Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Dieses Prinzip beschreibt die Schwierigkeit, Frauen mit  Brustkrebs gut zu behandeln, wenn sie durch ihre Krankheit zeitgleich beispielsweise unter Schmerzen und psychischen Beeinträchtigungen leiden. Forschende untersuchten jetzt, welche Kombinationen an Wirkstoffen das Risiko für Knochenbrüche bei Frauen erhöhen. 

Diese Medikamente begünstigen Knochenbrüche 

Zahlreiche medikamentöse Therapien begünstigen das Auftreten von Knochenbrüchen, weil sie Schwindel verursachen und dadurch die Sturzgefahr erhöhen oder aber direkt die Knochensubstanz schwächen. Insbesondere verschreibungspflichtige, stärkere Schmerzmittel (Opioide), Beruhigungsmittel (Sedativa) und bestimmte Antidepressiva (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI) werden mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gebracht und trotzdem noch zusammen verschrieben.

Die Folgen dieser heiklen Kombination wurden jetzt im Rahmen einer amerikanischen Studie untersucht und in der Zeitschrift für Sportmedizin veröffentlicht. Dabei fanden die Forschenden insgesamt 21 Medikamentengruppen, welche eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Knochenbrüche aufwiesen ("fracture-associated-drugs", FAD). Zusätzlich prüfte die Studie die geschlechtsspezifischen Unterschiede der jeweiligen Kombinationen, was für Frauen mit Brustkrebs wichtige Ergebnisse lieferte.

Höheres Risiko durch Wechselwirkungen 

In die Studie flossen Daten von insgesamt 2,6 Millionen Brustkrebs-Betroffenen beider Geschlechter ein. Als Indikator für das Risiko wurde u.a. die Zahl der Hüftfrakturen herangezogen. 

Das Ergebnis: Für Teilnehmende mit nur einem FAD-Medikament zeigte sich ein doppelt so hohes Risiko für Knochenbrüche. Wurden gleichzeitig zwei FAD-Medikamente angewendet, verdreifachte sich dieser Effekt. Bei drei oder mehr FAD-Medikamenten, die gleichzeitig eingenommen wurden, erhöhte sich das Risiko sogar um das Fünffache. 

Fazit: Bei bestimmten Medikamenten, die nachweislich Knochenbrüche begünstigen, verstärkt sich diese Wirkung, wenn sie kombiniert werden. Zwischen beiden Geschlechtern ließen sich leichte Unterschiede feststellen. Offenbar reagieren Frauen stärker auf Schmerzmittel der Kategorie Opioide als Männer: 

Medikamentenkombinationen auf die Frauen achten sollten (Risiko absteigend): 

  • Opioide + Sedativa
  • SSRI + Benzodiazepine
  • Opioide + entwässernde Medikamente vom Typ der Schleifendiuretika
  • Opioide + Protonenpumpenhemmer (PPI)
  • Opioide + Serotonin-Wiederaufnahme­Hemmer (SSRI)
  • Schleifendiuretika + Nitrate
  • SSRI + Schleifendiuretika

So können Sie das Risiko senken 

Durch Bewegung und den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel lässt sich das erhöhte Risiko für Knochenbrüche bei der Einnahme von FAD-Medikamenten wie Opioiden verringern. Einer Studie im Fachmagazin “JNCI Cancer Spectrum” zufolge, reduzieren zum Beispiel Sojaprodukte das Risiko für Knochenbrüche von Frauen mit Brustkrebs, die sich auf Grund der Krankheit in einer verfrühten Menopause befinden. 

Nach aktueller Studienlage ist ein moderater Soja-Konsum auch nach hormonsensitivem Brustkrebs möglich. 
Eine ausgewogene Ernährung mit kalziumreichen Lebensmitteln und eine gute Versorgung mit Vitamin D wirken dem Abbau der Knochensubstanz entgegen. Dieser positive Effekt ließ sich durch körperliche Aktivitäten vor allem bei älteren Frauen noch steigern.

Basiswissen Schmerzmittel: Opioide 

Diese Medikamente wirken direkt im zentralen Nervensystem und müssen ärztlich verordnet werden. Nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sollten Schmerzen nach diesem Stufenschema behandelt werden:

  • Stufe 1 leichte Schmerzen: nicht-opioide Medikamente 
  • Stufe 2 mittelstarke Schmerzen: schwache Opioide plus nicht-opioide Schmerzmittel 
  • Stufe 3 starke bis sehr starke Schmerzen: starke Opioide plus nicht-opioide Schmerzmittel

Zu den schwachen Opioiden gehören zum Beispiel Codein oder Tramadol, zu den starken Opioiden Fentanyl, Morphin oder Oxycodon. Diese Medikamente können als Tablette, Pflaster,  Infusion oder in anderer Form verabreicht werden.