Einige Patientinnen bekommen schon vor der Operation eine Chemotherapie, um den Tumor soweit zu verkleinern, dass er leichter zu entfernen ist. Sind im Tumorgewebe zusätzlich bestimmte Immunzellen - sogenannte tumorinfiltrierende Lymphozyten (TIL) - vorhanden, kann das den Behandlungserfolg und die Heilungschancen verbessern, so das Fazit einer Studie, die im medizinischen Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde. Sie gelten als Hinweis für eine wirksame Immunabwehr des Körpers.

Bestimmte Immunzellen zeigen gute Heilungschancen

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler um Prof. Carsten Denkert 3.771 Gewebeproben aus sechs unterschiedlichen Brustkrebsstudien analysiert. Alle Proben stammten von Frauen, die vor der Operation eine Chemotherapie bekommen hatten. Die größte Menge der Immunzellen fanden sie bei einem bestimmten Brustkrebstyp, dem sogenannten dreifach-negativen Brustkrebs. Hier fehlen den Krebszellen auf der Oberfläche Rezeptoren für die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron sowie das Protein HER2. 

Die Immunzellen hatten hier den größten Einfluss auf die Heilungschancen: Jeder Anstieg um zehn Prozent verringerte das Risiko für die Rückkehr des Tumors und die Bildung von Metastasen oder Zweittumoren deutlich. Auch beim HER2-positiven Brustkrebs, bei dem die Krebszellen auf ihrer Oberfläche das Protein HER2 tragen, wirkten sich die Immunzellen positiv aus.

Kein Effekt bei bestimmtem Brustkrebstyp

Ganz anders beim Hormonrezeptor-positiven/HER2-negativen Brustkrebstyp, bei dem die Krebszellen Hormonrezeptoren tragen, aber keine Bindungsstellen für das Protein HER2. Hier fanden die Forscher insgesamt viel weniger TIL-Immunzellen im Brustkrebsgewebe. Auch schienen mehr von diesen Zellen die Heilungschancen nicht zu verbessern.

Die Wissenschaftler vermuten, dass das Immunsystem auf diesen Brustkrebstyp anders reagiert, sprich andere Abwehrzellen ins Tumorgewebe schickt. Bei genauerer Analyse zeigte sich, dass hier ein hoher Anteil sogenannter Antikörper-bildender B-Zellen gleichbedeutend war mit guten Erfolgsaussichten. Waren hingegen viele Makrophagen (ebenfalls Immunzellen) vorhanden, war das ein Hinweis auf schlechtere Heilungschancen.

Fazit

Die Wissenschaftler resümieren, dass sich durch die Menge an bestimmten Abwehrzellen voraussagen lässt, ob eine Chemotherapie besser oder schlechter anschlagen wird. 

Außerdem könne hier eine Behandlung mit bestimmten Medikamenten, sogenannten Checkpoint-Inhibitoren, sinnvoll sein. Sie blockieren die Signale von Tumorzellen, mit denen diese das Immunsystem in eine Art "Dämmerzustand" versetzen. Die positive Folge: Das Abwehrsystem wird wieder aktiver.