Mit der Diagnose Brustkrebs beginnt der Kampf um das Überleben. Die meisten Frauen hoffen auf eine Zukunft, denken in dieser Situation aber nicht an ihre finanzielle Absicherung. Die Folgen zeigen sich dann im Verlauf der Erkrankung und vor allem bei Frauen, die als geheilt aus dem Nachsorge-Programm entlassen werden. Sie haben den Krebs zwar überlebt, müssen aber mit Geldsorgen und teilweise sogar Armut leben, wie das aktuelle Positionspapier 'Krebs und Armut' der Deutschen Krebshilfe deutlich macht. Damit Frauen nach überstandener Krankheit das Leben wieder so sorgenfrei wie möglich genießen können, sollten sie rechtzeitig eine finanzielle Beratung in Anspruch nehmen und ihre Zukunft planen. 

Geldsorgen als Risikofaktor 

Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg untersuchten jetzt, welche Rolle die finanzielle Situation nach Brustkrebs für die Entstehung einer Depression spielt. Befragt wurden insgesamt 3010 Frauen zwischen 30 und 89 Jahren mit einem speziellen Diagnosefragebogen für Depressionen. Die Ergebnisse zeigten deutlich: Fast jede dritte Frau leidet 5 Jahre nachdem sie den Brustkrebs überstanden hat noch an Depressionen. Das ist laut Vergleichsdaten ein deutlich höherer Anteil als bei Frauen ohne Krebs. Bei der Suche nach möglichen Ursachen fanden die Forscher einen Risikofaktor, der bislang in der Versorgung und Forschung oft unterschätzt wurde: Die finanzielle Situation der Frauen. Es stellte sich bei der Studie heraus, dass Depressionen bei Frauen mit einem Gehalt unter 1500 Euro am häufigsten vorkommen. Geld allein macht nicht unbedingt glücklich, aber offenbar stellen Geldsorgen und Armut ein wichtiges Risiko für eine Depression bei Brustkrebs dar. 

Wichtig zu wissen: Frauen mit Brustkrebs sollten deshalb noch während der laufenden Therapie ihre psychische Gesundheit nicht vernachlässigen und einer Depression u.a. durch eine geeignete finanzielle Absicherung vorbeugen. Härtefonds für Krebspatienten sind eine Möglichkeit, plötzliche Notlagen gut zu überbrücken. 

Depressionen bei Brustkrebs  

Die meisten Frauen mit Brustkrebs empfinden immer wieder Angst und Sorgen vor der Zukunft oder fühlen sich manchmal verzweifelt und hoffnungslos. Diese Gefühle gelten zunächst als verständlich und normal. Je nach Verlauf der Erkrankung und persönlicher Situation kann sich daraus aber eine behandlungsbedürftige Depression entwickeln. Dies kann laut DKFZ-Studie auch Frauen betreffen, die den Brustkrebs erfolgreich überstanden haben.

Daran erkennen Sie eine Depression: Frauen mit einer Depression fühlen sich oft antriebslos und niedergeschlagen. Sie empfinden starke Selbstzweifel, Ängste oder fühlen sich innerlich leer. Typisch sind außerdem Schlafstörungen und indirekte Symptome, wie ständige Schmerzen, Verdauungsbeschwerden oder Schwindel. Der Alltag wird durch eine Depression stark eingeschränkt. Die Betroffenen vernachlässigen mit der Zeit soziale Kontakte, ihre Arbeit oder sogar Hobbies. Wenn Sie diese Symptome an sich bemerken, sollten Sie sich Unterstützung holen und ihren behandelnden Arzt oder Onkologen um Rat fragen. Speziell geschulte "Psychoonkologen" bieten therapeutische Hilfe an, die auf Krebspatienten abgestimmt ist. Selbsthilfegruppen geben Ihnen emotionale Unterstützung und konkrete Tipps, um einen Weg aus der Depression zu finden. Kontakte und Gespräche mit anderen Frauen nach Brustkrebs sind oft hilfreich um zu erkennen, dass Sie mit Ihren Problemen nicht alleine stehen.  

Wichtig zu wissen: Jede Krebserkrankung belastet nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Das persönliche Umfeld reagiert auf depressive Symptome der Betroffenen häufig nach dem Motto "Jetzt freu' dich doch, dass du überlebt hast!". Hierdurch gerät die Patientin zusätzlich unter Druck, da die Depression nach der Krebserkrankung als persönliche Schwäche empfunden wird. Dies belastet nicht nur die Beziehung zu nahen Angehörigen und die Heilung, sondern verhindert häufig eine rechtzeitige, passende Therapie.

Frauen und Geld: Ein vernachlässigtes Thema 

In Deutschland arbeiten laut Eurostat-Report fast die Hälfte aller Frauen zwischen 20 und 64 Jahren in Teilzeit, zum Beispiel um ihre Kinder oder Angehörige zu versorgen. Insofern verwundert es nicht, dass Frauen im Durchschnitt häufiger in Armut leben als Männer. Außerdem erhalten Frauen immer noch weniger Geld für die gleiche Leistung. Dieses Phänomen nennt man 'Gender-Pay-Gap', was den unterschiedlichen Brutto-Stundenlohn von Frauen und Männern beschreibt. Dies macht es Frauen deutlich schwerer, finanzielle Rücklagen zu bilden, die im Fall einer Erkrankung wie Brustkrebs wichtig wären. Kommt der Verlust der Arbeitsstelle hinzu oder eine Trennung, können Geldsorgen schnell zu einem stark belastenden, psychischen Stress werden. Existenzängste sind die Folge, aber durch die Krebserkrankung bleibt körperlich und mental wenig Kapazität für Problemlösungen. Im Gegenteil: Frauen mit Brustkrebs müssen ohnehin ein hohes Maß an Stress und Belastung verkraften und sind dadurch anfälliger für Depressionen. Aus diesem Grund raten Experten allen Frauen mit Brustkrebs, sich für die Zeit während und nach der Krankheit finanziell abzusichern oder beraten zu lassen. Dies minimiert nachweislich das Risiko für Depressionen.