Asthmatypische Beschwerden, wie Atemnot und Husten, hängen mit Entzündungen im Bereich der Atemwege zusammen. Der Wirkstoff Kortison setzt genau dort an und reduziert diese Prozesse, indem er die Neubildung von entzündungsfördernden Stoffen und zellschädigenden Enzymen blockiert. Als Medikament bewirkt das Steroidhormon Kortison, dass die gereizte Bronchialschleimhaut abschwillt und weniger überempfindlich zum Beispiel auf Allergene reagiert. Auf diese Weise tritt mit der Zeit die gewünschte Wirkung ein, die Atemwege "beruhigen" sich. Dies wiederum beugt Asthmaanfällen vor und die Symptome treten seltener auf. 

Gute Gründe für eine Langzeittherapie 

Die Therapie mit Kortison bewirkt keine sofortige Besserung bei einem akuten Asthmaanfall, wie es die Notfallsprays mit Sympathomimetika tun. Der Hauptvorteil von Kortisonsprays besteht darin, die Beschwerden auf lange Sicht zu lindern. Bis die Sprays vollständig wirken, können teilweise Tage oder sogar Wochen vergehen, weshalb die längere Einnahme ohne Unterbrechung besonders wichtig ist. Außerdem kann erst durch eine regelmäßige Einnahme der Kortisonsprays der Verbrauch an sofort wirksamen Medikamenten reduziert werden. 

Wird die Therapie mit einem Kortisonspray eigenmächtig abgesetzt oder unterbrochen, kann dies gefährliche Folgen haben, denn der Körper hat während der Behandlung die Produktion des körpereigenen Kortisons entsprechend reduziert. Dieses natürliche Kortison ist beispielsweise an der Regulation des Immunsystems und des Herz-Kreislauf-Systems beteiligt. Wer sich dennoch gegen eine Kortison-Therapie entscheidet, sollte sich von seinem behandelnden Arzt beraten lassen und das Medikament langsam absetzen.

Kortison und COVID-19

Während der Corona-Pandemie zählt leichtes bis mittleres Asthma laut Fachgesellschaften nicht als eigenständiger Risikofaktor für einen schweren Verlauf. Dennoch sollten Asthma-Betroffene ihre Atemwege und Lunge gerade in dieser Zeit so gut wie möglich schützen. Dies geschieht unter anderem, indem die Entzündung der Atemwege zum Beispiel durch Kortison so weit wie möglich unterdrückt wird. Dieses Argument überwiegt laut Experten in den meisten Fällen die Sorge, dass die Unterdrückung des Immunsystems durch Kortison die Abwehr gegenüber Coronaviren schwächen könnte. Aktuellen Studien zufolge, beeinflusst niedrig bis mittelhoch dosiertes "inhalatives Kortison" das COVID-19 Risiko nicht. Anders sieht es bei hochdosiertem Kortisonspray sowie bei einer Kortisontherapie mit Tabletten oder als Injektion aus. Hier gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko. Aus diesem Grund empfehlen Experten für diese Patientengruppe, alternative Medikamente wie Biologika zu prüfen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, eine individuelle Einschätzung des Risikos durch den behandelnden Arzt vornehmen zu lassen. 

Keine Angst vor Nebenwirkungen 

Auf der Basis aktueller Studien empfehlen die Nationalen Versorgungsleitlinien (NVL) einen Stufenplan zur Behandlung von Asthma, bei dem Kortisonspray schon ab Stufe 2 als Dauermedikation vorgesehen ist. Nur in Ausnahmen muss Kortison in Tablettenform oder in schweren Fällen sogar als Injektion verabreicht werden. Eine Dauertherapie mit Kortisontabletten steht sogar bei schwerem Asthma in der Regel nicht zur Diskussion, da hier in der Tat die Nebenwirkungen erheblich sein können, vor allem bei einer längeren Einnahme. Im Gegensatz zum Spray wirken Tabletten aber nicht nur lokal, sondern im ganzen Körper. Dies erklärt die deutlich höheren Nebenwirkungen, wie Schlafstörungen, Bluthochdruck und erhöhtes Thromboserisiko. 

Wichtig zu wissen: Welche Nebenwirkungen Kortison haben kann, hängt von der Dosierung ab und vor allem wie es eingenommen wird. Dieser entscheidende Unterschied zwischen Spray, Tablette oder Spritze wird offenbar in der Laien-Diskussion zu wenig berücksichtigt. Die Folge ist, dass die negativen Wirkungen von Tabletten auf den Wirkstoff Kortison allgemein übertragen werden. Insofern gilt: Bei Kortison-Spray ist die Angst vor gefährlichen Nebenwirkungen im Normalfall nicht begründet, da es lokal in der Lunge wirkt und kaum in den Blutkreislauf aufgenommen wird. 

Kortison-Spray richtig anwenden 

Eine Langzeittherapie mit Kortisonspray ist bei Asthma für eine Besserung entscheidend und kaum bedenklich, sofern bestimmte Verhaltensregeln beachtet werden. Sprays, auch 'Dosieraerosole' genannt, haben den Vorteil, dass der Wirkstoff über das Einatmen direkt in die Atemwege und bis in die Lunge gelangt, aber nicht in den Blutkreislauf und dadurch auch nicht in den gesamten Körper. Die möglichen Nebenwirkungen einer Kortison-Langzeittherapie mit Hilfe eines Sprays sind insofern nicht mit Tabletten zu vergleichen und beschränken sich meist auf den Mund- und Rachenbereich. Typisch sind beispielsweise Heiserkeit oder ein Pilzbefall der Mundschleimhaut. Auf einfache Weise können Betroffene diesen unerwünschten, aber nicht gefährlichen Nebenwirkungen vorbeugen: Nach der Inhalation sollte der Mund konsequent mit klarem Wasser ausgespült werden. Auch hilft es, direkt nach der Anwendung die Zähne zu putzen oder etwas zu essen oder zu trinken.