauf auswirken kann. Umso wichtiger ist es deshalb für Menschen mit einer Grunderkrankung wie Asthma, COPD, Diabetes, Krebs oder KHK, rechtzeitig pandemiebedingte Belastungen auszugleichen und mit folgenden 4 Maßnahmen der "Seelenhygiene" gegenzusteuern: 

1. Wiederkehrende Abläufe wirken antidepressiv 

Eine gute und klare Struktur hilft, den Alltag leichter zu bewältigen und beugt nachweislich Depressionen vor. Planen Sie deshalb den Tagesablauf auch während der Pandemie so, dass möglichst zur gleichen Uhrzeit gearbeitet wird, das Essen auf den Tisch kommt und der Feierabend beginnt. Wägen Sie bewusst ab, welche Aktivitäten Sie froh machen und für körperliches Wohlbefinden sorgen. Ein täglicher Spaziergang nach dem Abendessen oder eine Sporteinheit helfen Ihnen, Spannungen und Stress abzubauen. 

2. Sinnvolle Tätigkeiten stärken die psychische Widerstandskraft 

Nach dem Konzept der Salutogenese haben alle Aktivitäten ein stabilisierendes Potenzial, die Sie selbst als sinnhaft erleben. Das kann das 'Ausmisten' eines Schrankes sein oder ein neuer Anstrich des Balkons, aber auch der Anruf bei einem einsamen Menschen, ein Hobby oder das Erlernen einer Sprache. Nehmen Sie sich etwas Zeit und überlegen Sie, welche Tätigkeiten für Sie persönlich Sinn ergeben und planen Sie dafür regelmäßig Zeit ein.

3. Pflegen Sie eine gute Kommunikation

Nutzen Sie, trotz Einschränkungen im direkten Kontakt, die heute verfügbaren Medien, um sich immer wieder mit anderen Menschen auszutauschen. Halten Sie dadurch zu Freunden und Familie den Kontakt aufrecht, auch wenn Sie aus Sorge vor einer Infektion persönliche Begegnungen möglichst vermeiden. Kommunikation mit Anderen hilft Ihnen dabei, ein Stück Normalität zu bewahren und unterstützt Sie auch emotional. Wenn Sie mit Angehörigen zusammenleben und zum Beispiel in Quarantäne gehen müssen, sollten Sie in dieser Zeit jede Eskalation vermeiden. Sprechen Sie Probleme an, aber immer im Sinne der gewaltfreien Kommunikation und richten Sie Ihren Blick auf die Vorteile, beispielsweise dass Sie in dieser Situation nicht alleine sind. 

4. Ängste bewusst und aktiv reduzieren

Konkretes Wissen über das Virus, mögliche Risiken und hilfreiche Schutzmaßnahmen helfen Ihnen dabei, beängstigenden Phantasien und zunehmenden Sorgen mit Vernunft zu begegnen. Achten Sie aber darauf, wie oft Sie am Tag Nachrichten abrufen und wie verlässlich die jeweilige Quelle ist. Sowohl ein Zuviel an Nachrichten, als auch "Fake-News" oder Verschwörungstheorien begünstigen Angst und Verunsicherung. Nehmen Angstzustände oder Katastrophendenken stark zu, sollten Sie sich professionelle Hilfe durch einen ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten suchen.

Wichtig zu wissen: Bundesweite und lokale Institutionen bieten Notfallnummern an, bei denen Sie kostenfrei beraten werden und Hilfe bekommen, wenn psychische Probleme auftreten oder Sie sich durch körperliche oder seelische Gewalt bedroht fühlen. Auf folgender Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Sie Notfallnummern sowie geprüfte Informationen zum Verhalten chronisch Erkrankter während der Pandemie

Achtung Suchtfalle 

Alkohol hat im Laufe der Corona-Pandemie für viele Menschen eine problematische Ersatzfunktion bekommen, um Spannungen zu lösen oder sich "etwas zu gönnen". Erst waren es Quarantäne-Cocktails, die im Videochat mit Freunden getrunken wurden, dann kam im Sommer der Wein auf dem Balkon oder das Bier im Park hinzu und mit den kälteren Temperaturen der Glühpunsch. Die fehlende soziale Kontrolle im 'Physical distancing' hat sich laut Experten zunehmend auch auf den Alkoholkonsum ausgewirkt.

Eine repräsentative Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim und des Universitätsklinikums Nürnberg konnten dies nun mit Zahlen belegen: 37 Prozent der Befragten gaben an, während des ersten Lockdowns im April mehr getrunken zu haben als vorher. Nach dem Global Drug Survey trank weltweit jeder dritte Befragte deutlich mehr Alkohol als vor der Pandemie. 

Fazit: Menschen mit einer chronischen Erkrankung sollten im Umgang mit Alkohol besonders vorsichtig sein, zum Beispiel um Wechselwirkungen mit Medikamenten und Stürze zu vermeiden. Damit Betroffene psychisch stabil bleiben, raten Experten dazu, Ängste zu thematisieren und unter Wahrung der Corona-Regeln regelmäßig das Gespräch mit Freunden und Angehörigen zu suchen.