Viele Menschen wollen Krebs vorbeugen, indem sie mit Rauchen aufhören und sich gesund ernähren. Bei Übergewicht denken die meisten in erster Linie an die erhöhte Gefahr für einen Herzinfarkt. Diese Einschätzungen stimmen alle, sind aber nur die halbe Wahrheit. Denn mittlerweile konnten internationale Experten einen klaren Zusammenhang zwischen Übergewicht und verschiedenen Krebserkrankungen nachweisen. Umso wichtiger ist es für Menschen mit Übergewicht, rechtzeitig gegenzusteuern und die kostenlosen Untersuchungen zur Früherkennung von Krebs auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen. 

"Wie groß der Einfluss von Übergewicht und Adipositas auf die Entstehung von Krebserkrankungen im gesamten Körper ist, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Studien zeigen ganz klar, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Denn durch Früherkennung, aber vor allem durch einen gesunden Lebensstil und ein normales Gewicht, lässt sich Krebs vorbeugen." Gastroenterologe Prof. Dr. Hans Scherübl, Vivantes Klinikum Berlin

Fakten aus der Forschung

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) prüft immer wieder alle verfügbaren Studien über Krebs und veröffentlicht die wichtigsten Fakten im "Handbuch der Krebsprävention". Nach Schätzungen käme es allein in Deutschland zu rund 25 000 weniger Krebsdiagnosen pro Jahr, wenn das Gewicht der Bevölkerung im Normalbereich läge. In der aktuellen Neuauflage kamen die Experten jetzt zu folgenden konkreten Ergebnissen: 

Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht

Für das Krebsrisiko spielt es eine entscheidende Rolle, wie stark ein Mensch übergewichtig ist. Je mehr Kilos oberhalb des Normwerts auf die Waage gebracht werden, desto höher war laut  den Studien das Krebsrisiko. 

Insofern lohnt es sich in jedem Fall, die Zahl der Kilos zu reduzieren, selbst wenn dabei das Normgewicht nicht erreicht wird. 

Neue Studien bestätigen

Bei Menschen mit normalem Body-Mass-Index (BMI) tritt Darm-, Gebärmutter-, Speiseröhren- und Nierenzellkrebs, aber auch Brustkrebs nach den Wechseljahren deutlich seltener auf als bei übergewichtigen Personen. Gleiches gilt nach neuen Studien offenbar auch für bösartige Tumore an Leber, Bauchspeicheldrüse, Mageneingang und Eierstock. Außerdem zeigte sich, dass Übergewicht das Risiko für aggressive Varianten von Prostatakrebs erhöht.

Wichtig zu wissen:

Der Faktor "Übergewicht" wurde bei fast allen Studien nur mittels BMI-Werten definiert. Dies erfasst bei Männern meist auch das gefährliche Bauchfett, denn bei Männern macht sich Übergewicht in der Regel am Bauch bemerkbar. Bei Frauen sieht die Fettverteilung aber oft anders aus. Deshalb ist es aus Sicht der Gendermedizin wichtig, Studien zu diesem Thema zukünftig nach Geschlecht und mit mehreren Indikatoren für Übergewicht durchzuführen. 

Übergewicht fördert Entzündungen 

Werden auf Dauer mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht, entwickelt sich häufig ein metabolisches Syndrom. Dieses beschreibt das gleichzeitige Auftreten verschiedener stoffwechselrelevanter Faktoren: Übergewicht - vor allem im Bauchbereich -, erhöhter Blutdruck, zu hoher LDL-Cholesterin-Wert und erhöhter Blutzucker. Diese 4 Faktoren begünstigen über Botenstoffe aus dem Fettgewebe, wie Adipokine und Zytokine, nachweisbare "stille" Entzündungen und schwächen die Wirkung von Insulin auf die Zellen. Das metabolische Syndrom wird deshalb auch als Insulinresistenz-Syndrom bezeichnet. Es kann aber nicht nur zu Typ-2-Diabetes führen, sondern begünstigt neben Herz-Kreislauferkrankungen auch die Entstehung bösartiger Tumore. Besonders gefährlich ist Bauchfett, denn es ist hormonell aktiv und fördert dadurch zusätzlich hormonabhängige Krebsarten, zum Beispiel der Brust und Gebärmutter. 

Wirksam gegen Krebs 

Ein zu hohes Gewicht ist nicht zu übersehen, anders sieht es mit schädlichen Stoffwechselstörungen und stillen Entzündungen aus. Sie verlaufen anfangs unbemerkt. Die gute Nachricht ist, dass sich die schädigenden Prozesse durch das metabolische Syndrom in jedem Lebensalter aufhalten und teilweise sogar rückgängig machen lassen. 

Wichtig zu wissen:

Je mehr Sie für Ihre Gesundheit tun, desto besser stehen Ihre Chancen auch im Kampf gegen Krebs. Dazu gehört vor allem Lebensfreude, nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen und sich gesund ernähren. 

Wer übergewichtig ist, sollte abnehmen und das Gewicht soweit es möglich ist normalisieren. Radikale oder einseitige Diäten sind nachweislich eine schlechte Lösung, sie schaden dem Körper mehr als sie nutzen. Eine dauerhafte Umstellung der eigenen Haltung zum Essen hat dagegen eine viel größere Chance auf Erfolg und Zufriedenheit. Dazu gehören nach dem Konzept "Essen als Ersatz" folgende vier Basisregeln: 

  • Essen Sie langsam und in Ruhe in angenehmer Atmosphäre - am schön gedeckten Tisch - und essen Sie nur, wenn Sie auch wirklich Hunger haben - Appetit allein reicht nicht.
  • Hören Sie sofort auf zu essen, wenn das Hungergefühl befriedigt ist - das ist meist schneller als gedacht.
  • Spüren Sie nach, wann Sie Essen als Ersatz benutzen - Essen gegen Stress und Frust, als Belohnung, zur Ablenkung, etc.
  • Suchen Sie sich andere, effektivere und gesündere Strategien als Essen - hier sind Sie gefragt, Ihren ganz eigenen Weg zu finden

Falls Ihnen dies schwer fällt, kann eine professionelle Beratung sinnvoll sein. Sprechen Sie Ihre behandelnde Praxis darauf an, was für Sie persönlich hilfreich sein könnte, um Ihr Gewicht ganzheitlich und dauerhaft in den Griff zu bekommen.

Früherkennung rettet Leben 

Die Angst vor Krebs ist groß, aber die moderne Medizin bietet heute auf Basis ständig neuer Forschung erprobte und wirksame Therapien an. Je früher sie zum Einsatz kommen, desto größer ist die Chance auf ein längeres Leben oder im Frühstadium sogar auf Heilung. Deshalb dürfen in Deutschland alle Menschen im Laufe ihres Lebens regelmäßig an bestimmten kostenfreien Untersuchungen auf Krebs teilnehmen. Diese so genannten "Screenings" werden durch die Krankenkassen finanziert und testen auf die häufigsten Krebserkrankungen (Darm-, Brust-, Gebärmutterhals-, Prostata- und Hautkrebs). Sprechen Sie Ihre Bedenken oder Fragen im ärztlichen Gespräch offen an. So können Ängste vor den Früherkennungsuntersuchungen in den allermeisten Fällen ausgeräumt werden. Ab wann welche Untersuchungen anstehen, können Sie hier nachlesen oder bei Ihrer Arztpraxis erfragen.