Bei Menschen, die zum Beispiel beim Sport Atemnot bekommen, sind nicht immer verengte Bronchien die Ursache. Ähnliche Beschwerden können auftreten, wenn sich der Kehlkopf verengt. Er sitzt am Übergang vom Rachen zur Luftröhre im vorderen Bereich des Halses. Asthmamedikamente helfen hier nicht. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche.

Luftnot beim Einatmen

Charakteristisch ist, dass Betroffene bei körperlicher Belastung nur beim Einatmen Luftnot haben und nicht wie für Asthma typisch beim Ausatmen. Seelische Belastungen oder psychischer Stress können die Atemnot verschlimmern. Häufig werde den Patienten nicht geglaubt, sagt Prof. Dr. Stefan Zielen von der Universitätskinderklinik in Frankfurt. Viele Patienten gehen zu Asthmaschulungen und selbst die Mitarbeiter dort wissen oftmals nicht, dass es eine Krankheit gibt, die ähnliche Beschwerden macht. 

Dabei ist das EILO-Syndrom keineswegs selten. EILO steht für Exercise Induced Laryngeal Obstruction. Übersetzt bedeutet es anstrengungsinduzierte laryngeale Obstruktion oder auch Kehlkopfverengung bei Belastung. Die Atemnot beim Einatmen ist ein entscheidender Hinweis. So haben zwei Untersuchungen gezeigt, dass 7,5 Prozent der untersuchten Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren beziehungsweise 5,7 Prozent der 12- bis 13-Jährigen Kehlkopfverengungen hatten. Das Problem: Die Krankheit ist auch unter Ärzten weitgehend unbekannt. 

Kehlkopf: Nadelöhr für den Luftstrom

Der Kehlkopf bildet das Nadelöhr für die Luft, die beim Einatmen in Richtung Lunge strömt. Da wundert es nicht, dass sich Verengungen schnell bemerkbar machen. Der Begriff "EILO-Syndrom" fasst ganz unterschiedliche Verengungen zusammen, zum Beispiel wenn sich die Stimmbänder verschließen oder Teile des Kehlkopfes krankhaft aufweichen. 

Wie beim Asthma, sind bei Kehlkopfverengungen pfeifende Atemgeräusche zu hören. Im Gegensatz zum Asthma "pfeifen" Menschen mit EILO sehr schnell, aber die Beschwerden klingen innerhalb von fünf Minuten nach der Anstrengung wieder ab. Bei Asthma ist die Atemnot oft erst drei bis 15 Minuten nach der Anstrengung auf dem Höhepunkt und es kann Stunden dauern, bis sie abklingt.

Bei Verdacht auf EILO kann der Arzt einen Lungenfunktionstest durchführen. Mit dem lässt sich die Krankheit zwar nicht erkennen, aber es lässt sich feststellen, ob die Bronchien verengt sind. Ist das der Fall, handelt es sich nicht um das EILO-Syndrom. 

Videoaufnahmen des Kehlkopfes

Videoaufnahmen des Kehlkopfes vor, während und nach dem Sport machen die Kehlkopfverengungen direkt sichtbar. Hierfür laufen die Patienten auf dem Laufband, steigen Treppen oder fahren auf dem Fahrradergometer. Außerdem ist bekannt, dass Kälte die Luftnot verschlimmert. Am Universitätsklinikum Frankfurt müssen Betroffene deswegen auf ein Laufband, das in einer Kühlkammer steht. Sie kann auf bis zwei Grad Celsius runtergekühlt werden. 

Mögliche Therapien gegen EILO gibt es aktuell nicht. Aufklären und beruhigen seien die wichtigsten Maßnahmen, so Zielen. Denn obwohl die Atemnot bedrohlich wirkt, ist EILO nicht gefährlich. Mit zunehmendem Alter lassen die Beschwerden immer mehr nach.