Ferien auf dem Bauernhof reichen im Erwachsenenalter nicht aus, um den Schutz von Kindern nachzuholen, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind. Wer bereits an Asthma erkrankt ist, wird lernen müssen mit der Krankheit möglichst gut zu leben. Dabei spielt offenbar die Darmflora eine wichtige Rolle. Das Münchner Forschungsinstitut fand jetzt in einer fortlaufenden Studie (PASTURE) heraus, warum die Reifung der Immunzellen im Darm durch den Kontakt mit unterschiedlichen Antigenen den körpereigenen Schutz vor Asthma und Allergien erhöht. Dieses Wissen kann offenbar auch Erwachsenen zugute kommen. 

Die PASTURE-Studie 

Asthma und Allergien treten seltener bei Kindern auf, die sich oft in Kuhställen aufhalten und nach dem Abstillen regelmäßig frische Kuhmilch getrunken hatten. Münchner Forschende fanden jetzt Hinweise in der PASTURE-Studie (Protection against Allergy - Study in Rural Environments), warum das so ist. Sie untersuchen dabei Schwangere und nach der Geburt ihre Kinder, die jeweils aus ländlichen Regionen Europas stammen. 

Das Ergebnis: Die Zusammensetzung der Darmbakterien - die "Darmflora" - beeinflusst das Immunsystem auf vielfältige Weise. Offenbar spielen dabei kurzkettige Fettsäuren eine entscheidende Rolle. Sie kurbeln die Produktion von Abwehrzellen an, die eine übermäßige Aktivierung des Immunsystems herunter regulieren und so allergische Reaktionen vermeiden. Je gesünder und ausgereifter die Darmflora der Kinder war, desto höher war der Anteil an kurzkettigen Fettsäuren und desto stärker waren sie vor Asthma geschützt. 

Fazit: Um Schutzfaktoren gegen Allergien und Infektionen zu bilden, ist von Anfang an eine intakte, gesunde Darmflora wichtig. Die Ergebnisse und auch andere Studien deuten darauf hin, dass Störungen der Darmflora Krankheiten wie Asthma und Allergien begünstigen. 

Gesundheit beginnt im Darm 

Der Darm hat die Aufgabe, mit Hilfe der Darmflora wichtige Nährstoffe aufzunehmen, Vitamine zu produzieren und schädliche Bakterien abzuwehren. Dies gelingt nur, wenn im Darm möglichst viele nützliche Darmbakterien angesiedelt sind. Überwiegen schädliche Bakterien oder nimmt die Vielfalt im Darm ab, schwächt dies die Abwehrkraft und erhöht nach neuesten Erkenntnissen offenbar auch die Neigung zu verschiedenen Erkrankungen, wie Allergien, Autoimmunerkrankungen und Depressionen. Insofern ist es nicht nur im Kindesalter wichtig, die Darmflora zu stärken, sondern auch Erwachsene profitieren davon.

Wichtig zu wissen: Um das Gleichgewicht im Darm und damit das Immunsystem zu stabilisieren, ist eine ausgewogene, möglichst naturbelassene Ernährung entscheidend. Dazu gehört es auch, Schadstoffe und Toxine zu meiden. Der Verzicht auf Nikotin und ein risikoarmer Konsum von Alkohol zählen mit zu den wichtigsten Maßnahmen für einen gesunden Darm und ein starkes Immunsystem. 

Stärkendes für die Darmflora 

Folgende 5 Tipps helfen dabei, die Darmflora durch die richtige Ernährung zu stabilisieren:

  1. Zucker meiden - Künstlich hergestellter Zucker schädigt die Darmflora doppelt. Die Anzahl der "guten" Darmbakterien nimmt ab und "schlechte" Hefepilze können sich schneller vermehren. 
  2. Kartoffeln - Beim Kochen von Kartoffeln wandelt sich die darin enthaltene Stärke in Stärke um, die nicht zersetzt werden kann und unverändert in den Darm gelangt. Nützliche Darmbakterien brauchen diese Stärke als Nahrung, u.a. um kurzkettige Fettsäuren zu produzieren, die vor Asthma schützen. 
  3. Ballaststoffreich essen - Je ballaststoffreicher die Nahrung ist, desto mehr nützliche Bakterien finden sich im Darm und desto höher ist die Menge an kurzkettigen Fettsäuren.
  4. Probiotische Lebensmittel - Probiotische Lebensmittel beinhalten nützliche Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien. Zum Beispiel: frisches Sauerkraut, Käse, Natur-Joghurt, Miso, Apfelessig
  5. Präbiotische Lebensmittel - Präbiotischen Lebensmittel dienen den hilfreichen Darmbakterien als Nahrung und fördern ihr Wachstum. Zum Beispiel: Leinsamen, Flohsamen, Weizenkleie, Chicorée, Schwarzwurzel

Und die Milch?

Die PASTURE-Studie hat außerdem nachgewiesen, dass der regelmäßige Konsum von unbehandelter Milch einen schützenden Effekt auf die Entwicklung von Asthma hat. Als Grund dafür vermuten die Forschenden den höheren Fettanteil der nicht erhitzten Rohmilch, bei dem Omega-3-Fettsäuren überwiegen. Bei industriell behandelter Milch sinkt dagegen  der Gehalt an schützenden Omega-3-Fettsäuren im Verhältnis zu Omega-6-Fetten.

Da Rohmilch aber verschiedene Erreger enthalten kann (z.B. Bakterien die Tuberkulose und  Listeriose verursachen können sowie Escherichia coli, die für Durchfallerkrankungen verantwortlich sind) raten Experten vom Rohmilch-Verzehr ab. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint eine pasteurisierte, aber nicht homogenisierte Milch am besten geeignet zu sein.