Patienten mit bestimmten chronischen Krankheiten können sich bei ihrer Krankenkasse in ein spezielles Behandlungsprogramm einschreiben lassen, das Disease-Management-Programm (DMP), bei der Techniker "TK-Plus-Programm" genannt. Das Programm trägt nachweislich dazu bei, stationäre Aufenthalte und Folgeschäden zu vermeiden. Wesentlicher Bestandteil der DMP sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, in der Regel im Abstand von 3 bis maximal 6 Monaten. Offenbar werden jetzt aber während der Corona-Pandemie aus Sorge vor einer Infektion wichtige Kontrolluntersuchungen der DMP-Programme ausgelassen. Selbst bei akuten gesundheitlichen Problemen zögern viele DMP-Patienten und suchen ihren Arzt zu spät auf, anstatt alternative Angebote wie eine Videosprechstunde in Anspruch zu nehmen. Hier gilt es nach Ansicht zahlreicher Fachgesellschaften genauer abzuwägen und Alternativen zum persönlichen Arzttermin rechtzeitig in Anspruch zu nehmen. 

Achtung:

DMP-Patienten sollten während der Corona-Pandemie stärker zwischen unnötigen,  Arztbesuchen und wichtigen Kontrollterminen unterscheiden. Dazu kann es sinnvoll sein, diese Einstufung nicht selbst, sondern nach Rücksprache mit dem zuständigen Arzt zu treffen. 

Fragen Sie Ihren Arzt, ob er einen persönlichen DMP-Kontrolltermin für sinnvoll erachtet oder aber Alternativen, zum Beispiel eine Videosprechstunde anbietet! 

COPD und Asthma: Neue Einschätzung der Risikogruppen 

In einer offiziellen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) wurde jetzt die Risikoabschätzung bei chronischen Atemwegs-und Lungenerkrankungen aktualisiert. Demnach gelten Patienten mit leichtem bis mittlerem Asthma nicht als Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19. Bei COPD konnte nur ein leicht erhöhtes Risiko festgestellt werden, vorausgesetzt es liegen keine weiteren Krankheiten, wie Diabetes und Herzerkrankungen vor. Diese gehören zu den Risikogruppen, wobei auch hier genauso wie bei Krebs, die individuelle Konstitution und Gesundheit entscheidend bleibt. 

FAQ Arztbesuche 

"Brauche ich die Dokumentation, um im DMP-Programm zu bleiben?" 

Disease-Management-Programme (DMP) sollen Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Asthma, COPD, Koronare Herzerkrankung und Brustkrebs in der Bewältigung und Behandlung ihrer jeweiligen Krankheit gezielt unterstützen. Dazu gehören beispielsweise spezielle Schulungen aber auch Kontrolluntersuchungen beim Arzt, die regelmäßig erfolgen und dokumentiert werden müssen, um weiter an dem Programm teilnehmen zu können. 

Um dem erhöhten COVID-19-Risiko Rechnung zu tragen und Patienten mit chronischen Erkrankungen zu schützen, setzte das Bundesministerium für Gesundheit in 2020 die Verpflichtung zur Dokumentation für alle DMP-Programme aus. 

Das bedeutet für Sie konkret: Patienten dürfen im Jahr 2020 im DMP-Programm bleiben, auch wenn in diesem Zeitraum die erforderlichen Dokumentationen ganz oder teilweise fehlen. Allerdings gilt das nur, wenn in 2021 dann wieder regelmäßig Dokumentationen aus den Kontrollterminen vom Arzt erstellt werden.

"Mir geht es doch gut, warum soll ich als Risikopatient jetzt zur Kontrolle in eine Praxis gehen?"

Nach Ansicht mehrerer medizinischer Fachgesellschaften sollten die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen der DMP-Programme nicht - wie im Frühjahr häufig passiert - ohne Rücksprache mit einem Arzt ausgesetzt werden. Schon jetzt zeichnen sich gravierende Probleme ab, die durch versäumte Untersuchungen während des ersten Lockdowns entstanden sind. Beispielsweise gibt es momentan deutlich mehr Diabetiker mit teilweise ernsten Gefäßproblemen, die bei rechtzeitiger Diagnose vermeidbar gewesen wären. 

Überfüllte Wartezimmer sind natürlich vor allem in der Erkältungszeit zu meiden, aber ansonsten sind die Hygienekonzepte in den meisten Arztpraxen jetzt optimal eingerichtet, so dass eine Behandlung relativ sicher möglich ist.  

Das bedeutet für Sie konkret: Routinetermine, zu denen auch die regelmäßigen DMP-Kontrolluntersuchungen gehören, sollten Sie nur nach Absprache mit Ihrem Arzt verschieben. Rufen Sie unmittelbar vor einem Arzttermin in der Praxis an und fragen Sie, wie die Situation im Wartezimmer aussieht. Möglicherweise können Sie als Risikopatient in einem Nebenraum allein warten oder draußen an der frischen Luft. Benötigen Sie nur ein Rezept, können Sie sich dieses auch  zuschicken lassen. Manche Ärzte leiten auf Nachfrage die Rezepte auch direkt an Ihre Apotheke weiter.

"Soll ich das Risiko einer Infektion vermeiden und abwarten, ob meine Beschwerden besser werden?"

Bei chronischen Erkrankungen können Beschwerden der "Normalzustand" sein oder aber ein Hinweis darauf, dass sich etwas verändert und zum Beispiel die Dosis der Medikamente angepasst werden muss. Dies zu beurteilen überfordert viele Betroffenen und ihre Angehörigen. Damit die Symptome nicht ernsthafte Folgen nach sich ziehen oder Vorbote von Komplikationen bzw. Notfällen sind, sollten Beschwerden von DMP-Patienten rechtzeitig abgeklärt werden. Nutzen Sie dabei als Schutz vor Infektionen je nach Situation und gesundheitlicher Verfassung auch digitale Angebote, wie eine Online-Sprechstunde. 

Das bedeutet für Sie konkret: Wenn Sie sich krank fühlen, sollten Sie vor einem Besuch in Ihrer Arztpraxis anrufen und das weitere Vorgehen besprechen. So können Sie vermeiden, unnötig lange im Wartezimmer zu sitzen. Alternativ können Sie sich auch an die Telefonnummer 116 117 des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes wenden. In Notfällen sollten Sie nicht zu lange zögern und die 112 wählen. In jedem Fall sollten Sie einen schützenden Mund-Nasen-Schutz tragen. 

Angebote während der Corona-Pandemie 

Coronavirus-Hotline der Techniker: 

Versicherte der Techniker können sich mit medizinischen Fragen auch direkt an die Coronavirus-Hotline des TK-ÄrzteZentrums wenden. Telefon: 040-46 06 - 61 91 60 (Montag bis Freitag von 8 - 20 Uhr) oder Sie nutzen die "TK-Doc"-App und chatten mit den Ärzten des TK-ÄrzteZentrums.

Allgemeine Telefon-Hotlines zum Coronavirus

  • Telefonberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: 0800-232 27 83 (Mo - Do: 10 - 22 Uhr; Fr - So: 10 - 18 Uhr)
  • Unabhängige Patientenberatung Deutschland: 0800-01 17 722 
  • Bundesministerium für Gesundheit (Bürgertelefon): 030-346 465 100
  • Silbertelefon, Hotline für einsame ältere Menschen: 0800-470 80 90 (täglich 8 - 22 Uhr)
  • Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: info.deaf@bmg.bund.de / info.gehoerlos@bmg.bund.de
  • Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

Geprüfte Internetportale mit Informationen und Tipps: