Von der Diagnose bis zur Therapie: Das hat sich geändert 

1. Diagnose

NEU: Die Diagnose sollte ab jetzt immer zwischen verschiedenen Asthmatypen unterscheiden, denn die Art des Asthmatypen hat Auswirkungen auf die Diagnose und die Behandlung. 

Bisher wurde nur zwischen allergischem und nicht allergischem Asthma unterschieden. Zu den neuen Unterteilungen gehören u.a. "eosinophiles Asthma", "Type-2-High-Asthma" oder "cough-variant-Asthma".

2. Lungenfunktion

NEU: Eine medikamentöse Therapie kann auch bei Kindern und Jugendlichen mit normaler Lungenfunktion empfehlenswert sein. 

Trotz typischer Asthmabeschwerden kann ein normaler Lungenfunktionstest unauffällig sein. Dies erkennt die NVL jetzt an und rät zu weiteren Untersuchungen, zum Beispiel einen Lungenfunktionstest auf dem Laufband. Nur so kann sicher abgeklärt werden, ob Asthma vorliegt oder nicht.   

3. Asthmastadien

NEU: Bei Kindern und Jugendlichen gelten nach der neuen NVL strengere Maßstäbe. Die Einteilung in leichtes oder schweres Asthma ist nicht mehr nur davon abhängig, wie oft Symptome auftreten. 

Asthma wird jetzt unabhängig von den Beschwerden auch als schwer eingestuft, wenn eine dauerhafte Therapie beispielsweise mit einem monoklonalen Antikörper oder einer hohen Tagesdosis an Kortisonspray benötigt wird. 

Handlungsbedarf oder Entwarnung? So unterscheiden Sie richtig

Für Eltern ist es wichtig und beruhigend zu wissen, ab wann sie bei zunehmenden Symptomen reagieren müssen. Folgende vier Fragen helfen bei der Einschätzung: 

  1. Treten tagsüber Symptome auf? 
  2. Mussten Bedarfsmedikamente eingenommen werden?
  3. Wacht Ihr Kind nachts wegen Asthma-Beschwerden auf?
  4. Wird Asthma als einschränkend für Aktivitäten eingestuft?

Eine Asthmaerkrankung gilt bei Kindern und Jugendlichen als ausreichend behandelt, wenn keine der genannten Fragen mit Ja beantwortet wird. Bei zwei Ja-Antworten ist Asthma teilweise kontrolliert und ab drei Ja-Antworten gilt die Situation als unkontrolliert. In diesen beiden Fällen sollten Eltern einen Termin beim Lungenfacharzt vereinbaren.

4. Therapieschema

Die Behandlung von Asthma orientiert sich je nach Schweregrad an einem Therapieschema, das in verschiedene Stufen eingeteilt ist. Die Therapie wird dabei so ausgewählt, dass so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig verordnet wird. Das bedeutet, die Therapie startet mit der kleinstmöglichen Stufe und geht bei unzureichender Asthmakontrolle immer eine Stufe weiter. Ab sofort gilt nicht mehr ein fünfstufiges, sondern ein sechsstufiges Therapieschema: 

NEU: Für Kinder und Jugendliche stellt Kortisonspray - sogenannte "inhalative Kortikosteroide" (ICS) - ab Stufe 2 die Basis der Therapie dar. 

NEU: Die Kombinationstherapie aus einem mittelhoch dosierten inhalierbaren Kortisonspray und einem Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten bzw. einem LAMA ist nun erst in der vierten Stufe vorgesehen und nicht schon wie bisher in der dritten Therapiestufe. 

NEU: In der sechsten Therapiestufe empfehlen die Experten anfangs eine umfassende Untersuchung durch einen Lungenfacharzt (Pneumologen), der auf schweres Asthma spezialisiert ist oder in einem kinderpneumologischen Zentrum. Im nächsten Schritt soll bei Kindern und Jugendlichen zunächst ein Therapieversuch mit Anti-IgE-Antikörpern, Anti-IL-4-R- oder Anti-IL-5-Antikörpern erfolgen. Erst als letzte Therapiemöglichkeit kommt eine Langzeitbehandlung mit oralem Kortison in Tablettenform (OCS) in Frage. 

5. Berufslaufbahn planen

Neu: Bestimmte Berufe bringen gewisse Risiken für Menschen mit Asthma mit sich und sind deshalb als Berufswunsch ungeeignet. Diese speziellen Aspekte der Berufsplanung sollten Eltern nach der neuen Leitlinien für Asthma mit den Jugendlichen selbst, aber im Zweifel auch mit dem behandelnden Arzt besprechen. 

Was sind Nationale Versorgungsleitlinien (NVL)?

Damit Ärzte immer auf dem neuesten Stand sind und ihr Wissen unkompliziert auffrischen können, veröffentlicht das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin für verschiedene chronische Krankheiten offizielle Empfehlungen: die "Nationalen Versorgungsleitlinien". In regelmäßigen Abständen werden diese aktualisiert. Verschiedene Fachdisziplinen arbeiten hierfür im Team, um die neuesten Erkenntnisse über Diagnostik und Therapie einer Erkrankung zusammenzutragen. Zu dem Team gehören u.a. die Bundesärztekammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die  Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).