Wie oft und schwer Asthmaanfälle auftreten, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören äußere Verstärker, wie Feinstaub oder Allergene, aber auch Gefühle und Stimmungen. Jeder Mensch mit Asthma weiß, wie unmittelbar sich beispielsweise Angst und Stress auf das eigene Befinden und die Krankheit auswirken. Diesen "Hebel" können Sie nutzen und mit etwas Übung gesündere Denkmuster lernen und gesundheitlich davon profitieren. 

Das innere Gesundheitsteam

Für die medizinische Behandlung stehen Ihnen meist ein Hausarzt, der Lungenfacharzt und je nach Beschwerden weitere kompetente Fachleute zur Verfügung, beispielsweise Psychologen, ein Physiotherapeut oder Übungsleiter für Lungensport. Das ist nach dem Kommunikationsexperten Friedemann Schultz von Thun ihr äußeres Gesundheitsteam. Vergleichbar damit gibt es nach seinem langjährig erprobten Konzept auch ein inneres Gesundheitsteam, das mehr Macht hat als Sie zunächst denken. 

Aber unser innerer Dialog im Kopf läuft immer ab, auch wenn man es nicht bewusst wahrnimmt. Oft schwanken wir zwischen verschiedenen Ansichten über eine Sache, das ist völlig normal. Was "intern" geredet wird, entscheidet Studien zufolge oft darüber, ob eine Therapie konsequent verfolgt wird oder überhaupt erfolgreich ist. Jeder Mensch hat ein individuell anderes inneres Team, aber es gibt typische Stimmen, die schwächen oder Mut machen: 

  • Der Ängstliche "Oje, wenn das mal gut geht" 
  • Der Sicherheitsbeauftragte "Nur wenn alles 100 Prozent sicher ist…"
  • Der Verzweifelte "Das hat doch alles keinen Sinn" 
  • Der Optimist "Wird schon gut gehen"
  • Der Aktivist "Lass uns was machen " 
  •  … und viele mehr

Die innere Gesundheitskonferenz: Reden Sie mit sich selbst 

Gestalten Sie diesen Dialog mit sich und lenken ihn dabei, wie bei einem echten Gespräch in eine gute Richtung. Dabei hat jede innere Stimme ihren Wert und Sinn. Das bedeutet: Statt zu bewerten sollten Sie jedes Teammitglied einladen mitzumachen und seine Sicht der Dinge darzustellen. Wenn man, wie meist im Alltag, die peinlichen oder unangenehmen Stimmen - die man nicht mag und nicht hören will - wegdrängt, bleiben sie dennoch im Unterbewusstsein aktiv und haben dort eine negative Wirkung. Das können Sie ändern: 

Schritt 1: Stellen Sie das innere Gesundheitsteam in Form einer Mindmap zusammen, ein leeres Blatt Papier und Stift reichen völlig aus. In der Mitte stehen Sie selbst, in jede Sprechblase kommt jetzt eine innere Stimme oder ein Teammitglied, so wie oben beschrieben. Je treffender der Name, desto besser.

Schritt 2: Lassen Sie jetzt das innere Gesundheitsteam miteinander reden und beobachten Sie, wer sich meldet und wer nicht zu Wort kommt. Das alles können Sie in Ihrem Kopf ablaufen lassen oder als Text aufschreiben, so wie es Ihnen leichter fällt. Moderieren Sie zwischen den Teammitgliedern, damit ein "richtiges" Gespräch daraus wird, das zum Beispiel so aussehen kann: 

Der Ängstliche: "Oje, wenn das mal gut geht, die Luftnot wird beim Sport immer mehr" 

Der Sicherheitsbeauftragte: "Dann sollten wir den Sport lassen, denn nur wenn alles 100 Prozent sicher ist…"

Der Verzweifelte: "Asthma ist so schrecklich, das hat doch alles keinen Sinn mehr" 

Was meinst du denn dazu? Du denkst als Optimist doch sicher anders. 

Optimist: "Jetzt verzweifelt mal nicht, solche Phasen gab es doch oft. Wird schon wieder besser gehen"

Wer hat etwas dazu zu sagen oder eine Idee? Wer kam noch nicht zu Wort? 

Aktivist: "Ja, es wird besser gehen, aber doch nicht von selbst. Lass uns was machen und zum Beispiel mit der Leiterin des Lungensports reden." 

Auf diese Weise können sogar die anstrengenden inneren Stimmen eine positive warnende Funktion bekommen, aber die weniger präsenten stärkenden Anteile werden auch einbezogen. Dieser geführte innere Dialog mit Ihnen als Teamchef hat sich bereits in der Praxis bewährt, ausprobieren lohnt sich.