Infektionen der oberen Atemwege sind für Menschen mit Asthma problematisch. Sie begünstigen die für Asthma typische Überempfindlichkeit und chronische Entzündung der Bronchien. Deshalb ist es für Asthma-Betroffene besonders wichtig, das Immunsystem zu stärken. Gerade im Frühling, wenn Erkältungen Hochsaison haben, ist eine gezielte Vorbeugung sehr sinnvoll. Eine Studie aus Oxford zeigt jetzt, welche Rolle dabei die Schlafdauer spielt. 

Immunstark im Schlaf 

Ein erholsamer Schlaf stärkt das Wohlbefinden und unterstützt das Immunsystem des Körpers, zum Beispiel um lästige Erkältungen abzuwehren. Diese Tatsache kennen die meisten Menschen aus eigener Erfahrung. Bislang fehlten allerdings große Studien mit vielen Teilnehmenden, die einen solchen Zusammenhang belegen. 

Aus diesem Grund haben jetzt Forschende neun kleinere, geprüfte Studien aus fünf Ländern zusammen ausgewertet. Die Analyse der Daten von insgesamt 66.000 Teilnehmenden belegt eindeutig, wie wichtig ausreichender Schlaf ist, um Infektionen der Atemwege vorzubeugen. Laut Schlafforschung gelten 7 bis 9 Stunden Schlaf als normal und ausreichend. 

Oxford-Studie: Schlaf & Infektionen der Atemwege 

Ergebnis: Wer weniger als 7 Stunden pro Nacht schlief, hatte ein 30 Prozent höheres Risiko für Infektionen der oberen Atemwege. Eine Schlafdauer von über neun Stunden hatte in dieser Übersichtsstudie keinen weiteren Einfluss auf das Immunsystem. 

Fazit: Laut Forschenden liefert diese rückblickende Auswertung von unterschiedlichen Studien wichtige Hinweise, die Menschen mit Asthma zur Vorbeugung von Infektionen der oberen Atemwege nutzen können. Allerdings empfehlen die Forschenden weitere Studien, um dieses Ergebnis zu bestätigen. 

Auch T-Zellen brauchen Schlaf 

Forschende der Universitäten Tübingen und Lübeck konnten vor kurzem nachweisen, auf welche Weise fehlender Schlaf das Immunsystem beeinträchtigt. Offenbar verschlechtert sich bereits nach 3 Stunden ohne Schlaf die Funktion unserer T-Zellen. Sie zirkulieren im Blut - oder besser: patrouillieren - und spielen dort als Langzeitgedächtnis eine entscheidende Rolle. Sobald T-Zellen einen eingedrungenen Erreger wiedererkennen, können sie eine geeignete Abwehrstrategie mit passenden Antikörpern aktivieren und den Erreger dadurch schnell ausschalten. 

Wichtig zu wissen: Aus Impfstudien weiß man, dass die Anzahl der neu gebildeten T-Zellen davon abhängt, wie lange man nach der Impfung pro Nacht geschlafen oder im Liegen geruht hat. Dies sollten Sie bei jeder Impfung berücksichtigen und sich die Zeit für eine erholsame Nachtruhe gönnen. 

Unser Tipp: Schlafphasen respektieren 

Im Schlaf wechseln sich die Phasen von Träumen (REM) und Tiefschlaf ab. Der REM-Schlaf, so vermutet die Schlafforschung, dient der Verarbeitung von Erlebtem und der Speicherung von Informationen im Langzeitgedächtnis. Der Tiefschlaf sorgt für Erholung und Regeneration, ist aber laut Schlafforschenden während der Pandemie zu kurz gekommen. Offenbar hat sich in dieser Zeit bei vielen Menschen die "Schlafarchitektur" verändert, zum Beispiel durch Sorgen und Ängste, aber auch nachweislich durch höheren Alkoholkonsum und fehlende Bewegung im Homeoffice. 

Das bedeutet für Sie: Gerade jetzt während der Pandemie sollten Sie den Tiefschlaf fördern. Das gelingt am einfachsten, indem Sie tagsüber kleine und größere Bewegungspausen einbauen, vor dem Schlafen bewusst zur Ruhe kommen und Alkohol weglassen oder reduzieren. 

Chronobiologie: Frühaufsteher profitieren doppelt 

Vermutlich ist ein gestörter Schlafrhythmus an der Entstehung von Asthma mit beteiligt. Möglicherweise hat dies mit dem schlaffördernden Hormon Melatonin zu tun, das bei Langschläfern oft aus dem Gleichgewicht gerät. Diese Fehlregulation schwächt u.a. das Immunsystem der Lunge und begünstigt allergische Reaktionen. Studien zur inneren Uhr haben gezeigt, dass Jugendliche "Nachteulen" eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit hatten, an Asthma zu erkranken als "Lerchen", die früh aufstehen. Das Risiko für allergischen Schnupfen war im Vergleich doppelt so hoch. Diese Erkenntnisse gelten für Jugendliche, aber auch für Erwachsene mit Asthma. Insofern lohnt es sich für Sie, früh aufzustehen. Probieren Sie es einfach aus - am besten im Frühling, wenn die Tage wieder länger sind und es leichter fällt, früh aufzustehen, als im Winter.