Kaum ein Thema wird unter Betroffenen so viel diskutiert, wie die Ernährung während einer Krebserkrankung. Aber die Diskussion ist in der Laienpresse häufig von "Fake News" geprägt, die den Verkauf von Medizinprodukten ankurbeln sollen oder einfach Aufmerksamkeit erregen wollen. Wissenschaftlich geprüfte Aussagen stellen deshalb für Laien die wichtigste Quelle von Informationen dar, sind aber oft nicht rechtzeitig und in verständlicher Form verfügbar. Eine Zusammenfassung aktueller Studien soll Ihnen die Orientierung erleichtern: 

Was heißt hier gesund? 

Ernährungsmediziner und Onkologen haben mittlerweile zahlreiche Studien über den Einfluss von Ernährung auf das Brustkrebsrisiko, die Rückfallquote und die Lebensqualität zusammengestellt: 

Bunt ist gesund

Immer wieder kursieren Tipps und Empfehlungen, welche spezielle Ernährungsweise oder Lebensmittel "den Krebs besiegen", wie zum Beispiel Kohl, Beerenfrüchte, grüner Tee oder auf Kohlenhydrate verzichten (Keto-Diät).  

Eine "Anti-Krebs-Ernährung" gibt es laut Forschern nicht, denn selbst mit einem als Nutraceutical bezeichneten Lebensmittel oder einer bestimmten Diät lasse sich eine Krebserkrankung nicht behandeln. Außerdem sei die krebshemmende und immunmodulierende Wirkung beispielsweise nur im Tierversuch nachgewiesen oder die Studie entspricht nicht wissenschaftlichen Kriterien. Experten raten deshalb dazu, dass sich Frauen mit Brustkrebs grundsätzlich möglichst gesund und ausgewogen also "bunt" ernähren. Die Wirkung einer solchen Ernährungsweise auf den Verlauf von Brustkrebs ist nachgewiesen. 

Ernähren Sie sich mediterran

Das bedeutet eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, Nüssen und hochwertigem Olivenöl. Reduzieren oder verzichten sollten Frauen mit Brustkrebs auf gesättigte Fettsäuren und rotes Fleisch. Allerdings gilt Fleisch als wichtiger Lieferant von Eiweiß, Zink und Eisen, die im Kampf gegen den Krebs eine Rolle spielen. Deshalb erlauben Experten bis zu drei Portionen "weißes Fleisch" wie Geflügel pro Woche. Hochkalorische Softdrinks und Alkohol sollten so weit wie möglich vermieden werden. Die aktuelle Datenlage zum Verzehr von Sojaprodukten (Isoflavone) ist derzeit widersprüchlich. Die Studien beruhen aber meist auf experimentellen Daten, die man nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen kann. 

Nach bisherigen Daten kann die mediterrane Ernährung das so genannte "Gesamtüberleben" verbessern. Das bedeutet: Mit einer gesunder, mediterranen Ernährung haben Sie die Chance nicht nur länger, sondern auch besser zu leben. 

Wichtig zu wissen: Patientinnen mit Hormonrezeptor positivem Brustkrebs sollten möglichst auf Alkohol verzichten oder pro Tag auf keinen Fall mehr als 12 g Alkohol zu sich nehmen, das entspricht ca. 0,1l Wein oder 0,3l Bier. Durch den Verzicht auf Alkohol können Patientinnen laut Studien einem späten Rückfall vorbeugen, also nach über 5 Jahren ab der Erstdiagnose.

Nutzen Sie die Ernährungsberatung 

Während einer Chemo- oder Strahlentherapie leiden nicht alle, aber viele Patientinnen unter Nebenwirkungen, die durch eine passende Ernährung abgemildert werden können. Deshalb sollten Sie das Angebot zu einer Ernährungsberatung annehmen oder ihren behandelnden Arzt darauf ansprechen. Bisherige Studien haben gezeigt: 

Eine onkologische Ernährungsberatung und eine ergänzende Therapie mit individuell wichtigen Nahrungsbestandteilen, wie mehrfach ungesättigte Omega-3- Fettsäuren, reduziert diese Nebenwirkungen und verbessert darüber hinaus die therapeutische Wirksamkeit der Krebstherapie.  

Wichtig zu wissen: Um Neben- oder Wechselwirkungen zu vermeiden, sollten Krebspatientinnen Nahrungsergänzungsmittel nicht als Selbstmedikation, sondern nur nach einer ärztlichen oder ernährungsmedizinischen Beratung einnehmen. Durch eine ärztlich "verordnete", individuell passende Ernährung werden außerdem manche Nahrungsergänzungsmittel überflüssig. Ungesättigte Omega-3-Fettsäuren sind beispielsweise in hochwertigem Raps- oder Leinöl, aber auch Olivenöl enthalten. 

Unser Lesetipp: Patientinnen mit Brustkrebs sollten sowohl Übergewicht, als auch Untergewicht vermeiden. Ein normales Gewicht anzustreben oder trotz Krebstherapie zu halten ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden, aber auch für den Erfolg der Krebstherapie wichtig. Es gibt aber während einer Krebstherapie Phasen, in denen eine Diät nicht sinnvoll oder sogar gefährlich ist. Hierzu kann Sie der behandelnde Gynäkologe oder Onkologe beraten.