Ein gewisses Maß an Stress kann durchaus belebend sein, aber Dauerstress macht früher oder später krank. Je höher aber die eigene Toleranzschwelle, desto mehr Belastung kann man unbeschadet aushalten. Dies wird von Experten als "Stresstoleranz" bezeichnet, die laut einer Studie aus Wien bei Allergikern geringer ausfällt als bei Gesunden. 

Das passiert in Ihrem Körper 

Stress kann kurzzeitig auftreten oder uns über einen längeren Zeitraum Energie rauben. Beide Formen - akuter und chronischer Stress - beeinflussen unseren gesamten Körper, wenn auch über verschiedene Mechanismen. Die erhöhte Anfälligkeit für Infektionen ist ein Beispiel dafür, wie sich Stress körperlich wahrnehmbar äußern kann. 

Messbare Folgen: Gemessen wird Stress häufig in Form des körpereigenen Kortisolspiegels. Neben Adrenalin ist Kortisol ein Stresshormon, das bei Belastungen deutlich ansteigt. Umgekehrt ist das Bindungshormon Oxytocin ein Parameter, mit dem sich das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit als Wert abbilden und vergleichen lässt. Oxytocin ist zum Beispiel bei Müttern, die stillen, und nach dem Geschlechtsverkehr erhöht. 

Die Wiener Studie

Um die Stresstoleranz herauszufinden, bestimmte das österreichische Forscherteam vor und nach einem speziell entwickelten Stresstest die Blutkonzentration der Hormone Kortisol und Oxytocin. Dieser Test sollte die Belastbarkeit und die Stresstoleranz durch gezielte Provokation prüfen. Außerdem erhielten die Teilnehmer vor und nach dem Test einen Fragebogen zu ihrem Umgang mit Emotionen und wie es ihnen zu diesem Zeitpunkt ging. 

Das Ergebnis: Nach dem Test fühlten sich alle Befragten ängstlich und gestresst. Bei Allergikern kam es aber im Blut zu einem deutlicheren Anstieg von Kortisol, der sich langsamer als bei Gesunden normalisierte. Der höhere Ausgangswert von Oxytocin bei Allergikern hätte ein Schutzfaktor sein können, allerdings sank dieser Wert durch den Stresstest deutlich stärker ab als bei Gesunden. 

Das Fazit: Die Wissenschaftler sehen darin einen klaren Hinweis darauf, dass diese unterschiedliche Stressregulation und schlechtere Stresstoleranz bei Allergikern möglicherweise eine Erklärung dafür liefert, warum Allergien und Depressionen oft zusammen auftreten. 

Gefühle akzeptieren erhöht die Stresstoleranz

Belastungen und Stress lassen sich nicht immer vermeiden. Umso wichtiger ist deshalb ein möglichst gesunder Umgang damit. Dazu gehört laut Forschern ein akzeptierender Umgang mit den eigenen Gefühlen: Manche Allergiker neigen offenbar dazu, ihre krankheitsbedingten Probleme und Sorgen zu verdrängen oder gar nicht erst wahrzunehmen. Anders als man vermuten könnte, zeigte sich bei ihnen eine stärkere Stressreaktion als bei Teilnehmern, die ihre Gefühle nicht unterdrückten. Das Wahrnehmen der eigenen Gefühle scheint insofern laut Studie ein wichtiger erster Schritt, um Stress abzubauen. 

Wichtig zu wissen: Noch besser schnitten Allergiker ab, die eine belastende Situation neu und positiver bewerten lernten. Sie erholten sich deutlich schneller vom erlebten Stress. 

Unser Tipp: Ein gesunder Umgang mit Belastungen, zum Beispiel durch Asthma, lässt sich lernen: Nehmen Sie eine Zeit lang bewusst wahr oder schreiben Sie auf, was Sie in stressigen Phasen denken und fühlen. Prüfen Sie im nächsten Schritt, wie realistisch Ihre Ängste oder Stressgedanken sind. Zum Beispiel: "Das schaffe ich nie" ist ein typischer Gedanke, der schnell auftaucht, wenn es stressig ist und meist zu noch mehr Stress führt. Gesündere Denkmuster wären: "Die Aufgabe ist zu umfangreich, ich muss mir Unterstützung holen" oder "Das fühlt sich jetzt so an, als schaffe ich es nie, aber in der Vergangenheit habe ich es trotzdem immer gut geschafft."