Ein Großteil der Brustkrebs-Patientinnen lebt nach der Therapie erkrankungsfrei und bis ins hohe Alter. Da wundert es nicht, dass die Lebensqualität nach der Brustkrebsbehandlung immer mehr in den Fokus rückt. Ein Team von Wissenschaftlern um Martina Schmidt vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg hat sich dieser Frage gewidmet. 

Lebensqualität rückt mehr und mehr in den Fokus

Die Forscher haben sich dabei ganz genau angeschaut, wie sich die verschiedenen Facetten der Lebensqualität bei Brustkrebs-Patientinnen im Verlauf von fünf Jahren nach der Diagnose entwickelt haben. Ihre Befunde verglichen sie mit gleichaltrigen Frauen aus der Allgemeinbevölkerung.

Wenig überraschend: Während der Krebsbehandlung klagten viele Frauen über eine erheblich eingeschränkte Lebensqualität. Sie fühlten sich psychisch und körperlich schlecht, sozial isoliert und hatten mit Gedächtnislücken zu kämpfen. Zudem waren die Patientinnen häufig chronisch erschöpft, was als sogenannte Fatigue bezeichnet wird. Sie litten außerdem öfter unter Schlafstörungen und finanziellen Sorgen als die Frauen aus der Vergleichsgruppe. 

Schlafstörungen und Fatigue auch fünf Jahre nach der Diagnose verbreitet

Nach fünf Jahren zeichneten die Wissenschaftler ein verändertes Bild: Viele Funktionen und Beschwerden hatten sich denen der gleichaltrigen Frauen ohne Krebserkrankung angeglichen. Eine Ausnahme bilden Schlaf- und Gedächtnisstörungen sowie die Fatigue: 39 Prozent der erkrankungsfreien Brustkrebs-Patientinnen hatten mäßige bis schwere Schlafstörungen. 22 Prozent klagten weiterhin über Gedächtnisstörungen. 24 Prozent waren auch fünf Jahre nach der Diagnose chronisch erschöpft. Von allen Beschwerden empfanden die Frauen die Fatigue am belastendsten.

Und es gibt eine ganze Gruppe von Beschwerden, die durch die Langzeiteinnahme bestimmter Medikamente ausgelöst werden, die einen Brustkrebsrückfall verhindern sollen. So verursacht eine Antihormontherapie, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Tamoxifen, Nebenwirkungen, die Wechseljahresbeschwerden sehr ähnlich sind. Die betroffenen Frauen haben Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Hitzewallungen oder klagen über sexuelle Störungen wie Scheidentrockenheit. Auch Osteoporose (Knochenschwund) und psychische Probleme können auftreten. 

Fast die Hälfte der Befragten hätte sich zu diesen Beschwerden mehr Aufklärung und Beratung durch den Arzt gewünscht, gegebenenfalls auch Therapieangebote, die die Symptome lindern können. 

Insgesamt beruhigende Ergebnisse

Die Forscher resümieren, dass die Ergebnisse der Studie insgesamt beruhigend seien. Auch wenn die Lebensqualität während der Behandlung deutlich eingeschränkt sei, würden die belastenden Beschwerden bei der Mehrheit der Patientinnen im Lauf der Zeit abklingen. Das gilt jedoch nur für Brustkrebspatientinnen, deren Tumor noch nicht gestreut habe.

Handlungsbedarf sehen die Wissenschaftler im Umgang mit chronischer Erschöpfung und Schlafstörungen. Auch müsse mehr gegen therapiebedingte Wechseljahrs- und Gelenkbeschwerden getan werden. Das Gleiche gelte für die Behandlung von Gedächtnisstörungen.