Mit dem schönen botanischen Namen "Darmflora" bezeichnen Mediziner alle Mikroorganismen, die in Ihrem Darm leben. Heute sind den Forschern mehr als 400 verschiedene Bakteriensorten bekannt, die meist an der Darmwand im Dickdarm angesiedelt sind. Eine gesunde Darmflora enthält sowohl nützliche, als auch schädliche Darmorganismen im Verhältnis 80:20. Sobald dieses Gleichgewicht aus dem Lot gerät, hat das, laut Deutschem Krebsforschungszentrum, ernstzunehmende Auswirkungen auf den gesamten Körper, nach neuesten Studien auch für Krebspatienten.  

Mikroorganismen im Darm haben viele Aufgaben

Nützliche Darmbakterien haben für Ihre Gesundheit wichtige Funktionen: Je mehr verschiedene "gute" Bakterienarten in ihrem Darm enthalten sind, desto besser für Ihre Gesundheit. Denn sie verdauen je nach Bakterientyp unterschiedliche Bestandteile der aufgenommenen Nahrung. Sie sorgen außerdem dafür, dass die Zahl schädlicher Darmbakterien nicht zunimmt und dadurch zum Beispiel das Immunsystem optimal funktionieren kann. 

Gestörte Darmflora fördert Krankheiten 

Verändert sich die Zusammensetzung der Bakterien im Darm, zum Beispiel durch ungesunde Ernährung, aber auch durch Krebsmedikamente, Antibiotika oder Mittel gegen Sodbrennen, nimmt die Zahl und die Menge der schützenden Bakterienstämme ab und die so genannten "pathogenen", schädlichen Keime nehmen zu. Aus bisherigen Studien konnten Forscher erkennen, dass ein Übermaß an schädlichen Darmorganismen und eine zu geringe Vielfalt an nützlichen "Mitbewohnern" im Darm in direktem Zusammenhang mit zahlreichen Erkrankungen steht, beispielsweise Darmkrankheiten, Übergewicht, Diabetes, aber auch Krebs und Depressionen. Warum diese Erkrankungen häufig mit einer gestörten Darmflora einhergehen, konnten sie aber nicht genau erklären. Hier setzt die Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums an. 

Aktuelle Studie zeigt: Darmflora verändert Genaktivität 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Hebrew University Jerusalem verglichen das Erbgut von Zellen aus der Darmschleimhaut von Mäusen. Dabei fiel ihnen auf, dass sich bestimmte Teile des Erbgutes, die wie ein Schalter das Gen für Zellregeneration an und ab schalten können, bei einer gesunden Darmflora stark von denen einer gestörten Darmflora unterschieden. Nur bei einer optimalen Darmbesiedelung fanden sie aktivierte Gene und die Regeneration der Darmschleimhaut konnte ungestört ablaufen. Umgekehrt bewirkte eine gestörte Darmflora im experimentellen Versuch, dass bei einer Entzündung die Aktivität u.a. von krebsfördernden Genen angeschaltet wurde. Das Fazit der Forscher: Eine intakte, gesunde Darmflora spielt offenbar in der Vorbeugung von Krebserkrankungen oder Rückfällen eine wichtige Rolle. Ob sich dies auf den Mensch übertragen lässt, muss in weiteren Studien geklärt werden.  

Unser Tipp: Um die Darmflora zu schützen, sollten Sie sich grundsätzlich möglichst gesund und ausgewogen ernähren , aber auch krankmachende Faktoren im Blick behalten. Dazu gehören Antibiotika, Chemotherapeutika, Alkohol, Fast Food und Dauerstress. Durch den gezielten Wiederaufbau Ihrer Darmflora mit probiotischen Präparaten oder Nahrungsmitteln wie Sauerkraut, regelmäßiger Entspannung durch anerkannte Methoden, wie Yoga oder Progressive Muskelentspannung, aber auch durch den Verzicht auf Zucker können Sie selbst aktiv werden und Ihre Darmgesundheit fördern.

Eine gesunde Darmflora steuert das Immunsystem 

Unser Immunsystem hat die Aufgabe, alle Feinde von innen und außen rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren. Dazu zählen in erster Linie Keime, aber auch Krebszellen und Allergene. Bei Allergien oder Autoimmunerkrankungen, die bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern, zum Beispiel Rheuma, Hashimoto Thyreoiditis oder Typ1 Diabetes, funktioniert das Immunsystem nicht so, wie es soll und es entwickelt sich eine Erkrankung. Damit dies nicht passiert, gibt es im gesunden Darm spezielle Regulationsmechanismen. Sie sorgen dafür, dass Keime und Krebszellen bekämpft werden, aber nicht -wie bei Allergien oder Autoimmunerkrankungen - der eigene Körper oder scheinbar gefährliche Allergene, wie Äpfel oder Birken. Mediziner sprechen hierbei von der "immunologischen Toleranz", an der schützende Darmbakterien direkt beteiligt sind.